Diesdorf l Das wollte er seinen Enkeln Jannes (11) und Jan Lucas (14) unbedingt zeigen: Wilhelm Schulz war aus dem Raum Uelzen nach Diesdorf gekommen. „Ich habe das ja selbst alles noch so erlebt“, erzählte er begeistert von der Authentizität der dargestellten und von Klaus Merda kommentierten Ernte auf dem Roggenfeld des Freilichtmuseums. Schon als Kind auf dem elterlichen Hof, später in der Landwirtschaftslehre und bei der Arbeit nach einem Studium hatte er die Entwicklung der Erntetechnik über Jahrzehnte hautnah verfolgt, berichtet der 79-Jährige und fachsimpelte mit den Erntehelfern über die einzelnen Maschinen, das Binden der Garben und vieles mehr. Die Jugend war angetan von dem, was sie sah. „Es gefällt mir gut. Es ist sehr interessant“, sagte Jannes, der auf einem Bauernhof groß wird und die modernen Mähdrescher gut kennt. „In einigen Jahren gibt es so etwas wie hier vielleicht gar nicht mehr zu sehen“, befürchtete ihr Großvater.

Heimatverbundene aus Dähre, die mit originaler Technik und ganz viel Handarbeit die Getreideernte darstellten, konnten sich über interessiertes Publikum freuen. In ihren historischen Kostümen beantworteten sie jede Menge Fragen oder führten Gespräche mit Besuchern der älteren Generation,bei denen der Anblick der zusammengestellten Garben viele Erinnerungen an ihre Jugendzeit wachrief.

Tanz um die letzte Garbe

Auch der Winterroggen im Freilichtmuseum hat unter der langen Trockenheit gelitten. Für die Vorführungen hätte der spärliche Bestand nicht gereicht. Gut, dass hinter dem Museumsgelände ebenfalls Roggen angebaut war. Die Landwirte haben für das Schaumähen einen Streifen stehen lassen. Der Zaun wurde geöffnet, und die Erntehelfer konnten ihre Kornsensen schwingen. Nach einer zünftigen Pause wurde die Ernte beendet und dann, wie es Brauch ist, um die letzte Garbe getanzt.

Bilder

Die Garben werden in den kommenden Tagen eingelagert und im Herbst beim Erntefest mit der alten Dreschmaschine oder von Hand mit Dreschflegeln gedroschen.

Im Museumsdorf gab es noch viel mehr zu entdecken. In den historischen Häusern, in der Schmiede, in der Dorfschule mit dem strengen Lehrer Heinz-Günter Klaas, beim Waschtag und vielen anderen Aktivitäten verging die Zeit für Jung und Alt wie im Flug.