Salzwedel l Ein besonderes Jubiläum feiert in diesem Jahr das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Salzwedel. Die Schule – die zweitälteste in Sachsen-Anhalt und sechstälteste der neuen Bundesländer – kann auf eine 275-jährige Geschichte zurückblicken. Mit einer Festwoche (Programm siehe Be- richt unten) soll dieses Jubiläum entsprechend gewürdigt werden.

Im Jahre 1713 werden in Salzwedel die Alt- und Neustadt miteinander vereinigt. Doch bis es am 11. September 1744 zur feierlichen Vereinigung der Neustädter und der Altstädter Lateinschule kommt, wird auf höchsten Ebenen vom städtischen Magistrat über Kirchenvertreter bis hin zum König verhandelt.

Schon ab 1707 wird die Kombination der beiden Bildungsstätten angestrebt, aber immer wieder verhindert. Wie Salzwedels Stadtarchivar Steffen Langusch in einem Aufsatz festhielt, vermutete schon Johann Friedrich Danneil – von 1819 bis 1852 Rektor des späteren Gymnasiums, „dass die Eifersucht der Städte untereinander noch zu groß und es für die Neustadt unvorstellbar war, ihre Schüler in ein Schulgebäude auf der Altstadt zu schicken“.

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37 Jahre langer Verwaltungsakt

37 Jahre zieht sich der Verwaltungsakt hin, den heute noch zwei umfangreiche Magistratsakten im Bestand des Salzwedeler Stadtarchivs bezeugen können. Damit gibt es ab 1744 in der Hansestadt erstmals eine sogenannte „Große Schule“. Doch auch ihre Eröffnung muss kurzfristig noch um eine gute Woche verschoben werden. Wie Steffen Langusch bei einem Blick in die Jahrhunderte alten Schriftstücke feststellte, waren die Räume des Schulhauses Anfang September 1744 noch nicht bezugsfertig. Erster Rektor wird Georg Scholle.

Für Steffen Langusch ist der Erhalt der beiden Magistratsakten aus dem 18. Jahrhundert „ein kleines Wunder“. Denn aus dieser Zeit sind nach dem verheerenden Rathausbrand in der Nacht vom 6. auf den 7. März 1895 nur wenige Zeugnisse der frühen Stadtgeschichte erhalten. „Diese Akten müssen woanders, eventuell sogar in der Schule gelagert gewesen sein“, mutmaßt der Archivar. Sie sind für ihn immer wieder ein Quell bis dahin noch unbekannter historischer Begebenheiten.

Winckelmann bewarb sich

So entdeckte Langusch in einer dieser Schulakten, dass sich der Stendaler Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), der später als Begründer von wissenschaftlicher Archäologie und Kunstgeschichte bekannt wurde, auf die Rektorenstelle in Salzwedel beworben hat. „Dort ist aber vermerkt, dass er nicht zum Termin erschienen ist“, weiß Langusch zu berichten.

Die weitere Geschichte der Großen Schule, die 1931 nach ihrem prominenten Schüler Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) benannt wurde, bietet noch eine Vielzahl weiterer Anekdoten. Die spannenden Geschehnisse aus aktueller Zeit, werden sicher bei den anstehenden Feierlichkeiten zum 275-jährigen Bestehen wieder erzählt werden.

Festveranstaltung im Mittelpunkt

Unter dem Motto „Unsere Schule ist bunt“ feiert das Jahngymnasium vom 9. bis 13. September das 275-jährige Bestehen der Schule. Im Mittelpunkt steht am Mittwoch, 11. September, ab 14 Uhr eine Festveranstaltung in der Aula des Gymnasiums. Genau an diesem Datum im Jahr 1744 wurde die Schule gegründet. Zur Feier wird dann auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner in der Hansestadt erwartet. Neben seinem Grußwort gibt es Festreden von Schulleiter Ralf Hoppstock, Landrat Michael Ziche sowie weiterer Ehrengäste. Für musikalische Unterbrechungen sorgt der Schulchor mit seinem breiten Repertoire. Nach der Festveranstaltung wird allen Besuchern ein sportliches Programm unter Leitung von Lehrerin Julia Illiger geboten. „Es wird bunt, mal besinnlich und mal schwungvoll“, will die Pädagogin noch nicht zu viel verraten. Neben der Sportlehrerin hat ein Komitee die komplette Festwoche geplant. Dazu gehören neben dem Schulleiter die Lehrer Adrian Lehmann, Berit Wunderlich, Anja Sköries und Robert Platzke.

Zum Auftakt am Montag, 9. September, wird es ebenfalls sportlich. Im Seelenbinder-Stadion steht das Jahnsportfest an. Zu den Leichtathletikwettkämpfen werden Teilnehmer aus zahlreichen Schulen der Altmark erwartet.Von Dienstag bis Donnerstag folgen Projekttage in der Schule. Deren Ergebnisse werden am Freitag, 13. September, im Rahmen eines Schulfestes präsentiert. An diesem Tag soll auch ein Foto mit allen Schülern aufgenommen werden. Außerdem ist ein Treffen ehemaliger Pennäler geplant.