Gardelegen/Salzwedel l Als die Pläne bekannt wurden ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Dass es künftig in Gardelegen nur noch eine ambulante Kinderklinik geben soll, sorgte für Empörung über die Kreisgrenzen hinaus. Der Altmarkkreis ist mit seinen beiden Krankenhäusern in Gardelegen und Salzwedel Gesellschafter des Trägerunternehmens Salus Altmark-Holding. Ein Grund, warum am Montagabend auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher zur Kreistagssitzung gekommen war, genau wie weitere Akteure, die sich für die Kinderklinik einsetzen.

Wirtschaftliche Schieflage

Er sei froh, dass die öffentliche Diskussion „den Finger in die Wunde“ lege, sagte Landrat Michael Ziche. Ursprünglich seien für die Kinderstation in Gardelegen 24 Betten vorgesehen gewesen, es habe eine Reduzierung auf zwölf Plätze gegeben. Im Schnitt seien sie aber nur von sechs bis sieben Kindern belegt, bei einer Verweildauer von durchschnittlich drei Tagen. Momentan gebe es eine „Strategiediskussion“ innerhalb der Salus Altmark-Holding hinsichtlich einer Spezialisierung für die beiden Krankenhäuser. Als Beispiel nannte er das Herzkatheterlabor in Salzwedel und die Neurologie mit dem Schwerpunkt Schlaganfallpatienten in Gardelegen.

Aber deshalb die stationäre Kinderklinik in Gardelegen aufgeben? „Wir brauchen diese Leistung und wollen sie auch vorhalten, aber die Rahmenbedingungen machen es uns schwer.“ Gemeint ist die Finanzierung der Krankenhäuser über die so genannten Fallpauschalen der Krankenkassen. Hinzu kommen die Investitionen, die das Land eigentlich komplett zu finanzieren hat. Das sei aber in den vergangenen Jahren nur unzureichend erfolgt. Beides habe dazu geführt, dass das Krankenhäuser, die die Grund- und Regelversorgung sichern, in wirtschaftliche Schieflage geraten sind. Sie halten in der Krankenhauslandschaft aus jeweils einem Dritteln gemeinnützigen, privaten und öffentlichen Trägern 50 Prozent der Bettenkapazitäten vor und übernehmen das „Brotgeschäft“, wie der Landrat es nannte. Das Altmark-Klinikum bilde dabei keine Ausnahme.

Gegen Fallpauschalen

An diesem Punkt setzt ein Antrag der Linken-Fraktion im Kreistag an. In einer Resolution soll der Kreistag den Bund auffordern, die Fallpauschalen wieder abzuschaffen und die „Basisversorger auskömmlich zu finanzieren“. Krankenhäuser an rein ökonomischen Zwängen auszurichten, gehe zu Lasten der Patienten, des Pflegepersonal und der Ärzte. Wirtschaftlichkeit sei nicht Ziel und Inhalt, sondern Werkzeug zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung und damit der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum. Dass die Wirksamkeit einer Resolution ihre Grenzen habe, sei wohl bekannt, räumte Ilja Karl von der Fraktion der Linken ein. Aber sie ein Appell, auch an das Land seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Geburtshilfe und Kinderheilkunde seien untrennbar miteinander verbunden und müssten an beiden Standorten vorgehalten werden, sagte Hans-Joachim Becker (SPD). In Gardelegen sei ein Mutter-Kind-Zentrum im Bau. Vor diesem Hintergrund sorgten die Pläne erst Recht für Unmut. Darauf ging auch Matthias Lübke CDU ein und verwies auf 5,3 Millionen Euro Fördergeld, die dafür bereit gestellt werden.

Einstimmig nahm der Kreistag den Antrag der Linken an.