Altmarkkreis l „Ich habe Feierabend, da stehen die anderen noch lange an der Werkbank oder schwitzen am Schreibtisch“, sagt Steven Meyer. Im Sommer sei das Schwimmbad der richtige Ort, um sich, ab etwa ein Uhr, in der Sonne zu aalen und zu vergessen, dass der Arbeitstag schon früh um vier Uhr in der Wurstküche begonnen hat.

„An das frühe Aufstehen gewöhnt man sich schnell“ sagt der 20-Jährige, der sich auf jeden Arbeitstag freut. Der Beruf des Fleischers sei ebenso vielseitig wie abwechslungsreich. Es gebe ausreichend Freiraum, um eigene Ideen zu entwickeln und in die Tat umzusetzen.

„Gefragt sind Kreativität und Köpfchen“, bestätigt auch Betriebsleiter Tobias Süßmilch. Schulnoten seien hier längst nicht so wichtig wie die Freude am Beruf und dem Mut, sich selbst und auf die eigenen Ideen zu vertrauen.

Perspektiven sind gut

Das Selbstvertrauen der jungen Menschen zu stärken, die sich für eine Ausbildung in der Landfleischerei interessieren, bezeichnet Süßmilch als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Neben dem Beruf des Fleischers biete das Unternehmen auch Ausbildungsplätze für angehende Köche und im Verkauf.

„Die Perspektiven im Handwerk sind gut“, ist Tobias Süßmilch überzeugt und auch Steven Meyer ist sicher, mit seiner Berufsentscheidung die richtige Wahl getroffen zu haben. In wenigen Wochen endet seine dreijährige Lehrzeit und Betriebsleiter Süßmilch ist zuversichtlich, nach dem erfolgreichen Abschluss der Prüfung einen zünftigen jungen Gesellen für das Unternehmen gewonnen zu haben.

Noch aber führen den jungen Mann die ersten Schritte am Morgen in die Wurstküche. Hier gilt es, die Grundlagen für das Gehackte und die Bratwürste zu schaffen, die jeden Tag frisch über die Ladentheke im Hofladen gehen. Der nächste Weg führt in die Küche des Imbiss‘, um das Fleisch und die Braten der Köche vorzubereiten. Es folgt die Produktion der verschiedenen Wurstsorten und plötzlich steht die Uhr auf halb Eins. Feierabend.

Im Betrieb wird selbst geschlachtet

„Die Arbeitstage gehen total schnell vorbei“, staunt Meyer, zumal wenn das Schlachten der Tiere ansteht, deren Fleisch es anschließend gilt, zu verarbeiten. Tobias Süßmilch erklärt, dass die Landfleischerei zu den wenigen Betrieben in der Region gehöre, die selber schlachten. Für Steven Meyer ist das ein Glücksfall. Er hat die Möglichkeit genutzt, sich, neben der Herstellung küchenfertiger Produkte, auf die Fachrichtung „Schlachten“ zu spezialisieren.

„Wer Fleisch essen will, muss Tiere töten“, bringt es der junge Mann auf den Punkt. Auch das Fleisch, das in Tonnen über die Registrierkassen der Supermärkte gezogen wird, stamme von einem lebenden Tier. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass sich die Lebens- und Schlachtbedingungen dieser Tiere maßgeblich von denen unterscheiden, die von Steven Meyer auf ihren letzten Weg vorbereitet werden, sagt der. Auch bei der weiteren Verarbeitung des Fleisches gebe es Unterschiede, erklärt Tobias Süßmilch: „Wir zerlegen die Tiere so, dass der Knochen schneeweiß herauskommt“, erklärt der Fleischermeister und das Schneiden der Braten folge dem Verlauf der Muskeln.

„Bei der Arbeit ist Fingerspitzengefühl gefragt“, bestätigt Steven Meyer. Erfahrung und Wissen um die richtige Mischung der Mixturen und Gewürze kommen mit der Zeit. „Jeder Fleischer hat seinen Vorlieben“ erklärt Tobias Süßmilch und verrät, dass man durch Testkäufe versuche, Geheimnissen der Zunftgenossen auf die Spur zu kommen.

Keine Langeweile

„Langweilig wird es hier nicht“, betont Steven Meyer, der sich freut, dass viele Aufgaben, die früher mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden waren, heute von der Technik übernommen werden. Zudem haben Computer in die Steuerung von Maschinen und Meßgeräten Einzug gehalten. „Der Beruf ist vielseitig und bietet den jungen Leuten ausreichend Möglichkeiten, eigene Vorlieben zu entwickeln“, fasst Süßmilch zusammen, der sich schon heute auf die Bewerbung der nächsten Generation angehender Fleischer-Lehrlinge freut.