Salzwedel l In einigen Regionen Sachsen-Anhalts hat die Kurzarbeit stark zugenommen. Sie gilt als „Frühindikator“ für eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. In Salzwedel kann davon noch keine Rede sein. Noch schauen die Unternehmer recht optimistisch in die Zukunft. Eine gute Auftragslage verzeichnet Kraiburg Relastec. In diesem Jahr sei der Umsatz bislang gemessen an 2018 angestiegen, erklärt Geschäftsführer Georg Stockhammer. Und es wurden 20 neue Beschäftigte und zwei Auszubildende eingestellt. Das Unternehmen beschäftigt an seinem Standort in Salzwedel aktuell 230 Mitarbeiter. Zudem investiert es rund sechs Millionen Euro in eine Granulierungsanlage, eine Halle für die Rohstoffelagerung und eine Förderstrecke.

Mit seinen Fertigprodukten aus recyceltem Gummi bedient es den internationalen Markt. „Unsere Exportquote ist größer als 60 Prozent“, beschreibt Stockhammer. Der hohe Exportanteil könne von Vorteil und von Nachteil sein. Da sie in 100 Länder exportiere sei die Firma flexibel. Stockhammer: „Wir haben die Wachstumsmärkte im Blick und sind breit aufgestellt.“ Wenn ein Markt weg breche, werde ein anderer erschlossen.

Von Verwerfungen der Politik nicht verschont

Dennoch bleibt Kraiburg Relastec nicht von politischen Verwerfungen verschont. Im Vorgriff auf den Brexit füllen sich Geschäftskunden in Großbritannien die Lager, weil sie damit rechnen, dass es zu Schwierigkeiten bei der Einfuhr kommt. In der Türkei hat die schwache Währung zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt. Die Produkte seien dort aktuell zu teuer.

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Eine Firma, die sich ebenfalls auf internationalen Parkett bewegt, ist Flexus – ehemals Seacon. Salzwedel ist einer von sieben Produktionsstandorten der POHL Gruppe, die im weltweiten Projektgeschäft für Metallfassaden tätig ist. „Welche Aus- wirkungen der Brexit haben wird, können wir zur Zeit noch nicht absehen“ sagt Unternehmenssprecherin Stephanie Lindenschmidt. In Salzwedel werde aktuell im Zwei-Schicht-System gearbeitet. Flexus beliefere in erster Linie den deutschen Markt.

Leichte Bremswirkung

Eine leichte Bremswirkung ist derzeit bei der Paradiesfrucht GmbH zu spüren. Die Zeiten des sprunghaften Wachstums des Unternehmens für gefriergetrocknete Früchte sind vorbei, sagt Geschäftsführer Bernd Wiesner. Mit einer abflauenden Konjunktur habe das allerdings nichts zu tun. „Unser Markt in Europa ist begrenzt, und wir haben eine Menge neue Mitbewerber“, berichtet Wiesner von Konkurrenz aus Polen und der Türkei.

Kurzarbeit ist derzeit kein Thema

Nun gelte es, das in Salzwedel Erarbeitete zu erhalten und zu optimieren, spricht Wiesner davon, dass der Automatisierungsgrad im Werk gesteigert werden soll. Es gelte mit dem aktuellen Personalbestand - 250 Beschäftigte in Salzwedel und Immekath – den Betrieb zu optimieren. Neueinstellungen in großer Zahl schließt der Geschäftsführer deshalb zunächst aus. Kurzarbeit sei in Salzwedel aber derzeit kein Thema. „Ich bin zufrieden“, antwortet Bernd Wiesner auf die Frage nach der aktuellen Auftragslage.

Ihm sind allerdings die Wettbewerbsvorteile der Mitbewerber aus dem Ausland, ein Dorn im Auge. „Wir zahlen pro Jahr gut eine Million Euro EEG-Umlage“, betont Wiesner. Und er ergänzt, dass die Lohnkostenstruktur in Osteuropa bekanntlich auch eine andere sei. „Deshalb müssen wir besser sein“, setzt Wiesner auf die gute Qualität der Produkte aus Salzwedel.

Sanktionsliste

Dem Lebensmittelunternehmen bereiten aber die Russland-Sanktionen und der Brexit Sorgen. „Ein großer Teil unserer Produkte steht auf der Sanktionsliste, und England ist unser zweitgrößter Absatzmarkt“, erklärt der Geschäftsführer. Dennoch will Wiesner keine Unruhe verbreiten. So verkauft das Unternehmen bereits „ein paar“ Produkte nach China, verzeichnet ein wachsendes Geschäft in Australien und ist auch auf dem amerikanischen Markt aktiv.

„Wir sind mit unser wirtschaftlichen Lage zufrieden“, sagt DEBA-Geschäftsführer Dietrich von Gruben. Er geht davon aus, dass das Unternehmen den Umsatz 2019 im Vergleich zum Vorjahr steigern kann. „Wir haben keine Auftragseinbußen, welches sicher auch daran liegt, dass der Immobilienbereich noch ein Wachstumsbereich ist und wir überregional tätig sind“, ergänzt er. Kurzarbeit sei nicht geplant, sagt von Gruben. Bei der Mitarbeiterzahl spricht der Geschäftsführer von einer konstanten bis leicht steigenden Entwicklung. Allerdings könne sich eine Verschärfung der politischen und weltwirtschaftlichen Lage negativ auswirken, befürchtet von Gruben.