Salzwedel l Magdeburg, Hamburg, Berlin: Was sich anhört wie ein Städtetrip für Touristen sind Stationen der bundeweiten Bauernproteste, denen sich auch Landwirte aus dem Altmarkkreis angeschlossen haben. Momentan bereiten sie die Teilnahme an der großen Demo am Dienstag, 26. November, in Berlin vor. Dort wollen sie gemeinsam mit Berufsstandkollegen aus ganz Deutschland vor dem Brandenburger Tor auf ihre Situation lautstark aufmerksam machen. Dann werden tausende Traktoren dort den Verkehr lahmlegen. Sachsen-Anhalt hat schon angekündigt, die Autobahnen für die Treckerkolonnen frei zu geben.

„Wir warten jetzt noch darauf, wie es in Brandenburg wird“, sagt Ulrike Marquardt vom Organisationsteam im Altmarkkreis. Die Landwirte aus dem Norden des Kreises wollen über Perleberg Richtung Berlin fahren. Treffpunkt wird die Raststätte Seeadler in Arendsee sein. Abfahrtszeit dort ist um 3 Uhr in der Nacht zu Dienstag. Für alle, die sich im südlichen Teil an der Aktion beteiligen wollen, ist Gardelegen als Abfahrtsort vorgesehen. Wer Genaueres wissen will, kann sich an das bestehende Netzwerk von „Land schafft Verbindung“ wenden. Wie sie erfahren habe, wollen sich „ganz viele Landwirte daran beteiligen und zeigen: Wir bleiben dran“, sagt sie.

„Wir rufen zu Tisch!“

Unter dem Motto „Wir rufen zu Tisch!“ geht es um Forderungen für eine starke heimische Landwirtschaft. In einem Papier hat die Interessengemeinschaft Sachsen-Anhalt von „Land schafft Verbindung“ in neun Punkten mit verschiedenen Aspekten dargelegt, worauf es aus Sicht der Landwirte ankommt.

Stark in der Kritik ist dabei unter anderem die Düngeverordnung mit so genannten roten Gebieten, in denen verschärfte Regeln gelten sollen. Gefordert wird eine Novellierung dieser Flächen auf Grundlage neuer Messungen. Verordnungen und Gesetze dazu sollten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, gemeinsam mit den Landwirten erarbeitet werden. Die Lagerfristen der Tierproduktion für Gülle und Gärreste von sechs auf neun Monate, soll nach dem Willen der Bauern um fünf Monate verschoben werden.

Eine weitere Forderung ist ein sofortiger Stopp des Agrarpaktes und eine ergebnisoffene Neuverhandlung mit den Beteiligten. Für die Tierhaltung wollen sie unter anderem, dass der Bestandsschutz für tierwohlgerechte Neu-, Aus- und Umbauten erweitert wird, und beim Pflanzenschutz soll es „keine weiteren pauschalen Einschränkungen von Pflanzenschutzmitteln ohne wissenschaftliche Analysen“ geben.

Bürokratie, Gesellschaft Verbraucher- und Klimaschutz sind ebenfalls Inhalte, die den verantwortlichen Politikern vorgelegt werden sollen. So stehen internationale Handelsabkommen, wie Mercosur, ganz oben auf der Liste. Ebenso die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die nicht die EU-Richtlinien erfüllen. Und: „Tierwohl muss im Preis enthalten sein“, heißt es. Außerdem wird der Flächenverbrauch von 70 Hektar pro Tag mit einer dauerhaften Versiegelung der Flächen angeprangert.