Henningen l Mandy Fischer wohnt mit ihrem Freund im beschaulichen Henningen. 200 Einwohner zählt das Dorf. Alte Gehöfte prägen das Bild. Viele Einwohner halten sich Haustiere auf ihren Grundstücken. Doch anscheinend ist einer Frau ihre Tierliebe über den Kopf gewachsen. Denn aus wenigen Stubentigern ist über die Zeit ein Katzen-Problem geworden.

Mandy Fischer steht vor einem Haus unweit ihres eigenen. Auf dessen Treppe steht ein in die Jahre gekommener Katzenbaum. An der Hauswand liegt und steht Presspappe. „Darauf werden die wilden Katzen regelmäßig gefüttert“, ärgert sie sich. Ein Löffel liegt auf der Mülltonne. „Mit dem wird sicherlich das Futter aus den Behältern geholt“, mutmaßt sie. Die leeren Behälter hat sie in Vergangenheit in Gelben Säcken vor dem Katzen-Grundstück gesehen – auch ihre Mutter. Weiterhin liegen noch einige Plastikschüsseln um die Futterstelle verteilt. Doch an der Klingel steht kein Name. Ebenso wenig am Briefkasten. Alle Rollos sind unten. „Die Frau, die hier wohnte, ist seit mehr als einem Jahr weggezogen“, sagt Mandy Schulz. Doch die Katzen blieben – und das Problem.

Eine Großfamilie

„Regelmäßig kommt jemand mit dem Auto zum Füttern der Katzen nach Henningen“, erzählt ihr Freund, „die Katzen kennen das genau.“ Denn dann setzt das große Laufen ein. Rings herum strömen die herrenlosen Tiere zum Grundstück mit dem Katzenbaum. „Das ist eine Großfamilie“, sagt der Freund von Fischer, alle wären schwarz/weiß. Dann würde der Fahrer des Autos „einen Berg“ Futter auf die Presspappe verteilen und wieder davonfahren. Die hungrigen Tiere wiederum würden sich dann regelrecht auf das Futter stürzen. Vielleicht sind es derzeit zehn Katzen, vielleicht mehr oder weniger. So genau weiß das keiner. „In diesem Monat steht der nächste Wurf an“, sagt Mandy Fischer. Sie hat auch trächtige Tiere gesehen. Andere Katzen hätten schon wieder Junge.

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„Das hat mit Tierliebe nichts zu tun“, sagt die junge Frau. Denn auch das Pärchen hält Katzen. Doch diese werden von den wilden Artgenossen angegangen. Außerdem würden die wilden Katzen auf ihrem Grund das Futter der eigenen Katzen wegfressen und ihr Revier markieren. Urinflecken mit dem damit einhergehenden Gestank im Eingangsbereich bei Mandy Fischer sind keine Seltenheit.

Wunde Augen, abgemagert

Was die beiden besonders stört: Die herrenlosen Tiere hätten mitunter ernsthafte Erkrankungen. „Manche haben wunde Augen, andere sehen zerrupft aus und viele sind abgemagert“, sagt ihr Freund. Und tatsächlich: Eine der Katzen liegt vor dem Haus der beiden. Viel ist nicht dran an dem scheuen Tier. Doch einen Tierarzt haben sie noch nicht an dem Grundstück gesehen, ebenso wenig das Veterinäramt des Altmarkkreises. „Die Katzen können einem einfach nur leid tun“, bringt es der Freund von Mandy Fischer auf den Punkt.

Die beiden hätten vor geraumer Zeit beim Tierheim angerufen. Dort sagte man ihnen, sie sollen sich Lebendfallen aus Hoyersburg holen und die Katzen selbst fangen und abgeben. Doch dazu sahen sie sich nicht in der Lage, auch weil beide voll berufstätig sind. Der Katzenverein in Lüchow konnte auch nicht helfen. „Die haben sich aufgelöst“, sagt Fischers Freund. Also wandten sie sich an der Ordnungsamt der Stadt. Dort hieß es abermals, sie sollen Lebendfallen aufstellen. All das war noch im Jahr 2018.

Nichts passiert

Im Januar 2019 soll schließlich ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei Mandy Fischer gewesen sein: „Wir waren glücklich, dass das Problem gelöst wird.“ Doch Fehlanzeige. „Es hieß, sie können nichts machen“, erinnert sich Fischer. Das Tierheim Hoyersburg würde sich kümmern. Doch passiert sei nichts. Ein weiteres Schreiben an das Ordnungsamt blieb bisher unbeantwortet, erzählt sie. „Daher haben wir uns an die Volksstimme gewandt, wir wussten uns nicht mehr zu helfen“, sagt die junge Frau.

Im Salzwedeler Rathaus ist das Problem bekannt. „Das Ordnungsamt hat daraufhin versucht, der Situation mit dem Aufstellen von Fallen zu begegnen. Angesichts der aktuellen Säugezeit wurde die Unternehmung unterbrochen und soll im Herbst wieder aufgenommen werden“, erklärt Stadtsprecher Andreas Köhler. Mandy Fischer sei darüber informiert worden. Doch diese hat das Problem schon vor langer Zeit gemeldet und fühlt sich daher von der Stadt nicht ernst genommen. Köhler beteuert, dass die Kommune sich um aufgegriffene Tiere und deren angemessene Versorgung und artgemäße Unterbringung sorge. Davon merkt Fischer bisher wenig: „Wir haben die Nase voll!“

Nun hoffen beide, dass die Stadt zügig handelt. Mit der Schließung des Tierheims dürfte das nicht einfacher werden.