Volksstimme: Frau Kunz, wie sind Sie auf das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft gekommen?

Lynne Kunz: Wir sind ausgebildete Gärtner oder ausgebildete Landwirte und haben alle auf verschiedenen Höfen gelernt und gearbeitet. Dabei haben wir uns auch mit dieser Form der Landwirtschaft beschäftigt und sie kennen und lieben gelernt.

Sie bewirtschaften rund einen Hektar Ackerland und 300 Quadratmeter Folientunnel. Was wird denn alles von Ihnen angebaut?

Ich denke, man kann eher fragen, was wird nicht angebaut? (lacht). Wir bauen keine Beerenfrüchte an. Knoblauch haben wir 2016 auch nicht im Sortiment gehabt. Er soll aber in diesem Jahr dazu kommen. Ansonsten gibt es bei uns die volle Palette von Kartoffeln über Zwiebeln, verschiedenste Kohlgewächse, Pastinaken, Auberginen, Tomaten und sämtliche weitere Grundnahrungsmittel. Sie hier aufzuzählen, würde wohl den Rahmen sprengen.

Und das bauen Sie alles von Hand an?

Nein. Wir haben auch ein Arbeitspferd und mittlerweile haben wir uns auch einen Traktor zugelegt. Den benötigen wir für die Gründüngung. Wir arbeiten ohne chemischen Dünger oder Pestizide.

Also alles Bio?

Noch dürfen wir die Erzeugnisse nicht als „Bio“ bezeichnen. Ab Juli haben wir aber das Prädikat „Bio in Umstellung“.

Wie fällt denn die Bilanz des ersten Jahres aus?

Wir mussten natürlich viel investieren. Eine Wohnung muss renoviert, der Traktor und andere Arbeitsmaterialien gekauft werden. Dadurch sind wir mit einem leichten Verlust aus dem Jahr gegangen. Das ist aber völlig in Ordnung. Wichtig ist uns, dass wir ein tolles Verhältnis zu den Bewohnern des Dorfes und der Region aufgebaut haben. Da viele von ihnen selbst in der Landwirtschaft tätig waren, gibt es genügend Gesprächsthemen. Ich denke, dass wir uns hier schon nach so kurzer Zeit heimisch fühlen.

2016 haben Sie mit ihren Erzeugnissen 20 Haushalte versorgt. Wie sieht es mit den Kapazitäten in diesem Jahr aus?

Unsere Kapazitäten machen ab April dieses Jahres eine Steigerung auf insgesamt 50 Haushalte möglich. Um dies zu organisieren, werden wir unser Konzept unter anderem am 10. Januar ab 19 Uhr in der Salzwedeler Kultur-Nische vorstellen. Am 22. Januar treffen sich um 15 Uhr alle zukünftigen Mitglieder in Volzendorf 13. Dort werden die Anbauplanung und das Jahresbudget erläutert.

Wie genau funktioniert denn euer solidarisches Konzept?

Die Anteile können in sogenannten Bieterrunden erworben werden. Dabei entscheidet jedes Mitglied über einen ihm angemessen erscheinenden Betrag. Alle Beiträge ergeben zusammen idealerweise die anstehenden Ausgaben der Gärtnerei.

Gibt es einen Mindestbetrag?

Nein, es gibt keine Grenze. Uns ist wichtig, dass sich jeder unsere Erzeugnisse leisten kann. Deshalb das solidarische Konzept.