Salzwedel l Eine Chance wollte die Künstlerin Angela Lenz der Salzwedeler Altstadt noch geben. In der Neuperverstraße eröffnete sie im Januar 2016 die „Kleine Galerie“, um dort ihre Bilder zu malen und zu verkaufen. Angela Lenz fertigt vor allem Auftragswerke an. Für die 55-Jährige war es der dritte Versuch, sich mit einem Geschäft im Herzen der Hansestadt zu etablieren. Einst hatte sie ihre Domizile in der Burgstraße und in der Neutorstraße. Es folgte ein Intermezzo in Stappenbeck. Im Salzwedeler Ortsteil ist sie zu Hause. Doch zog es sie wieder in die Stadt. Auf den Kundenkontakt zu verzichten fiel ihr zu schwer. Gut 17 Monate nach der Rückkehr nach Salzwedel muss die Altmärkerin konstatieren, dass ihr Plan nicht aufgegangen ist. Die „Kleine Galerie“ schließt zum 31. Juli.

Wer dieser Tage in dem Ladenlokal vorbeischaut, dem weht die Abschiedsstimmung geradezu entgegen. Ein Schild an der Eingangstür verkündet die Schließung. Die Umzugsvorbereitungen im Laden laufen. Angela Lenz hat sich mit dem Ende ihrer Galerie abgefunden und spürt trotzdem ein bisschen Wehmut. Ganz spurlos geht die Geschäftsaufgabe dann doch nicht an ihr vorüber. „Ich bin mit einer gehörigen Portion Optimismus an die Sache gegangen und wollte hier wirklich was reißen. Aber es hat leider keinen Sinn mehr weiterzumachen“, fasst sie die Situation zusammen. Einnahmen und Fixkosten ließen sich nicht vereinbaren.

Die nötige Klientel fehlt in Salzwedel

Ihre Geschäftsidee sei offensichtlich in Salzwedel nicht mehr umsetzbar. „Als ich vor 18 Jahren meine erste Galerie eröffnet habe, herrschte ein anderer Zeitgeist. Es gab mehr Menschen, die für Kunst Geld ausgeben wollten. Die Leute sind für den Schöngeist leider nicht mehr so empfänglich. Das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck“, schätzt die Künstlerin die Lage ein. Natürlich spiele auch der demografische Wandel eine Rolle. Es seien schlicht weniger Menschen in der Stadt unterwegs als früher.

Bilder

Angela Lenz jedenfalls hat ihre Konsequenzen gezogen. Ein viertes Mal wird sie nicht eine Galerie in Kernstadt eröffnen: „Ich gehe davon aus, dass es der letzte Versuch war.“ Sie wird sich nun wieder in Stappenbeck ihrer Arbeit widmen.

Umzug auf die andere Straßenseite

Damit steigt auch in der Neuperverstraße der Leerstand. Bereits vor einigen Monaten hatte der Imbiss Babylon quasi über Nacht dicht gemacht. Er bleibt jedoch fast am selben Standort erhalten. Der Betreiber saniert momentan ein Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Laden für Geschenkartikel „Holzwurm“ schließt zwar nicht, verlässt aber ebenfalls seinen bisherigen Standort gegenüber vom Adlerhorst. Er wird in die Burgstraße ziehen, bleibt der Innenstadt damit erhalten.

Im vergangenen Oktober hatte bereits der Buchladen „Buch und Musik“ in der Neuperverstraße die Segel gestrichen. Das Geschäft steht seitdem leer. Ein neuer Mieter hat sich bislang noch nicht gefunden. Bleibt zu hoffen, dass die Räume der „Kleinen Galerie“ nicht dasselbe traurige Schicksal ereilt.