Salzwedel l  Der Kläger: ein 19-jähriger ehemaliger Schüler des Jahngymnasiums. Der Vorwurf: Nötigung im Straßenverkehr. Ein Urteil gab es bislang aber noch nicht.

Am 16. November 2016 waren der Angeklagte und seine Frau wieder einmal morgens mit dem Auto unterwegs, um die Tochter zur Schule an der Ernst-Thälmann-Straße zu bringen. Auf dem Heimweg fuhr er in Richtung Netto-Markt. Er wechselte von der rechten auf die linke Fahrspur, um dann an der Ampelkreuzung nach links auf den Bleichwall abzubiegen und dann wieder links in die Anliegerstraße Am Eichwall.

„Das ist mein normaler Weg nach Hause“, sagte er vor Gericht. Am 16. November 2016 war der Kläger mit zwei Mitschülerinnen auf dem Weg zur Schule. Auf Höhe der Ampelanlage auf der Ernst-Thälmann-Straße vor der Grundschule sei plötzlich ein Wagen neben ihnen aufgetaucht, der den Schülern bekannt vorkam. Eigentlich wollten die jungen Insassen auf die linke Fahrspur wechseln, um an der Ampelkreuzung am Netto-Markt nach links auf den Bleichwall in Richtung Jahngymnasium abzubiegen.

Vollbremsung für einen kleinen Jungen

Doch der neben ihnen Fahrende hat frech gestikulierend versucht, sie abzudrängen. „Auf Höhe des Kleinen Stegels hat er sich so knapp vor meinen Wagen gesetzt, dass ich in den Kleinen Stegel ausweichen und eine Vollbremsung machen musste, weil dort ein kleiner Junge die Straße überquerte“, schilderte der ehemalige Gymnasiast vor Gericht seine Version der Situation.

Als die Fahrt weitergehen konnte, wollten die Schüler nach links auf die Bahnhofstraße fahren, um wieder auf den Schulweg zu gelangen. Dort haben sie dem Verfolger Vorfahrt gewähren müssen, der in der Zeit wohl einmal um den Netto-Markt gefahren sein musste. An der Ampelkreuzung ist der Mann dann wieder hinter ihnen aufgetaucht und mit sehr geringem Abstand drängelnd bis vor die Schule hinterhergefahren. Dort ist er ausgestiegen und hat die Schüler beleidigt und bedroht.

„Die Aussagen sind erfunden“, warf der Angeklagte ein. Er habe niemanden verfolgt und an diesem Tag habe es auch keine Auseinandersetzung gegeben. Wohl aber eine Woche zuvor. Denn die Streitigkeiten zwischen dem Vater und dem Schüler dauerten schon länger an. Auslöser sei das Parkverhalten des Schülers gewesen, der seinen Wagen immer wieder auf der Anliegerstraße im Parkverbot abstellte. „Einmal musste ich, um zu meinem Haus zu kommen, auf den Bordstein ausweichen und dabei wurde meine Felge beschädigt“, erzählte Angeklagte.

Schulleiter ist Problem an der Schule bekannt

Nach mehrmaligen Gesprächsversuchen mit dem Schüler habe es ihm gereicht und er sei zum Schuldirektor gegangen, um sich über den Schüler zu beschweren. Dort habe der Schulleiter sein Verständnis über den Ärger ausgedrückt und eingestanden, dass es schon seit einiger Zeit Probleme mit der Parksituation vor Ort gebe. Deshalb war sich der Angeklagte sicher, dass es sich bei der Anklage um einen Racheakt des Schülers handeln muss. „Für mich sieht das ganz klar nach einem Schülerstreich aus“, sagte der Mann. Die Staatsanwältin war da anderer Meinung. „Ich kenne Sie aus anderen Verfahren und ich weiß, dass Sie auch mit anderen Nachbarn Streit haben“, sagte sie. Außerdem habe der Gymnasiast, der eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr einschlagen möchte, keine Motivation, vor Gericht eine Falschaussage zu machen.

Doch diese Argumente wollte der Angeklagte nicht gelten lassen. „Nur, weil er Offizier werden will, heißt das, dass er die Wahrheit sagt? Und was hat ein Nachbarschaftsstreit damit zu tun?“, fragte er aufgebracht.

Weil noch eine Zeugin in der Verhandlung fehlte, musste Amtsrichter Klaus Hüttermann die Fortsetzung der verhandlung auf den 15. August um 9.30 Uhr verschieben.