Salzwedel l Rund 1,3 Millionen Euro stehen der Landesmedienanstalt in Halle für die Unterstützung von sieben OK-Standorten und zwei nicht kommerziellen Radiosendern im Land zur Verfügung. Der Betrag stammt aus den Rundfunkbeiträgen, den früheren „GEZ-Gebühren“. Diese sollen helfen, die Unabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Medien in Deutschland sicherzustellen. Zwar ist grundsätzlich jeder Haushalt zur Zahlung des Rundfunkbeitrags verpflichtet. Allerdings verlassen immer mehr Menschen Sachsen-Anhalt, um in anderen Bundesländern zu leben. Zudem steigt die Zahl hilfsbedürftiger Menschen, die von den Rundfunkbeiträgen befreit sind. Zugleich gibt es eine Vielzahl von Hintertüren, mit denen sich findige Zeitgenossen der Zahlung verweigern. Aus diesen Gründen fehle es der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) an Geld, die Arbeit des Offenen Kanal Salzwedels in bisherigem Umfang zu unterstützen, sagte Heine in einem Pressegespräch.

„Selbst ein Rückgang von zehn Prozent der Förderung wäre für uns erheblich“, rechnet die Geschäftsführerin des Offenen Kanals Salzwedel, Beate Nilles. In der Hansestadt hängen beim OKS zwei Vollzeitstellen, die berufliche Zukunft von drei Mitarbeitenden, die Miete der Geschäftsräume in der Altperverstraße 23 und die technische Ausstattung des Studios am Tropf der Landesmedienanstalt.

Bislang stehen dem Salzwedeler Verein jährlich rund 111 000 Euro zur Verfügung. Jede Kürzung hinterlässt empfindliche Spuren, wenn es darum geht, Miete und Gehälter zu zahlen. Doch die Perspektive ist düster.

Bilder

Keine gerechte Entscheidung möglich

Martin Heine: „Absehbar gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wir kürzen die Mittel gleichmäßig“ – was alle sieben OK-Standorte und die nicht kommerziellen Radiosender des Landes in gleichem Maße treffen würde – „oder wir müssen uns entscheiden, welche Sender in Zukunft gefördert werden und welche nicht.“

Dass diese Entscheidung kaum gerecht getroffen werden könne, bestätigt der MSA-Direktor auf Nachfrage. Die Situation der OK-Standorte in Halle oder in der Landeshauptstadt sind mit der Arbeit des OK Salzwedel kaum zu vergleichen: Während in den Ballungsräumen eine rege Nachfrage von Interessenten an einer freien Mitarbeit bestehe und die Wege kurz seien, fordere der Altmarkkreis eine Menge Kilometer und Initiative von den Mitarbeitenden des Studios.

Die aber sind es ohnehin gewohnt, ihre Jagd nach Fördergeldern und Mitstreitern, mit Kreativität und täglich frischem Schwung anzugehen, bestätigt die Vorsitzende des Trägervereins, Elke Bukowski.

Dem OK Salzwedel war es 2019 gelungen, 100 000 Euro vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu bekommen. Das Geld stammt aus der Fördermaßnahme LandKultur. Ziel der Förderung ist es, „kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Regionen zu stärken und das Lebensumfeld für die Menschen attraktiver zu machen.“ Genau das ist das Anliegen der Mitarbeitenden des OK Salzwedel in einem, auf drei Jahre angelegten Projekt in Beetzendorf.

Mit Kamera und Mikrofon begleitet der OKS die Menschen und Initiativen der Gemeinde, um ein sichtbares Zeichen gegen die Landflucht und für die Attraktivität der Region zu setzten. Als erstes Ergebnis der Zusammenarbeit nennt Beate Nilles den Beetzendorfer Park, der sich zunehmend zu einem kulturellen Zentrum und Treffpunkt im Ort entwickelt habe.

OKS bietet Fernsehen für alle hautnah

Auch in Salzwedel selbst ist der Offene Kanal ein wichtiger Partner, für Schulen, Einwohner und die Vereine der Stadt. Das Studio steht allen Einwohnern offen, die TV-Kameras, Tontechnik und das Fachwissen der Mitarbeitenden nutzen wollen, um ihr Hobby, die letzte Urlaubsreise oder das eigene Haustier ins Fernsehen zu bringen. Nebenbei berichtet der Sender aus dem Stadtrat und bringt die Sitzungen des Kreistags in die Wohnstuben der Region.

„Unser Auftrag ist es, Medienkompetenz zu vermitteln“, erklät Nilles. Ziel der vielfältigen Aktivitäten des OKS ist es, den Menschen Einblick in die Welt der elektronischen Medien zu geben: Wo jedes Mobiltelefon zur Filmkamera werden kann und jedes Hosentaschen-Video ein Publikum im Internet findet, ist es wichtig, zu wissen, wo die Grenzen in der Berichterstattung liegen.

„Wir arbeiten mit den Schulklassen der Lessingschule, der Goetheschule und der Perver-Grundschule“, sagt Nilles. Im August sei zudem der Startschuss für die Ausbildung eines Praktikanten zum „Mediengestalter Bild & Ton“ geplant, „gefördert von der Arbeitsagentur“, betont die Chefin des Offenen Kanal: „Die Ausbildung dauert drei Jahre und wir werden alles daran setzten, dem jungen Mann eine Perspektive für die Dauer seiner Ausbildung zu bieten.“