Salzwedel l Im Herbst dieses Jahres gibt es für die Kickerfreunde Salzwedel etwas zu feiern. Der gemeinnützige Verein wird fünf Jahre alt. Doch ob die Korken bei den 30 Mitgliedern knallen, steht derzeit noch in den Sternen. Denn der Verein hat Großes vor, steht aber vor Problemen. Das derzeitige Vereinsheim erfüllt nicht mehr die Anforderungen. Bei der Suche nach einer neuen Unterkunft hat die Stadt Salzwedel im Sommer 2018 den Kickerfreunden das ehemalige „Eskadron“ angeboten. Nach zwei Vor-Ort-Terminen waren sich die Vereinsmitglieder einig: Das soll unser neues Heim werden. Nach mehreren Monaten des Wartens und Planens kam aber die Ernüchterung.

Vereinsheim zu klein

Marco Heide, Vorsitzender der Kickerfreunde, zeigt das derzeitige Vereinsheim am Böddenstedter Weg, im sogenannten Haus der Vereine. Dort haben die Mitglieder einen rund 40 Quadratmeter „großen“ Raum für kleines Geld. Aufgehübscht mit Eigenleistungen. Eine Sofaecke, ein kurzer Tresen und drei Profikickertische stehen dort – dass war‘s. Was vor wenigen Jahren noch absolut ausreichend war, stößt heute an seine Grenzen. „Das Vereinsheim ist einfach zu klein“, bringt es Marco Heide auf den Punkt.

Denn das Kickern ist längst nicht mehr nur das einzige Angebot, welches die Mitglieder in und um Salzwedel auf die Beine stellen. Musikveranstaltungen, Angebote für Schüler, Fußballturniere, Veranstaltungen mit den Skatern. Und dabei soll es nicht bleiben, die Vorhabenliste der Kickerfreunde ist lang. Auch Lesungen, thematische Grillabende, Kleinkunst-Bühne, Theateraufführungen, Flohmärkte und Plattenabende sind angedacht.

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Veranstaltungen mit 100 Personen

Dazu gesellen sich noch etliche weitere Ideen, wie Marco Heide auflistet. Gewissermaßen ein Freizeittreff für jedes Alter. Hinzu kommen die Wochenendturniere und die Kicker-Stadtmeisterschaft. Und eben dafür sind die knapp 40 Quadratmeter am Böddenstedter Weg viel zu klein, erklärt er. Denn bei den Veranstaltungen werden zum Teil bis zu 100 Personen erwartet.

Daher haben sich die Kickerfreunde im vergangenen Jahr bereits Gedanken um ihre Zukunft und ein künftiges Domizil gemacht. Fazit: Ein größeres Vereinsheim muss her. Das „Eskadron“ wäre ideal. Seit Jahren steht das Objekt leer, das Grundstück wirkt etwas verwahrlost. „Daraufhin haben wir der Stadt ein Nutzungskonzept vorgelegt“, sagt Marco Heide. Darin ist neben den zahlreichen Veranstaltungsideen auch ein Finanzierungsplan zu finden, wie der Verein die Jahresmiete in Höhe von 9600 Euro schultern will.

Kein wilder Haufen Jugendlicher

„Wir würden auch die Pflegearbeiten auf dem Grundstück und kleine Instandhaltungsmaßnahmen übernehmen“, sagt Heide. Hinzu käme ein Imagegewinn für die Hansestadt, denn der Verein sorgte mit seinen Veranstaltungen in der Vergangenheit für Zulauf mit etlichen Gästen aus dem Umland. So reisen Besucher nicht selten aus Hamburg, dem Wendland, Uelzen oder Magdeburg an.

Alles in allem haben sich die Kickerfreunde zu einer kulturellen Größe der Stadt entwickelt. „Wir sind ja auch kein wilder Haufen Jugendlicher, die sich ein Luftschloss bauen“, sagt Marco Heide. Vielmehr finden sich Geschäftsführer, Pädagogen, Journalisten und Menschen in Führungspositionen in ihren Reihen.

Bürgermeisterin will verkaufen

Die Stadt Salzwedel kümmert das offensichtlich wenig. „Bezüglich Grundstücksangelegenheiten oder Gesprächen zu Vermietung/Verkauf/Kauf gibt es grundsätzlich keine Aussagen bei laufenden Vorgängen“, heißt es von Stadtsprecher Andreas Köhler. Wie es hinter vorgehaltener Hand aus dem Rathaus heißt, möchte Bürgermeisterin Sabine Blümel das „Eskadron“ lieber verkaufen. Das wundert Marco Heide schon: „Im Sommer ist die Stadt noch mit dem ‚Eskadron‘ auf uns zugekommen.“ Nun aber die Kehrtwende. Das verwundert den Vorsitzenden noch mehr: „Die Stadt könnte einen dicken Spatz in der Hand haben. So hat sie eine Taube auf dem Dach.“

Er grübelt nun weiter, ob und wie sich die Angebote der Kickerfreunde in die Stadt tragen lassen, denn um eine neue Immobilie kommt der Verein nicht umhin. „Wir brauchen etwa 90 Quadratmeter“, erklärt er: „Wenn sich jemand angesprochen fühlt, kann er sich gern bei uns melden.“ Beispielsweise über Facebook.