Salzwedel l Es ist seit Mai 2016 mittlerweile schon die 11. Sonderausstellung, die neben der Dauerausstellung „Broken Brushes“ im Salzwedeler Kunsthaus, zu betrachten ist.

Die Vernissagen mit Kunst in ihren vielfältigen Formen, gerahmt von Musik und Informationen, die aber auch den Besuchern die Möglichkeit geben, mit dem jeweiligen Künstler ins Gespräch zu kommen, sind längst kein Geheimtipp mehr. Sie sind zur festen Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Stadt geworden.

So war auch wieder ein großes Stühlerücken in der Aula des ehemaligen Lyzeums angesagt und Hausherr Dietrich von Gruben blickte bei seinem Grußwort wieder einmal in viele erwartungsvolle Gesichter. Mit dem Künstler Wolfgang Opitz würde ein wenig an eine Tradition angeknüpft, bemerkte er.

Bilder

Bezug zu Salzwedel

Denn schon oft hatten die Ausstellenden in irgendeiner Weise einen Bezug zu Salzwedel. So auch Wolfgang Opitz, der 1989 das Wendland als Wahlheimat erwählte, aber nach 2006 in seinem Atelier in Salzwedel wirkte. Zu seinem 70. Geburtstag präsentierte er seine Werke in den Salzwedeler Galerien JuRisch und art-Ort am Neuperver Tor. Nun, ein halbes Jahrzehnt später, kurz nach seinem 75. Geburtstag, gibt er im Salzwedeler Kunsthaus in der Sonderausstellung „Leuchtspuren“ einen kleinen Einblick in das Gesamtwerk seines künstlerischen Schaffens der vergangenen 50 Jahre.

Eine Ausstellung, die auch im direkten Kontext zum 30. Jahrestag der Öffnung der innerdeutschen Grenze steht, wie von Gruben anmerkte. „Opitz holt die Vergangenheit in die Gegenwart“ verdeutlichte er den Bezug zwischen den Arbeiten des Künstlers und der jüngeren deutschen Geschichte.

Botschaften

Kuratorin Annika Maus verwies in ihrem Grußwort darauf, dass der Titel der Ausstellung „Leuchtspuren“ gleich mehrere Auslegungen beinhalte. So hinterließ der Künstler mit seinem Wirken in über fünf Jahrzehnten sicher zahlreiche Spuren. Seine Werke würden nicht nur aus den Farben heraus leuchten, sondern auch durch die Botschaften, die sie vermitteln.

Einige der Exponate, wie Tische, Stühle, Stelen und Bänke, fertigte er aus ehemaligen Munitionskisten. Letztendlich, bedingt durch den Fakt, dass einige dieser Kisten auch einmal Leuchtspurmunition enthielten, würde sich dieser Kreis nun schließen.

Sozusagen Schwerter zu Pflugscharen. Ein Anliegen, das dem Künstler sehr am Herzen liegt. Denn statt in seinem Grußwort auf seine künstlerische Laufbahn einzugehen und seine zahlreichen Werke zu bewerben, hob er mahnend den Finger. Grund zur Sorge bereite ihm die politische Entwicklung, besonders in Sachsen.

Kunst bedroht

Eine Entwicklung die ihm auch persönlich sehr nahe gehe, denn Dresden war einst der Mittelpunkt seines künstlerischen Wirkens. Nun sehe er die Kunst und Kultur in diesem Bundesland bedroht. Kulturinstitutionen würden schon unter Druck stehen, da die regierenden Geldverteiler mittlerweile bereits selektieren würden. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das Buch „Die Natur der Kulturen“ des Autors und Philosophen Heiner Mühlmann.

In diesem würde aufgezeigt, dass lange Friedenszeiten, wie die Menschheit sie gerade in Europa durchlebt, auch große Schwierigkeiten mit sich bringen. Mühlmann nennt diese Drucksituationen maximale Stresskooperationen, in denen die Menschen zusammenrücken würden, um ihre Nation zu schützen.

„Und es kommt was angeschlichen, wo wir verteidigungsbereit sein sollten“, so Opitz.

Wolfgang Opitz wurde 1944 im pommerschen Stolp geboren. 1947 erfolgte der Umzug nach Dresden. Er erlernte den Beruf eines Elektromonteurs und nahm mit 18 Jahren an einem Malzirkel teil, absolvierte ein Kunsterzieherstudium in Erfurt und war 1971, zusammen mit dem renommierten Maler und Bildhauer A.R. Penck, Gründungsmitglied der unabhängigen Künstlergruppe „Lücke“ in Dresden.

Bis zum 27. Oktober, jeweils von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 14 – 17 Uhr, sind seine Malereien, Collagen und Skulpturen im Salzwedeler Kunsthaus zu sehen.