Salzwedel l Ein knapp 44 Meter langes Segelschiff zwischen meterhohen Ostseewellen. Wie eine Nussschale in einem reißenden Fluss schwankte die sonst so anmutig erscheinende „Santa Barbara Anna“ mal nach rechts, mal nach links. „Es fühlte sich an wie in einer Achterbahn. Die Crew und wir mussten uns ganz schön festhalten, um an Bord nicht hinzufallen“, erzählt Karina Schulz (22). Zusammen mit Vanessa Schneider (22) vertrat sie in diesem Jahr Salzwedel in der youthHansa, der Jugendorganisation des Städtebundes Hanse, auf dem Internationalen Hansetag in Rostock. „Die Ausfahrt auf der Ostsee hat super viel Spaß gemacht, auch wenn der eine oder andere etwas seekrank wurde“, ergänzt Vanessa Schneider. Und das sei nicht das einzige Abenteuer während ihres fünftägigen Aufenthaltes auf einem Segelschiff im Rostocker Hafen gewesen.

„In dieser Zeit haben wir richtig auf der ,Santa Barbara Anna' gelebt“, erklärt Karina. Insgesamt acht junge Delegierte aus Deutschland und Lettland sowie die zehnköpfige Schiffs-Crew teilten sich den Platz unter und auf Deck in dieser Zeit. Übernachtet haben sie in Kojen, allein das habe schon für Seemanns-Gefühle gesorgt. Geschlafen haben sie Fuß an Fuß, erinnern sich die 22-Jährigen. Die ehrenamtliche Schiffsbesatzung sei Tag und Nacht für die Jugendlichen da gewesen, hätte viele private Geschichten erzählt und so schnell eine vertraute Atmosphäre für die Jugendlichen aufgebaut. „Besonders toll war, dass wir sowohl auf unserem Schiff als auch auf anderen Schiffen im Hafen verschiedene Bereiche rund um die Seefahrt kennenlernen durften“, sagt Karina. Möglich sei das nicht nur dank der sich auskennenden Crew gewesen, sondern auch mit Workshops auf den umliegenden Segelschiffen.

Knoten und Nautik

„Auf einem lernten wir Seemannsknoten binden, auf einem anderen etwas über Nautik“, erklärt Vanessa. Bei der Frage, welcher Workshop ihr absoluter Favorit war, sind sich die jungen Frauen einig: das Hochklettern auf einen circa 15 Meter hohen Mast. Gut gesichert mit einem Klettergurt. „Dieser Ausblick von oben auf das Meer, die Segelschiffe und den Hafen war wirklich wunderschön und außergewöhnlich,“ schwärmt Karina. Angst hätten sie dabei keine gehabt. Kein Wunder, sie hätten sich schließlich als Teil der Crew gefühlt. Das Landratten-Dasein vergesse man schnell. Ob sie sich vorstellen könnten, ihr Leben in Salzwedel gegen eine Zukunft an Bord eines Segelschiffs zu tauschen? „Eher nicht. Für ein paar Tage ist so eine Erfahrung toll, aber allein das ganze Geschaukel und der geringe Platz sind auf Dauer nichts für uns“, sagt Vanessa und lacht. Froh seien beide aber über ihre Entscheidung, sich damals als Delegierte für den Internationalen Hansetag beworben zu haben. Sie waren sehr überrascht, wie groß die Teilnahme aus der Altmark bei der Veranstaltung war.

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„Schön ist, dass viele „Youth-Hanser“ in diesem Jahr aus der Altmark kamen. So fällt es leicht, untereinander auch nach den Hansetagen in Kontakt zu bleiben“, erzählt Karina. Auch im nächsten Jahr würden die beiden Salzwedelerinnen gerne wieder als junge Vertreterinnen teilnehmen. Dann erwarten sie neue Hanse-Abenteuer in der russischen Stadt Pleskau.