Salzwedel l In den vergangenen Wochen konnte sich die 39-jährige Anika Leonhardt schon mit den Gegebenheiten vertraut machen, ehe es ab 1. Oktober ernst wird. Dann wird die Fachärztin für Allgemeinmedizin die Praxis übernehmen und als niedergelassene Medizinerin tätig sein. Der bisherige Inhaber Dr. Wulf Wiechmann ist froh, dass es für seine Patienten weitergeht und der Ärztemangel in Salzwedel sich nicht weiter verschärft. Über die Praxisbörse der Kassenärztlichen Vereinigung haben die beiden zueinandergefunden. Mit Anika Leonhardt tritt eine waschechte Altmärkerin in die Fußstapfen des erfahrenen Facharztes für Innere Medizin. Sie stammt aus Seehausen. In den vergangenen Jahren lebte sie mit ihrer Familie in Stade und hat als angestellte Ärztin in einer Hausarztpraxis gearbeitet. Mit einer eigenen Niederlassung in Salzwedel geht sie den nächsten Schritt in ihrer beruflichen Laufbahn, wie sie sagt.

Unterstützung von der Wirtschaftsförderin

Inzwischen wohnt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern – sieben und zehn Jahre alt – in der Hansestadt und ist von dem, was sie vorgefunden hat, sehr angetan. „Es gibt verschiedene Schulformen und wir haben kurze Wege“, erklärt sie. Ihr Mann hat einen Job in der Verwaltung gefunden.

Sie lobt die Unterstützung von Stadt-Wirtschaftsförderin Kirsten Schwerin bei der Wohnungssuche und weiteren Erfordernissen für den Neubeginn in Salzwedel.

Keine Änderungen für Patienten

Für die Patienten ändere sich erst einmal nichts. Die Öffnungszeiten bleiben dieselben und sie werden die vertrauten Sprechstunden-Mitarbeiterinnen antreffen. Nur zum Herzultraschall und zur Endoskopie müssen sie künftig andere Praxen aufsuchen. Diese diagnostischen Leistungen bot Dr. Wiechmann in seiner internistischen Praxis an und durfte sie auch als Hausarzt beibehalten.

In seiner langen Zeit als Arzt hat sich nicht nur in der Medizintechnik viel getan. Auch politische Weichenstellungen haben seinen Beruf geprägt. Zehn Jahre lang arbeitete er im Krankenhaus, ehe er 1991 seine Praxis für Innere Medizin eröffnete. Zu DDR-Zeiten sei es oft der Mangel an modernen Geräten und Materialien gewesen, den Ärzte zu beklagen hatten. Später sei die Bürokratie zu einem ständigen Begleiter der täglichen Arbeit geworden.

Auch das Abrechnungssystem der Krankenkassen beeinflusste Entscheidungen. Deshalb wurde aus der zunächst rein internistischen eine Praxis für Allgemeinmedizin. Vielen Tausend Patienten hat Dr. Wiechmann in den 39 Jahren seiner Tätigkeit geholfen und sie medizinisch betreut. Viele kennt er seit Jahrzehnten. „Ich habe es nie bereut, Arzt geworden zu sein“, sagt er. Die Arbeit und der tägliche Umgang mit Menschen habe ihm Erfüllung gebracht. Denn er hatte auch Anteil an ihrem Leben, an Sorgen und Freuden.

Mehr Zeit für die Enkel und zum Reisen

Nun sei es im Alter von 65 Jahren Zeit, davon Abschied zu nehmen. Noch gut eine Woche wird er gemeinsam mit seiner Nachfolgerin „ganz normal“ weiter arbeiten. Mit dem Eintritt ins Rentenalter aufzuhören, habe er sich als Ziel gesetzt und darauf hingearbeitet. Dass er die Praxis nicht zuschließen muss, macht diesen Schritt ein bisschen leichter.

Er freut sich darauf, mehr Zeit für seine Enkel und zum Reisen zu haben. „Langweilig wird es garantiert nicht“, ist er sich sicher.