Familiendrama

Mann aus Beetzendorf-Diesdorf wegen Familienfehde vor Gericht

41-Jähriger soll seiner Ex-Frau und deren Tochter nachgestellt haben. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 1000 Euro an das Frauenhaus Salzwedel eingestellt.

Von Antje Mewes 26.07.2021, 12:19 • Aktualisiert: 26.07.2021, 12:46
Mit einer Einstellung endete das Verfahren  gegen einen Mann aus Beetzendorf-Diesdorf, der seiner Ex-Frau und deren Tochter nachgestellt hatte.
Mit einer Einstellung endete das Verfahren gegen einen Mann aus Beetzendorf-Diesdorf, der seiner Ex-Frau und deren Tochter nachgestellt hatte. Symbolfoto Agentur

Salzwedel - „Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz“ lautete die Anklage gegen einen Mann aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, die in dieser Woche im Amtsgericht Salzwedel verhandelt wurde. Der bislang unbescholtene 41-Jährige sollte am Ende ohne Strafe aber mit einer Auflage den Gerichtssaal verlassen.

Zuvor kamen Abgründe einer Familienfehde zur Sprache, die mit einer Scheidung ihren Anfang nahmen und zu denen das Familiengericht bereits eine Entscheidung getroffen hatte. Diese verbot dem Angeklagten, sich seiner Ex-Frau und deren Tochter sowie weiteren Familienangehörigen zu nähern und Kontakt aufzunehmen. Daran hatte er sich mehrfach nicht gehalten. Daraufhin war die Polizei eingeschaltet worden. Es gab mehrere Anzeigen und so landete der Fall vor dem Amtsgericht. Der Prozess fand unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei zwei der geladenen Zeugen hatten die Justizbeamten Pfefferspray gefunden.

Der Mann räumte ein, an den Grundstücken seiner geschiedenen Frau und deren Eltern vorbeigefahren zu sein und auch mal gestoppt zu haben. Von den vorgeworfenen Beleidigungen und Drohungen wollte er nichts wissen, gab aber zu, dass das eine oder andere Schimpfwort gefallen sein könnte.

Er habe nur sein Recht einfordern wollen, betonte er. Denn das Familiengericht hatte auch entschieden, dass er die Tochter seiner Ex alle 14 Tage sehen darf. Sie sei zwar nicht sein leibliches Kind, „aber ich habe bei der Geburt die Nabelschnur durchgeschnitten und sie wie meine eigene Tochter angenommen“, sagte er. Deren Mutter habe ihm das Kind entfremdet und die vereinbarten Treffen komplett abgeblockt. Er habe die jetzt Achtjährige nicht ein einziges Mal sehen dürfen.

Inzwischen habe er „keinen Nerv mehr“ weiter dafür zu kämpfen. „Ich habe eine neue Beziehung und will alles hinter mir lassen“, sagte er. Seit einem halben Jahr habe es keinen Vorfall mehr gegeben, antwortete er Amtsrichter Klaus Hüttermann auf eine entsprechende Frage.

Als Zeugin sagte die Ex-Frau aus. Sie schilderte unter Tränen, dass ihr Geschiedener ihnen regelrecht nachgestellt und sich in keiner Weise an die Auflagen gehalten habe. „Ich will nur meine Ruhe und keine Angst mehr haben müssen“, sagte sie mehrmals. Die Tochter habe ebenfalls Angst vor ihrem einstigen Ziehvater. Eine psychologische Behandlung sei nötig gewesen. Deshalb habe sie den Kontakt nach anwaltlichem Rat unterbunden, schilderte die Frau.

Inzwischen lebe sie in einer neuen Beziehung und habe ein weiteres Kind. „Ich möchte, dass er bestraft wird, für das was er gemacht hat“, sagte sie als Hüttermann fragte, was sie vom Verfahren erwarte. Zuvor hatte sie bestätigt, dass sie seit einiger Zeit nicht mehr von ihm belästigt worden sei.

Weitere Zeuge mussten nicht mehr aussagen, weil sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153 a geeinigt hatten. Dem folgte auch der Richter. Allerdings muss der Angeklagte 1000 Euro an das Salzwedeler Frauenhaus zahlen. Mit der Einstellung, verknüpfe er die Hoffnung, „dass es vorbei ist“, so der Richter. Schließlich gehe es um ein Kind, das zwischen die Fronten von Erwachsenen geraten ist und sich nicht wehren kann, mahnte er.