Salzwedel l Das Weihnachtsfest wird für die meisten in diesem Jahr deutlich einsamer, als sie es gewohnt sind. Familienfeste sind nur mit wenigen Teilnehmern erlaubt, und Gottesdienste werden wesentlich weniger persönlich, weniger gemütlich.

Damit, dass sie im Lockdown überhaupt stattfinden – anders als noch zu Ostern – haben sie zwar anderen Teilen des öffentlichen Lebens etwas voraus. Die Bedingung dafür sind aber strenge Auflagen.

„So eine Situation haben wir noch nicht gehabt“, beschrieb Matthias Heinrich, Superintendent des Kirchenkreises Salzwedel, die Organisation der Gottesdienste. Nicht nur, dass den Kirchen nach Beschluss des Lockdowns (13. Dezember) weniger als zwei Wochen zur Planung blieben. Wegen der neuen Verfügung des Altmarkkreises, die seit dem 21. Dezember gilt, mussten viele schon geschmiedete Pläne über den Haufen geworfen werden.

Dementsprechend stehen die Informationen, die die Volksstimme zum Redaktionsschluss am 22. Dezember hatte, hier auch unter Vorbehalt. Dass kurzfristig Veranstaltungen abgesagt werden, ist weiterhin möglich – hier sind die Aushänge der Kirchen die zuverlässigste Quelle.

St. Georg/Groß Chüden

Erste Absagen wurden aber schon getätigt, im Falle des Kirchenspiels St. Georg/Groß Chüden sogar für eine ganze Gemeinde. Denn sämtliche Gottesdienste bis zum 31. Dezember finden nicht statt, schrieb Gemeindekirchenratvorsitzender Jost Fischer.

„Die Gefahr ist größer als der Nutzen“, begründete Pastor Joachim Thurn die Entscheidung. Er nannte aber auch den Umstand, dass die Vorgabe des Sicherheitsabstandes – mittlerweile müssen um eine Person mindestens 10 Quadratmeter Platz sein statt vorher 5 – in vielen Kirchen nicht umsetzbar sei.

Marienkirche

Wo es noch möglich ist, musste dagegen die Teilnehmerzahl weiter begrenzt werden, weiterhin gelten Vorgaben wie die Maskenpflicht, und Gesang der Gemeinde ist nicht erlaubt.

Dies ist zum Beispiel bei den Gottesdiensten in der Marienkirche um 16 und 17.30 Uhr sowie bei der Lichtandacht um 22.30 Uhr der Faöö. 17.30 Uhr soll neben dem Orgelspiel eventuell sogar ein Solo-Sänger auftreten.

Für diese Gottesdienste wird auf eine Anmeldung im Voraus bestanden, bei der man sich einen oder mehrere Termine über ein online angebotenes Formular aussuchen konnte. Mit der Rückmeldung gab es auch eine zugewiesene Platznummer. Für alle Veranstaltungen bis auf die um 16 Uhr ist noch eine Anmeldung möglich, schrieb die Marienkirche in ihrem jüngsten Gemeindebrief.

Allerdings gab es auch bei dieser Gemeinde Absagen, speziell für Böddenstedt und Kemnitz. Bei letzterem sollte eigentlich auf die Schützenhalle ausgewichen werden, was aber nicht funktionierte, da nicht-christliche Räumlichkeiten nicht zulässig seien, schilderte Pfarrer Friedrich von Biela. Dafür werden die Kirchen zwischen 15 und 18 Uhr für Gebete geöffnet.

Katharinenkirche und St. Lorenz

Die Christvesper der Katharinenkirche um 17 Uhr findet unter freiem Himmel statt. Hier wurde das Programm etwas verdünnt, indem das eigentlich geplante Krippenspiel auf den vierten Advent vorgezogen wurde.

Ebenfalls um 17 Uhr findet der Gottesdienst der katholischen St. Lorenzkirche statt. Dieser wird wohl sehr kurz, wie Pfarrer Andreas Lorenz beschreibt. Er wolle es bei einem kurzen Impuls und einem Gebet belassen – „dann wäre praktisch der ganze Gottesdienst nach zehn Minuten zu Ende“.

Das sei eine Alternative dazu, die Veranstaltung ganz ausfallen zu lassen – auch, um unschöne Parallelen zu dem zu vermeiden, was am Heiligabend eigentlich gefeiert wird: „Ich möchte nicht die Rolle von so einem Wirt einnehmen, der dichtmacht und die Leute wegschickt“, beschreibt Lorenz. Er rechnet aber ohnehin nicht mit vielen Teilnehmern.

Der Gottesdienst zu Hause

„Auch wenn der Gottesdienst ausfällt, muss nicht Weihnachten ausfallen“ kommentierte Joachim Thurn die Absagen der St. Georg-Dienste. Die Gemeinde hatte schon vor dem Ausfall Möglichkeiten angeboten, von Zuhause an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Im Gemeindebüro  liegen etwa Hefte mit Gedichten, Gebeten und Liedern aus, um sich in der heimischen Stube ein eigenes Programm zu gestalten. Auch Spendenumschläge werden angeboten, um sich an der Kollekte zu beteiligen.

Die Marienkirche will eine Möglichkeit einrichten, ihren Gottesdienst per Telefon verfolgen zu können – und mithilfe des Computerprogramms "Zoom" auch über diesen Link.