Salzwedel l Es gibt Oskar Kokoschka, George Grosz, Max Beckmann oder Max Ernst. Und es gibt Arthur Kaufmann, Karl Schwesig, Adolf Fleischmann oder József Bato. Die Namen letztgenannter sind im Laufe der Jahre in den Erinnerungen vieler Menschen verblasst. Dabei haben sie alle etwas geschaffen, dass es zu zeigen wert ist.

Diese Künstler waren bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten angesehene Kulturschaffende in Deutschland. Im Laufe der 1930er-Jahre führte sie ihr Weg zwangsläufig ins Ausland, um zumindest ihr Leben zu retten. Bei ihren Werken gelang dies nicht immer, für ihre Schaffenskraft bedeutete die Flucht und die damit verbundenen Unwägbarkeiten einen tiefen Einschnitt. Viele kamen nie wieder zurück.

Im Salzwedeler Kunsthaus wurde am Mittwochabend die neue Sonderausstellung „Künstler im Exil“ eröffnet. 52 Werke aus der Sammlung „Memoria“ von Thomas B. Schumann aus Hürth bei Köln fanden dazu den Weg in die Hansestadt. Der Sammler selbst ließ es sich nicht nehmen, die Ausstellung zu eröffnen.

Bilder

Existenzen vernichtet

Schumann zählte bei seiner Rede in der gut gefüllten Aula des Kunsthauses viele schreckliche Schicksale der Künstler im Exil auf. „Sie waren bis 1933 angesehene, geschätzte und bekannte Künstler. Doch dann wurde ihre berufliche, persönliche Existenz durch die Nationalsozialisten mitunter gänzlich vernichtet“, beschrieb der Sammler auch einige Lebenswege.

Vielen der Maler, deren Bilder nun im Salzwedeler Kunsthaus zu sehen sind, kamen nie wieder zu der Bekanntheit, die vor dem Krieg in Deutschland ihren Lebensunterhalt sicherte. „Sie gerieten nach 1945 in unverdiente Vergessenheit“, betonte Schumann. Aus diesem Wissen zieht Thomas B. Schumann die Motivation für seine Sammlung, die mittlerweile gut 700 Werke von Exilkünstlern umfasst. „Deren Namen kennt heute keiner mehr“, sagt der Journalist aus dem Rheinland.

Brücke zu "Broken Brushes"

Kuratiert wurde die Sonderausstellung von Dr. Elisabeth von Hagenow, die das Thema Flucht und Krieg schon einmal im Kunsthaus nah vor Augen hatte. Von Hagenow konzipierte auch die Dauerausstellung „Broken Brushes“. Die Münchnerin erklärte dann auch die Auswahlkriterien für „Künstler im Exil“ damit, dass eine Verbindung gezogen werden sollte. „Dazu gehören zum Beispiel Lehrer-Schüler-Beziehungen. Oder das gemeinsame Netzwerk bei Ausstellungen im Exil“, erklärte von Hagenow mit Blick auf „Broken Brushes“.

In den ausgestellten Bildern ist zumeist wenig vom Schrecken der Flucht zu erkennen. Viele Werke beschäftigen sich mit der neuen Umgebung, zeigen unter anderem Stadtansichten oder Landschaften der neuen Lebenswelt. Eine Zusammenstellung beeindruckt allein durch Farbe. So haben die Ausstellungsmacher ein Stillleben aus den 1920er-Jahren zwischen vier ähnliche Motiven von Exilkünstlern gehängt. Der Bruch von der bunten, fröhlichen Farbpalette zu Schwarz-, Grau- und Brauntönen ist mehr als deutlich.

Lebenswerk beeindruckt

Dietrich von Gruben, Vorstandsvorsitzender der Kunststiftung Salzwedel, zeigte sich in seiner kurzen Begrüßung angetan von dem, was die Besucher nun im Hause sehen können und vor allem vom Lebenswerk des Menschen Thomas B. Schumann.

Die Hamburger Pianistin Elisaveta Ilina und Anne Bischof (Querflöte) entführten das Publikum des Eröffnungsabends musikalisch in die Zeit von Flucht und Vertreibung. „Erwarten sie heute keine Romantik“, hatte von Gruben das Spiel der Musikerinnen angekündigt, dass die Zuhörer dann in ihren Bann zog.

Die Sonderausstellung „Künstler im Exil“ läuft bis zum 14. Oktober. Das Kunsthaus ist dienstags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.