Salzwedel l Puccinis „Tosca“ gilt als eine der erfolgreichsten Opern in der Geschichte. Zu ihrer Uraufführung am 14. Januar 1900 am Teatro Costanzidi in Rom gaben sich die Mächtigen des Landes die Klinke gegenseitig in die Hand. Unter den Gästen auch Margarethe von Genua, Gemahlin von König Umberto I.

Und bis heute, auch nach fast 120 Jahren, hat Puccinis großartiges Musikwerk nicht an Popularität und Beliebtheit verloren. Die Opernhäuser dieser Welt, und auch in Deutschland, sind bereits viele Monate vorher ausverkauft, bei Kartenpreisen, die oft weit jenseits der 100-Euro-Marke liegen.

Wenig Besucher

Umso enttäuschender der Anblick am Freitagabend (18. Oktober) im Salzwedeler Kulturhaus. Noch nicht einmal 100 Besucher wollten sich an dem Abend Kultur in einer ihrer schönsten Formen gönnen. Und das bei einer Aufführung mit einem vielköpfigen Orchester, einer grandiosen Theatercrew und gerade einmal 25 Euro Eintritt. Schade, denn das, was das Nordharzer Städtebundtheater an diesem Abend bot, war als Oper zwar auch Theater, aber doch ganz großes Kino.

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Die Bühne des Kulturhauses hatte dazu das Team um Bühnenbildnerin Andrea Kaempf für den ersten Akt aufwändig zur Kirche Sant´t Andrea della Valle di Roma verwandelt. Eine monumentale Dekoration, welche die gesamte Bühne ausfüllte und ihr noch mehr Raum verlieh, als sie bereits innehat. Ein würdiger Rahmen für eine Oper, die zur Zeit der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts spielt.

Die Schlacht bei Marengo am 18. Juni 1800, bei der Napoleon die Österreicher besiegte, und die daraus sich ergebenen Ereignisse dienten Victorien Sardou 1887 als Basis für sein Melodrama „La Tosca“. An diesem fand auch Giacomo Puccini großen Gefallen und er formte aus dem Drama eine Oper in drei Akten.

An sich eine typische Dreiergeschichte, in der das Glück zweier Liebender durch den Neid und die Hinterlist eines Dritten zerstört wird. Ein Drama, bei dem sein Schöpfer Sardou nicht zimperlich war und der Gewalt freien Lauf ließ, was ihm nach der ersten Aufführung den Spitznamen „Caligula des Theaters“ einbrachte.

Durch Höhen und Tiefen

Das altmärkische Publikum erlebte eine grandiose Annabelle Pichler (Sopran) in der Rolle der Sängerin Floria Tosca. Ihre Liebe zu dem Maler Mario Cavaradossi, dargestellt von einem exzellenten Max An (Tenor) führte das Publikum durch alle Höhen und Tiefen, die die großen Leidenschaften mit sich bringen. Diese wurden zudem angeheizt durch den Polizeichef Baron Scarpia (Bariton), der seine ihm zur Verfügung gestellten Möglichkeiten ausnutze und über allen schließlich das Tuch des Todes fallen ließ.

Der Übersetzung der Dialoge, in diesem Fall als Obertitel, bedurfte es eigentlich nicht. Zum einen war den Opernbesuchern der Inhalt der Handlung mit Sicherheit geläufig, zum anderen waren Mimik und Gestik der Schauspieler sehr aussagekräftig und wurden durch die Musik, dargeboten vom hauseigenen Orchester unter der Leitung von Musikdirektor Johannes Rieger, zudem noch verstärkt. Ein großartige Aufführung, der ein ausverkaufter Zuschauerraum sehr gut zu Gesicht gestanden hätte.