Salzwedel l Beim 2. Jour Fixe in diesem Jahr, das auch von Eva-Maria Jasarevic organisiert wurde, trafen sich die Kulturstammtischfreunde in bierseliger Runde, bei dem der goldene Gerstensaft im Mittelpunkt des informativen Abends stand. Passenderweise hatten sie dafür die Kulturnische zum Treffpunkt gewählt, in der auch die Salzwedeler Bierbrauer mit ihrem Hobby eine lange Salzwedeler Tradition am Leben erhalten.

Das Bier und die Salzwedeler Geschichte waren einst eng verwoben. Den Unterlagen ist zu entnehmen, die ihr Stadtarchivar Steffen Langusch zur Verfügung gestellt hatte, gab es bereits im 13. Jahrhundert Brauereien in der Jeetzestadt. Allerdings meist nur kleinere Hausbrauereien, die zunächst mehr oder weniger für den eigenen Bedarf produzierten, berichtete Jasarevic. Doch mit der Zeit wurde das altmärkische Bier über die Stadtgrenzen hinaus begehrt.

Begehrtes Handelsgut

So ließen sich in Gardelegen mit dem Garley-Bier, in Tangermünde mit dem Kuhschwanz-Bier, in Stendal mit dem Taubentanz-Bier und in Salzwedel mit dem Soltmann-Bier als begehrtes Handelsgut gute Umsätze erzielen. Dieses erzeugte wiederum bei dem stets klammen Markgrafen von Brandenburg, Johann Cicero, zu dessen Machtbereich auch die Altmark gehörte, Begehrlichkeiten.

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Und so führte er 1488 die Bierziese ein, die erste indirekte Verbrauchssteuer. Für den Zeitraum von sieben Jahren sollte auf jede in der Mark gebraute Tonne Gerstensaft 12 Pfennig abgeführt werden, davon 4 für die Stadt und 8 für den Kurfürst. Da eine Tonne Bier zu dieser Zeit zirka 4 Schilling, was 48 Pfennig entsprach, kostete, musste ein Viertel des Ertrages als Steuer abgeführt werden.

Bierkrieg

Das führte zum Widerstand der altmärkischen Städte, da sie darin eine Beschneidung ihrer Privilegien sahen. Darauf kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die als Bierkrieg in die Annalen der Geschichte eingingen. Die Aufstände wurden letztlich durch die Soldaten des Kurfürsten niedergeschlagen und die Rädelsführer bestraft. So auch in Salzwedel, wo zwei Aufrührer enthauptet wurden. Harte Auflagen begrenzten von nun an die städtische Freiheit und Salzwedel verlor unter anderem sein Münzrecht. Doch ihrem Bier blieben die Altmärker treu. Die Qualität war so gut, dass der Kupferstecher Matthäus Merian, der auch von Salzwedel einen Kupferstich anfertigte, des Salzwedeler Bieres des Lobes voll war und es sogar vor dem aus Lüneburg favorisierte.

108 Braustellen

1719 gab es in der Stadt 108 Braustellen und 36 Branntweinbrennereien, sogenannte Blasen, war beim Jour Fixe zu erfahren. Zunächst wurde das Braunbier, ein obergäriges Bier, gebraut, dessen Fertigung recht einfach war und keiner besonderen Kühlung bedurfte und später ein untergäriges Lagerbier. Etwas Rätselraten dann bei den Anwesenden, als die Namen einzelner Brauereien genannt wurden, die ab 1865 in Salzwedel tätig waren. Die Namen wie Freidanck, Küntzel, Pohle, Quendt, Wande oder Schröter waren zwar bekannt, aber nicht immer war man sich bei der örtlichen Zuordnung einig. Die Bergbauschlossbrauerei auf dem Perver Berg kannten hingegen noch alle. 1897 gegründet, versiegte der Bierhahn dann bereits nach 100 Jahren für immer.

Der Salzwedeler Enrico Dannies, Mitglied des Soltmann-Stammtisches, konnte an dem Abend auch noch einige wertvolle Informationen beibringen. Er ist ein leidenschaftlicher Sammler von allem, was mit der Bergschloss-Brauerei, die außerhalb der Stadt sieben Niederlassungen betrieb, zu tun hat oder hatte. So brachte er zum Treffen eine alte Postkarte von der Bergschloss-Brauerei und drei Biermarken, die um 1900 ausgegeben wurden, mit. Die Brauereien Meyer und Freydanck hatten sich zur Bergschloss-Brauerei zusammengeschlossen. Für Dannies ein Glücksfall, alle drei Marken ersteigert zu haben. Im Anschluss plauderten die Anwesenden noch ausgiebig mit den letzten Salzwedeler Brauern, die ihre Erfahrungen bei der Herstellung des goldenen Gerstensaftes gern weitergaben.