Tierquälerei

Halb verhungerte Schweine: Salzwedeler Gericht verhängt Geldstrafe

Wegen Tierquälerei stand ein Schweinehalter aus der Altmark in Salzwedel vor Gericht. Einige seiner Tiere waren offenbar bis auf die Knochen abgemagert.

Von Saskia Stelter 14.05.2022, 06:00
Schweine drängen sich in einem Schweinestall.
Schweine drängen sich in einem Schweinestall. Symbolfoto:dpa

Salzwedel - Wiedersehen auf der Anklagebank. Gestern musste sich ein 51-jähriger Schweinezüchter aus der Altmark zum zweiten Mal vor dem Salzwedeler Amtsgericht verantworten. Er soll sechs seiner Schweine hungern lassen haben. Sie waren offenbar bis auf die Knochen abgemagert.

Waren die Tiere krank?

Er selbst bestreitet den Vorwurf: Seine Tiere hätten immer genug zu fressen. Dass einige von ihnen zum Tatzeitpunkt im Oktober 2020 mager waren, sieht er jedoch auch so. Aber: Nicht aus Futtermangel, sondern aus Krankheitsgründen. Bei der Fortsetzung wurden zwei weitere Zeugen gehört: die Lebenspartnerin des Angeklagten und ein Freund, der die Urlaubsvertretung für die Schweine übernimmt.

Zeugen verteidigen den Angeklagten

Beide beschreiben die Tiere als „gut versorgt“. Letzterer erinnerte sich aber auch an Tiere, die mager aussahen und von den anderen ausgegrenzt waren. Weil er kein Tierarzt sei, wüsste er aber nicht, wie die Schweine im fortgeschrittenen Alter aussehen und sich verhalten müssten. Gefüttert habe er jedenfalls genug und die Schweine hätten auch alle gefressen.

Die 46-jährige Partnerin des Angeklagten pendelte die letzten fünf Jahre und wohnte entsprechend nicht durchgehend bei demAngeklagten. Wenn sie da war, helfe sie aber täglich bei den Fütterungen. Ihr Mann tue eigentlich immer etwas für die Schweine, sagte sie im Zeugenstand aus. Er kümmere sich und kaufe sehr viel Futter. Zusätzlich sammle das Paar Mais und Eicheln, die in Garagen auf dem Grundstück eingelagert würden. Futter stehe den Tieren immer genügend zur Verfügung, könne sie daher bezeugen.

Vorwurf gegen Richter

Die Zeugin – von Beruf Künstlerin – warf Richter Klaus Hüttermann vor, keinen richtigen Eindruck von der Haltung der Herde zu haben. Mehrfach wollte sie ihm Videos vorspielen, die den Zustand und Lebensraum der Schweine zeigen. Angucken wollte der Richter sich keines davon. Der Grund: Es gehe um den Verstoß gegen das Tierschutzgesetz im Oktober 2020, von wann die Videos sind, könne er nicht einschätzen oder sie lagen sogar offensichtlich nicht im untersuchten Zeitraum. Das wurde in der Verhandlung deutlich.

Verfahren verkürzt

Stattdessen versuchte Hüttermann, wie auch schon beim letzten Mal, das Verfahren zu verkürzen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft unterstützte den Vorschlag und schlug eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldstrafe vor. Nach kurzer Beratung zwischen dem Angeklagtem und seiner Anwältin stimmten beide dem Vorschlag zu. Das Verfahren gegen den Schweinehalter ist zunächst für zwei Monate eingestellt, der Angeklagte muss innerhalb dieser Frist 500 Euro an das Frauenhaus Salzwedel zahlen. Dann kann der Vorgang ad acta gelegt werden.