Dambeck l Mit Sorgenfalten auf der Stirn schaut Dietrich Hubert auf die Wetterkarte auf seinem Computerbildschirm. Regen ist nicht vorhergesagt. Es soll trocken bleiben. „Ich traue mich gar nicht mehr, noch aus dem Fenster zu schauen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Agrarprodukte Dambeck eG. Seit dem 15. Mai hat es keinen ergiebigen Regenguss mehr in Salzwedel gegeben.

„Es ist eine Katastrophe. Im gesamten Mai hat es nur 7 Liter pro Quadratmeter geregnet. Jeder, der etwas vom Pflanzenbau versteht, sieht, wie schlimm die Situation auf den Feldern ist“, berichtet Dietrich Hubert. 2003 und 2011 habe es auch schlechte Jahre gegeben, „aber es war nicht so gravierend wie in diesem Jahr“.

Besonders schlimm hat es die Wintergerste erwischt. Hier rechnet der Landwirt mit einem Ernteausfall von 40 Prozent. Seine Enschätzung kommt nicht von ungefähr. Ein Rundgang auf einem Feld unweit des landwirtschaftlichen Unternehmens zeigt, dass ein Großteil der Halme keine Ähren ausgebildet hat. Die Halme selbst sind total ausgetrocknet, stehen auch nicht so dicht, wie es sein sollte. „Auch Roggen, Raps und Mais sehen sehr schlecht aus. Wenn es nicht bald regnet, wird es auch da große Verluste geben“, so Dietrich Hubert.

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Bewässern keine Option

Die Felder zu bewässern, sei für das Unternehmen keine Option, da man einen Großteil der Felder gepachtet habe und die Hürden für entsprechende Genehmigungen zu hoch seien. Die Agrarprodukte Dambeck eG bewirtschaftet derzeit 1800 Hektar Acker- und 600 Hektar Grünland. 25 Mitarbeiter kümmern sich um die Flächen und die 500 Milchkühe sowie 300 Kälber und Jungrinder.

Das gesamte Anbaujahr stellte für die Landwirte eine Herausforderung dar. Im Sommer und Herbst 2017 sei es sehr feucht gewesen. „Da haben wir die Anbaupläne mehrfach über den Haufen geworfen. Schließlich haben wir weniger Wintergetreide und mehr Mais und Kartoffeln angebaut“, erinnert sich Dietrich Hubert. Der April sei zunächst kühl gewesen, dann aber warm genug. Danach folgten hochsommerliche Temperaturen mit Nachttemperaturen um die 20 Grad – und die Trockenheit.

Hoffen auf stabilen Milchpreis

„In den vergangenen Jahren war es immer so, dass wir schlechte Ernten über die Tier- und Milchproduktion abfangen konnten und umgekehrt. Jetzt müssen wir auf den Regen hoffen, um genügend Grobfutter für unsere Tiere zu bekommen“, sagt Dietrich Hubert. Der erste Grünschnitt sei zwar im Lager, der zweite vertrockne auf der Wiese.

Der Landwirt setzt seine Hoffnung auf eine Stabilisierung des Milchpreises. Seit Dezember ist dieser um zehn Cent gesunken. „Ich gehe eher nicht davon aus, dass die Getreidepreise stark ansteigen. Schließlich ist die Trockenheit kein deutschlandweites Phänomen“, erzählt Dietrich Hubert.Nach jetzigem Stand werde die Ernte zwei Wochen früher als sonst beginnen, schätzt der Fachmann ein. „Ende Juni wird es losgehen. Sonst war der Start um den 10. Juli herum.“

Sollten die Ernteausfälle so hoch sein wie erwartet, wird das kommende Wirtschaftsjahr für das Dambecker Unternehmen sehr schwierig werden. „Wir müssen dann an jeder kleinen Stellschraube drehen, um die Kosten zu senken“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Vor allem beim Dünger werde man dann Änderungen vornehmen müssen.

„Es ist eine wirklich sehr belastende Situation. Das geht einem unter die Haut.“