Salzwedel l Was feiern wir hier eigentlich? Diese Frage stellte zum Beginn der offiziellen Festveranstaltung Schulleiter Ralf Hoppstock. Die Aula? Das Schulgebäude? Oder gar das Lehrerkollegium? Nichts von alle dem, antwortete Edgar Seifert. Schließlich ist die Schule selbst älter als alles andere, sagte der pfiffige Gymnasiast. Dem konnte Hoppstock, immerhin der insgesamt 30. Leiter der Schule, nur zustimmen.

„Mit der Bildungseinrichtung feiern wir heute eine Idee, die Zukunftsvision der Gründerväter“, ergänzte der Pädagoge. Diese hatten sich vor 275 Jahren das Ziel gesetzt, in einer höheren Lehranstalt junge Menschen zu gebildeten Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. Trotz veränderter Lehrpläne, gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und Wandlungen hat sich daran grundsätzlich bis heute nichts geändert.

Einst kaisertreu, heute weltoffen

Geändert haben sich natürlich auch Ansichten und Einstellungen. War der Absolvent des Gymnasiums noch vor 120 Jahren eher nationalistisch und kaisertreu, stehen heute Werte wie Eintreten für die Allgemeinheit und Weltoffenheit im Mittelpunkt. Besonders stolz ist Ralf Hoppstock in diesem Zusammenhang über die Partnerschaft mit der dänischen Partnerschule in Ikast-Brande. Deren Direktorin Marianne Dose war eigens zum Jubiläum in die Altmark gekommen. „Bei allen Unterschieden finden die Schüler viel Gemeinsames bei ihren Treffen und genau darauf kommt es an“, versicherte die Lehrerin aus Dänemark.

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Die Zusammenarbeit hat im Gymnasium übrigens Tradition. Schon vor 200 Jahren wussten Menschen von jenseits der preußischen Grenze, die Bildungsarbeit in Salzwedel zu schätzen. Der größte Teil der von ihnen kam aus den angrenzenden Gebieten des Königreichs Hannover, also aus dem Raum Lüchow und Uelzen. Diese und weitere interessante bis kuriose Tatsachen aus der 275-jährigen Geschichte konnte Prof. Dr. Lutz Dieter Behrendt zusammentragen. In Vertretung für den erkrankten Manfred Lüders hielt er gemeinsam mit Geschichtslehrer Robert Platzke die Festrede. Behrendt besuchte von 1955 bis 1959 das Gymnasium.

Lehrerschaft mit schlechtem Ruf

Nach dem Zusammenschluss der beiden Lateinschulen von Alt- und Neustadt genoss die Lehrerschaft nicht den besten Ruf. Die Pädagogen galten als unwillig und verbraucht. Erst mit Johann-Friedrich Danneil zog ein neuer Geist in das ehemalige Franziskanerkloster, dem heutigen Rathaus, ein. Danneil galt zwar als streng, doch der Rohrstock hatte bei ihm ausgedient.

Der Neubau des Schulgebäudes im neugotischen Stil war eine kleine Revolution für Salzwedel. Immerhin gab es erstmals einen in den Komplex integrierten Sportsaal. Dennoch dauerte es bis 1921, bis das Fach Sport eine Abiturnote wurde.

Getrennte Pausen

Eine weitere Neuerung gab es in jenem Jahr mit den ersten Mädchen im Gymnasium. Diese durften ihre Pausenzeiten jedoch nicht mit den männlichen Mitschülern verbringen. Der ihnen zugewiesene Bereich galt in Schülerkreisen schnell als „Gänsewiese“.

Eine weitere Konstante über die vergangenen 275 Jahre konnte Robert Platzke heraus arbeiten. „Die Kinder, die an der Schule lernten, waren und sind unser höchste Gut“, stellte er in seiner Rede fest.

Nach der Festveranstaltung in der Aula ging es in der Sporthalle weiter. Ganz im Geiste von Turnvater Jahn stand dort die sportliche Betätigung im Mittelpunkt. Für die Schüler endet die Festwoche mit dem großen Schulfest.