Salzwedel l Mit Ludwig Conradi (23) hatten Florian (25) und Sebastian Mellotat (23) sowie Alexander Rieck (22) am Sonnabendmittag auf dem Kauflandparkplatz in Salzwedel gleich den richtigen Gesprächspartner gefunden. Alle vier verbindet, dass sie ihre berufliche Zukunft in der Landwirtschafts sehen. Erstgenannter als Schüler der neuen Fachschule für Ökolandbau an den Berufsbildenden Schulen der Hansestadt, die anderen bereits voll berufstätig in der konventionellen Landwirtschaft oder als Student auf dem Weg dorthin.

Verständnis geäußert

Am Sonnabend postierten die Aktivisten der Landwirte-Initiative „Land schafft Verbindung“ ihre Infostände und Traktoren vor den großen Supermärkten – Kaufland und Edeka – der Stadt. Ziel der Aktion: Die Kunden über die Anliegen der Bauern aus der Region und bundesweit aufzuklären. Unter der Überschrift „Wir rufen zu Tisch“ sollte zudem zu neuen Gesprächen auf Bundesebene aufgerufen werden. Und die Aktion war zugleich ein kleiner Appell an das Gewissen der Einkäufer, doch einfach häufiger auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten.

„Wir wollen Politik mitgestalten“, sagt Christian Schmidt von der Agrargesellschaft Siedenlangenbeck, bei dem die Fäden von „Land schafft Verbindung“ in der nördlichen Altmark zusammenlaufen. Er berichtete, dass viele Supermarktkunden Verständnis für die Landwirte äußerten. „Wir sind auf einem guten Wege“, meint Schmidt.

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Landwirte fordern praxisnähere Politik

Während die Menschen ihre gefüllten Einkaufswagen vorbeirollten, äußerte Schmidt zum Beispiel Kritik an der Deklarierung der Waren. Nur mit der Lupe sei teilweise festzustellen aus welchem Land die Rohstoffe für die Lebensmittel kommen.

Apropos gefüllte Einkaufskörbe: Die Landwirte hatten plakativ jeweils zwei der Wagen an ihren Infoständen positioniert. Einmal voller Waren, einmal nur noch die Papier- und Plastikverpackungen. Ihre klare Botschaft: Ohne Bauern gibt es wenig zu kaufen.

Auch selbstkritisch sein

Natürlich wolle man auch selbstkritisch sein, meinte Schmidt auf die beispielhafte Frage nach Äckern, die Blüh- und Grünstreifen keinen Platz mehr lassen. „Aber es ist alles zu bürokratisch und starr“, meinte Schmidt. Er wünscht sich für Deutschland nach holländischem Vorbild mehr praxisnahe Instrumente, „die regional gestaltet werden können“. „Wir sind nicht gegen alles, aber wir müssen auch sehen was geht denn“, erklärte der Landwirt.

So berichteten Schmidt und die drei Junglandwirte von der neuen Düngeverordnung und den sogenannten roten Gebieten. Rund um den Arendsee sollen die Landwirte aufgrund der erhöhten Nitratbelastung auf vielen Flächen weniger Dünger einsetzen. „Dabei brauchen die Pflanzen eigentlich mehr, sonst haben wir weniger Ertrag“, ärgert sich Florian Mellotat darüber, dass eine einzige Messstelle im Wendland für diese Einschränkung gesorgt habe.

Am Freitag Demonstration in Magdeburg

Und auch ihr Bild in Teilen der Gesellschaft wollen die Junglandwirte mit der Aktion verbessern. „Ich gehe jeden Tag los, habe im Monat vielleicht vier Tage frei. Aber ich mach das gern und will es auch weitermachen“, meint Mellotat. Da sei es nicht förderlich, wenn hier und da von „den blöden Bauern“ gesprochen werde.

Mit Ludwig Conradi war sich die Gruppe einig, dass es dabei auch nur im Miteinander von konventionellen - und Biolandwirten gehen kann. „Ich finde es gut, dass die Bewegung von unten kommt“, meinte Conradi, der aus Dresden stammt und selbst schon oft gefragt wurde, wie er als Großstädter denn zur Landwirtschaft gekommen sei.

Am kommenden Freitag, 17. Januar, wollen die heimischen Landwirte dann bei der Großdemo in Magdeburg wieder aktiv werden.