Salzwedel/Diesdorf l Die Ablehnung der Gründung einer Kinderarztpraxis in Diesdorf durch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) sorgt weiter für Verwunderung. Dies zeigen teils deutliche Reaktionen von Lokal- und Bundespolitikern aber auch von zahlreichen Lesern auf der Facebook-Seite der Volksstimme.

Am Montag (13. Mai) reagierte der altmärkische Bundestagsabgeordnete Eckhard Gnodtke (CDU) auf die Berichterstattung unserer Zeitung. Er gab an, dass er am Montagmorgen „eine Mail mit der Bitte um Stellungnahme (vor allem mit der Bitte, eine Lösung aufzuzeigen!) an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt abgeschickt habe“. Für Gnodtke ist das Problem der ärztlichen Versorgung insbesondere im Bereich Salzwedel/Diesdorf noch schlimmer, als es die Öffentlichkeit bislang wahrgenommen habe. „Neben freien kassenärztlichen Kinderarztstellen sieht es insbesondere im hausärztlichen Bereich dramatisch aus“, erklärt der Bundestagsabgeordnete.

11,5 Hausarztstellen nicht besetzt

Mit Stand Ende März sind nach Angaben Gnodtkes im Bereich Salzwedel 11,5 Hausarztstellen nicht besetzt. Weitere Allgemeinmediziner würden im Laufe der kommenden Jahre in den Ruhestand gehen. „Insgesamt muss der Staat einfach mehr Zugriff auf die Absolventenlenkung bei Ärzten erhalten“, fordert Gnodtke mit Hinweis auf ihm bekannte Ärzte, „die es zutreffenderweise nicht verstehen können, dass ausgebildete Ärzte nicht dorthin gehen,wo sie benötigt werden“.

Detleff Bill, Vorsitzender des Diesdorfer SPD-Ortsvereins, macht seine Enttäuschung in einem Schreiben an die Redaktion mehr als deutlich. Ihm habe es den Atem verschlagen, als er den Bericht gelesen habe, erklärt Bill. „Wer so etwas entscheidet, handelt verantwortungslos und arrogant“, macht das Gemeinderatsmitglied seinem Ärger Luft. Für ihn sind die Begründungen der KVSA zur Ablehnung der Praxisgründung in Diesdorf „nicht nachvollziehbar“. Und der SPD-Mann erinnert daran, dass ihm Landtag darüber gestritten worden sei, „wie man Studierende mit finanziellen Leistungen an das Land binden kann.“

Aus der Salzwedeler Stadtpolitik meldet sich mit einem Schreiben des Vorsitzenden, Jürgen Brunsch, der Ortsverband der Linken zu Wort. „Die sich abzeichnende prekäre Entwicklung bei der kinderärztlichen Versorgung in Salzwedel stellt einen neuen negativen Höhepunkt dieses Trends dar“, schreibt er. Dazu nimmt Brunsch die Arbeit der KVSA ins Visier: „Und scheinbar ist die Kassenärztliche Vereinigung nicht in der Lage oder nicht gewillt, die kritische Situation in Salzwedel zu erfassen und darauf zu reagieren.“

Forderung: Kommune soll aktiv werden

Der Linken-Vorsitzende sieht auch die Hansestadt Salzwedel in der Pflicht. Aus seiner Sicht müsse die Kommune aktiv werden, um neue und zusätzliche Ärzte nach Salzwedel zu holen. Als Idee greift die Linke dabei ein kommunales Stipendium auf, dass Studenten nach ihrem Abschluss dazu verpflichten soll, „mindestens fünf Jahre in Salzwedel zu praktizieren“.

Auf der Facebookseite der Volksstimme machten bereits am Wochenende viele Altmärker ihrem Ärger Luft. „Also das stößt auch bei mir auf Widersprüchlichkeit. Wie oft hört oder liest man, dass dringend Ärzte – in welchem Bereich auch immer, gesucht werden. Es werden ausgelernte Studenten mit Angeboten gelockt (..). Hier wiederum ist eine Ärztin bereit, eine Praxis zu eröffnen und wird durch behördlichen Kleinkram gehindert. Wo bitte schön passt das zusammen?“, fragt Cornelia Schulz im sozialen Netzwerk.

Auch Annett Kummert schreibt bei Facebook: „Und hier wird dringend eine Kinderärztin gebraucht, da Frau Behrens aufhört. Ich hoffe, dass es doch noch klappt, das sie ihre Praxis doch noch in Diesdorf aufmachen kann. Wäre echt super.“