Henningen l Die Henninger Grundschule ist eine Dorfschule wie aus dem Bilderbuch. Idyllisch liegt sie am Rande des Ortes, die Atmosphäre ist im besten Sinne familiär. Fünf Lehrer kümmern sich um derzeit 85 Schüler, die in insgesamt fünf Klassen unterrichtet werden. Ein attraktiver Arbeitsplatz für einen Schulleiter, möchte man als Außenstehender meinen. Doch dem ist nicht so.

Seit dem Beginn dieses Schuljahres leitet Marita Petz die Bildungseinrichtung kommissarisch. Sie wurde aus Diesdorf abgeordnet, nachdem den langjährigen Henninger Schulleiter Falko Pabst der Ruf an die Salzwedeler Jenny-Marx-Grundschule ereilt hatte. Seitdem war die vakant gewordene Stelle in Henningen ausgeschrieben.

Doch beworben hat sich seither niemand, wie Silke Stadör vom staatlichen Schulamt auf Anfrage der Volksstimme berichtet. Auf die Erstausschreibung im Herbst des vergangenen Jahres waren die Reaktionen gleich null. Auch die Nachausschreibung, die seit dem 20. März bis zum 17. April läuft, trifft bis dato auf keinerlei Resonanz. Bis zum 10. April ist jedenfalls noch keine Bewerbung eingetroffen.

Dauerprovisorium möglich

Zufrieden ist das Schulamt damit nicht. „Wir sind bemüht, alle vakanten Schulleiterstellen so schnell wie möglich zu besetzen“, formuliert Silke Stadör den Anspruch ihrer Behörde. Weil dies aber offensichtlich für die Henninger Grundschule ein Problem ist, könnte die kommissarische Schulleitung – eigentlich als Provisorium gedacht – zum Dauerzustand werden. Denn eine „generelle zeitliche Höchstdauer beziehungsweise Begrenzung gibt es für kommissarische Schulleiterstellen nicht“, gibt Silke Stadör Auskunft.

Allerdings ist die Henninger Misere kein Problem, das die kleine Dorfschule in Sachsen-Anhalt exklusiv hat. Von den 448 Grundschulleiterstellen im Bundesland sind momentan 49 nicht besetzt. Das macht einen Anteil von knapp 11 Prozent aus.

Die Landesregierung hat unter anderem die schlechte Bezahlung der Schulleiter als mögliche Ursache für den Mangel ausgemacht. Denn die ist vergleichsweise gering. Abhängig von der Schülerzahl, werden Direktoren an Grundschulen nach A 12 mit Zuschlag (bis zu 80 Schüler) bis zu A 14 (mehr als 360 Schüler) bezahlt.

Grundschulleiter erhalten laut Besoldungs­tabelle für den öffentlichen Dienst – je nach Alter – ein monatliches Brutto-Grundgehalt zwischen 3200 und knapp 4400 Euro in der letzten Stufe. Das ist nicht einmal die Besoldung, die die ganz normalen Lehrkräfte aller anderen Schulen mit A 13 (Brutto-Grundgehalt je nach Alter zwischen 3770 und 4870 Euro) bekommen. Die Zulage für die Leitungsstelle beträgt 161,99 Euro.

Gehalt soll steigen

An dieser Position soll nun teilweise nachgebessert werden. „Wir wollen die Funktionsstellen, die nach A 12 + besoldet sind, auf die Stufe A 13 anheben“, sagt Michael Schulz, stellvertrender Pressesprecher des Bildungsminsteriums. Das wäre ein Plus von monatlich mehr als 500 Euro brutto. In der kommenden Woche geht der Gesetzentwurf in die zweite Lesung im Landtag. Ob damit das Problem der Henninger Grundschule zeitnah gelöst wird, ist natürlich fraglich. Es wird wohl bei der provisorischen Lösung bleiben.