Arendsee l Auf diesen Stuhl setze ich mich aber nicht“, schmunzelt Norbert Hundt beim Blick auf den Platz von Direktor Thomas Schlicke. Dieser stellte sein Büro für ein Pressegespräch mit dem Salzwedeler zur Verfügung, der im doppelten Sinne sein Kollege ist. Zum einen als Lehrer, aber auch als Schulleiter. Bis zum Sommer trug Norbert Hundt die Verantwortung in der Ganztags- und Gemeinschaftsschule Comenius – insgesamt 30 Jahre lang. Nun ist er im Ruhestand, aber nicht rund um die Uhr. Zweimal pro Woche führt ihn sein Weg wieder an eine Ganztags- und Gemeinschaftsschule. Und zwar in die Arendseer Bildungsstätte Theodor Fontane.

Die Verantwortung für eine komplette Schule ist gewichen, er kümmert sich nun intensiv um eine achte Klasse. Der Salzwedeler unterrichtet Mathe und Physik. Dies ist für ihn praktisch ein Weg zu den Ursprüngen. Denn das Studium war mit dem Ziel verbunden, Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen. Diesen Wunsch kann Norbert Hundt für ein paar Stunden jede Woche weiter ausleben. Den Druck eines Schulleiters konnte er aber ablegen.

Volle Konzentration auf den Unterricht

Nun geht es für Norbert Hundt ausschließlich in die Klassenräume. Ihm ist die Freude, vorn an der Tafel zu stehen und zu unterrichten, anzumerken. Sein Chef, Direktor Thomas Schlicke, weiß die Unterstützung zu schätzen. Insbesondere die Erfahrung kommt zum Tragen, der einstige Schulleiter konnte sofort loslegen. Das hilft in Zeiten von akutem Lehrermangel. Auch an der Fontane-Schule gibt es kaum ein Fach, in dem kein Bedarf besteht.

Eine langfristige Lösung ist die Hilfe des 65-Jährigen nicht, aber zumindest dieses Schuljahr kann die Bildungsstätte voll auf den Salzwedeler zählen. Sein Vertrag mit dem Landesschulamt läuft bis zum Sommer 2021. Dann überlegt er neu und ließ im Volksstimme-Gespräch durchblicken: Die jetzige Regelung passt ihm gut.

Team verstärkt

„Ich fühle mich fit“, erzählt er und beschreibt sein Kürzertreten, ohne gleich komplett auf Kreide und Tafel zu verzichten: „Es ist ein wenig wie bei einem Sportler, der abtrainiert.“ Gefragt ist sein pädagogisches Wissen sehr. „Wir sind froh, ihn in unserem Team zu haben“, macht Thomas Schlicke deutlich. Der Direktor lässt kaum etwas unversucht, um das Lehrer-Kollegium zu stärken. Dazu gehören neben Nachwuchskräften Pädagogen, die auch im Rentenalter einiges beitragen können.

Für Norbert Hundt war es an seinem 60. Geburtstag noch schwierig, an den Ruhestand zu denken. Vor zweieinhalb Jahren begann dann der Gedanke zu reifen, den Schulleiter-Staffelstab irgendwann zu übergeben. 2020 war es soweit. „Ich hätte auch an der Comenius-Schule weiter unterrichten können. Aber die Entscheidung dagegen fiel ganz bewusst“, unterstreicht der Pädagoge. Er möchte einer neuen Schulleitung keinesfalls reinreden und hält an diesem Grundsatz in Arendsee ebenfalls fest. Der Salzwedeler konzentriert sich komplett auf den Unterricht.

Der Gedanke an den Ruhestand reift langsam

Aktiv ist der 65-Jährige zudem weiter in der Kommunalpolitik, als Salzwedeler Stadtrat sowie Kreistagsmitglied. Und im Kreis-Bildungsausschuss hat er ebenfalls mit der Arend­seer Bildungsstätte zu tun. Denn in der Einrichtung sind 2021 Modernisierungs-Arbeiten, unter anderem beim Brandschutz, geplant.

An erster Stelle stehen die Kinder und Jugendlichen, denen der Pädagoge noch so einiges beibringen wird. Aber eben nicht mehr täglich unter Volldampf. „Und wissen Sie, was ich jetzt mache?“, fragt Norbert Hundt zum Schluss des Gespräches und beantwortet die Frage mit einem Lachen: „Jetzt fahre ich nach Hause und bereite für meine Frau und mich das Essen zu.“