Salzwedel l Als beim ersten Lockdown die Schüler in den Hausunterricht geschickt wurden, war dies mitunter mit Problemen verbunden. Eltern waren bei der Unterstützung ihrer Sprösslinge mit den Aufgaben teils überfordert, den Kindern fehlte ein adäquater Ansprechpartner für Nachfragen. Der Wunsch nach digitaler Technik wurde zunehmend lauter. Einige Eltern wünschten sich einen komplett digitalen Unterricht, bei dem der Lehrer seine Schüler über den Computer erreicht. Auch Schüler waren mit ihren Lernmappen teils unzufrieden. Nun ist Deutschland wieder im harten Lockdown. Was hat sich geändert? Wir haben nachgefragt.

Perver-Grundschule

„Wir sind für unsere Kinder da“, sagt Angela Ritter-Hundt, Schulleiterin der Perver-Grundschule Salzwedel: „Und haben uns rechtzeitig vorbereitet.“ Jene Kinder, die betreut werden müssten, weil die Eltern arbeiten, bekämen Arbeitsmappen. Die selben Mappen bekämen auch jene, die zu Hause lernen. Darin enthalten: Aufgaben in den Bereichen Mathematik, Deutsch und Sachkunde. „Wir sind allen Eltern sehr dankbar, die ihre Kinder zu Hause unterrichten.“ Denn in der Perver-Grundschule seien Klassenstärken von 26 Schülern normal. Da sei mit Abstand nicht viel möglich. „Und wir Lehrer wollen ja auch gesund mit unseren Familien Weihnachten feiern“, so Angela Ritter-Hundt. Nach aktuellem Stand würden etwa 30 Kinder an den restlichen Schultagen im Dezember und den ersten im Januar in der Schule betreut. Beim Thema Digitalisierung hapert es noch. Eine entsprechende Software, damit Lehrer und Schüler sich digital verknüpfen, habe man schon. Es fehle schlichtweg an der Technik. Angela Ritter-Hundt gehe aber davon aus, dass dahingehend 2021 nachgesteuert werde.

Jahngymnasium

„Im Augenblick haben wir den Stand erreicht, dass wir mit der Lernplattform Moodle so gut aufgestellt sind, dass wir den Unterricht abdecken können“: Das sagt Ralf Hoppstock, Leiter des Salzwedeler Jahngymnasiums. Für Eltern sei es schwierig, den Umfang der Aufgaben und die dafür benötigte Zeit abzuschätzen. „Manch ein Kollege schreibt einen Vierzeiler, dessen Umsetzung anspruchsvoll ist, ein anderer einen vierseitigen Ankreuztest, der relativ rasch zu erledigen ist“, nennt er ein Beispiel. Die meisten Aufgabenstellungen für den Rest dieser Woche seien mitgegeben worden, „denn darauf konnten wir uns vorbereiten“. Bereits im ersten Lockdown habe sich gezeigt, dass es Schüler gebe, die durch ein günstigeres Lernumfeld befähigt seien, Aufgaben gut zu lösen. Andere würden Schwierigkeiten haben, sich selbst etwas zu erarbeiten. „Die Schere zwischen den Schülern wird größer“, hat er beobachtet. Auf moderne Technik sei auch bei der ersten Dienstversammlung über Zoom zurückgegriffen worden. „Das hat wunderbar funktioniert“, urteilt der Schulleiter. Die Variante solle beibehalten werden.

Grundschule Diesdorf

Acht der insgesamt 120 Kinder aus allen vier Klassenstufen seien für die Betreuung bis Freitag angemeldet. Das sagt Diesdorfs Grundschulleiterin Doritt Bock. Aufgaben in Mathematik und Deutsch, die erledigt werden müssten, seien bereits am Dienstag ins Hausaufgabenheft eingetragen worden. „Immer für den jeweiligen Tag, um ein bisschen Zeitmanagement vorzugeben“, beschreibt sie. Der Umfang sei mit Augenmaß ausgewählt. „An den drei Tagen wird die Welt nicht gerettet“, erklärt Doritt Bock. Die Kinder, die die Schule besuchen, würden die Aufgaben vorm Spielen hier lösen. Für den 7. und 8. Januar seien bislang zwölf Kinder angemeldet. Auch eine kurzfristige Betreuung sei möglich. „Wir sind für die Kinder da, die Schule ist offen“, betont sie. Wie es ab dem 11. Januar weitergehe, werde zu gegebener Zeit auf der Homepage veröffentlicht. Die Klassenlehrer würden per WhatsApp Kontakt zu den Eltern halten. „Die Corona-Schnelltests sind da. Auf freiwilliger Basis können sich alle Angestellten testen lassen“, sagt sie und hofft, dass alle gesund zurückkommen.

Lessing-Ganztagsschule

Noch bis einschließlich Freitag und wieder nach den Weihnachtsferien gibt es an der Lessing-Ganztagsschule fast normalen Unterricht. Möglich macht es die digitale Lernplattform Schulmanager. „Wir haben aus der Situation im ersten Lockdown gelernt“, sagt Schulleiterin Heike Herrmann. Seitdem seien zielstrebig und mit Akribie Wege gesucht worden, um bei einer erneuten Schulschließung gewappnet zu sein. Die Wahl fiel auf die App Schulmanager mit vielen Funktionen. Und was besonders ist: Sie kann per Smartphone genutzt werden. Sie und ihr Vize Stefan Hübner haben bei einer Umfrage erfahren, dass nicht in allen Haushalten der Schüler ein Laptop oder ein PC zur Verfügung steht. „Aber Handys haben sie alle“, erzählt die Schulleiterin. Mit der App könne jeder seine Aufgaben einsehen, im Heft oder auf einem Block erfüllen und per Foto wieder hochladen. Die Lehrer können sie kontrollieren und ein Feedback geben. Fragen können sofort per Chat beantwortet werden. Zudem gibt es ein digitales Klassenbuch. Die Lehrer können vergessene Hausaufgaben oder Arbeitsmaterialien und Informationen eintragen. „Dann wissen die Eltern immer Bescheid“, sagt Heike Herrmann augenzwinkernd.

Das Ganze ist schon seit den Sommerferien geübt und praktiziert worden. „Es klappt einfach super, wie ein großes digitales Hausaufgabenheft“, sagt Stefan Hübner. Natürlich ersetze nichts den Präsenzunterricht mit persönlichem Interagieren und sozialen Kontakten, aber es sei ein gutes Mittel, um Distanzunterricht mit einem größtmöglichen Maß an Kontakt zwischen Lehrern und Schülern umzusetzen. Die fünften und sechsten Klassen dürfen in die Schule kommen, wie es der Erlass vorsieht. Ein Vorgehen, das nicht ohne Probleme ist. Da das Ganze freiwillig und ohne Voranmeldung erfolgt, wissen die Pädagogen nicht, welche Fünft- und Sechstklässler am Unterricht teilnehmen.