Gorleben l Bei der aktuellen vierten Auslagerung von 64 Fässern aus dem Abfalllager Gorleben (ALG) im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg sind an einem Fass gleich zwei Befunde festgestellt worden. Zum einen handelt es sich um eine Korrosionsstelle im oberen Mantelbereich und zum anderen fanden sich Spuren von „auskristallisiertem Material“ am oberen Rand des Fasses, berichtete der Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums, Rudi Zimmeck.

Eine Messung habe ergeben, dass keine Kontamination auf den Befundflächen vorliegt. Das Umweltministerium als Aufsichtsbehörde hat angeordnet, dass das Fass am Konditionierungsstandort Duisburg vorerst nicht weiter verarbeitet werden darf. Ziel ist es, mit den am Standort Duisburg vorhandenen Mess- und Inspektionseinrichtungen die Ursachen für die Befunde zu ermitteln.

Angesichts der Funde weiterer Rostfässer im Fasslager Gorleben sei die Weigerung der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), für ein umfassendes Überwachungssystem zu sorgen, nicht mehr hinnehmbar, kritisiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI).

Auflagen der Aufsicht

„Es bleibt dabei, schadhafte Atommüllfässer werden nur entdeckt, wenn umgeräumt wird. Ansonsten bleibt es bei der Sichtkontrolle der jeweils ersten Reihen, das ist unverantwortlich“, moniert die Bürgerinitiative das Verhalten der GNS, die sich weigert, entsprechende Auflagen der Atomaufsicht umzusetzen und aktuell sogar dagegen klagt.

Mit der neuen Korrosionsstelle, die zufällig bei der Auslagerung der Fässer entdeckt wurde, die in Duisburg nachkonditioniert werden müssen, erhöht sich die Zahl der Rostfässer auf 10.

„Das ist bestimmt nicht das Ende der Fahnenstange“, mutmaßt die BI. Feuchte in der Lagerhalle sei ein Problem, so wird vermutet. Die GNS klagt gegen die behördliche Anordnung, ein Video gestütztes Überwachungssystem zu installieren.

Wenn jetzt aber auch Spuren „auskristallisierten Materials“ festgestellt wurden, so deute es darauf hin, dass auch die Fassinhalte untersucht werden müssen. „Wir hoffen, dass die Atomaufsicht hier Druck auf den Gorleben-Betreiber macht“, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Unterdessen gibt es zum Thema möglicher Endlager-standort einen Termin mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Umweltminister Stefan Wenzel. Sie wollen sich am kommenden Sonnabend, 27. August, ab 10 Uhr in Sichtweite des Atommülllagers einer öffentlichen Diskussion stellen. Thema ist: Die „Endlagersuche“ in Deutschland – hat uns die „Endlagerkommission“ einen Schritt weiter gebracht? Wenn ja: Wohin?“

Eingeladen haben die Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz aus Lüchow-Dannenberg, die Veranstaltung findet im Gedelitzer Gasthof Wiese statt, einem längjährigen Versammlungsort des Widerstandes gegen die Gorlebener Anlagen. Die Zukunft dieses Atommüllstandortes wird besonders im Fokus stehen. „Die Endlagerkommission konnte sich nicht auf eine gemeinsame Bewertung einigen, er soll im Rennen bleiben. Wir wollen wissen: Wie stehen der Ministerpräsident und sein Umweltminister dazu?“, berichtet Ehmke.

Sicherheit der Bevölkerung

Eine rückwärtsgerichtete Abrechnung soll die Diskussion nach dem Willen der Veranstalter aber nicht werden, kündigt er an. Es gehe vielmehr um Zukunftsfragen. So unter anderem: Welche Ziele hat die niedersächsische Landesregierung, welche Handlungsmöglichkeiten sieht sie?

Die wichtigste Frage für die Menschen der gesamten Region um Gorleben stelle sich aber angesichts der Tatsache, dass die Suche nach einem Endlager noch Jahrzehnte dauern wird: „Was wird aus den Zwischenlagern, in denen bereits große Mengen Atommüll untergestellt sind? Wie sollen sie ertüchtigt werden, um Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen?“, informiert Ehmke.