Ende der Bundes-Notbremse

Mehr Homeoffice bei Bürojobs im Raum Salzwedel

Angestellte mit Bürotätigkeiten können das in der Corona-Pandemie erprobte Arbeitsmodell teilweise beibehalten. Chance auf Mitarbeiter von weiter weg.

Von Beate Achilles
Wer am Computer arbeitet, hat künftig bei vielen Salzwedeler Arbeitgebern weiterhin die Möglichkeit, vom heimischen Schreibtisch aus tätig zu sein. Jenseits des Corona-Lockdowns müssen sich Eltern dabei aber künftig den Schreibtisch nicht mehr   so häufig mit den Kindern teilen.
Wer am Computer arbeitet, hat künftig bei vielen Salzwedeler Arbeitgebern weiterhin die Möglichkeit, vom heimischen Schreibtisch aus tätig zu sein. Jenseits des Corona-Lockdowns müssen sich Eltern dabei aber künftig den Schreibtisch nicht mehr so häufig mit den Kindern teilen. Symbolfoto:dpa

Salzwedel - Am Mittwoch dieser Woche endete mit dem Auslaufen der Bundes-Notbremse die Homeoffice-Pflicht für Unternehmen. Die Volksstimme hat in der Verwaltung und bei örtlichen Unternehmen nachgefragt, ob sie ihren Mitarbeitern dennoch zukünftig die Möglichkeit anbieten werden, von zu Hause aus zu arbeiten.

„Die während des Corona-Lockdowns eingeführte Möglichkeit des mobilen Arbeitens können unsere Mitarbeiter künftig auch weiterhin auf freiwilliger Basis nutzen“, teilt Christian Märtens, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Salzwedel (WoBau) auf Anfrage mit. In Bereichen, wie beispielsweise der Buchhaltung, würden verschiedene Kollegen das mobile Arbeiten in unregelmäßigen Abständen in einem Umfang von maximal einem Tag pro Woche nutzen. Für Hausmeister und Handwerker sei mobiles Arbeiten jedoch tätigkeitsbedingt keine Option.

Positive Erfahrungen mit dem mobilen Arbeiten

Ähnlich wie die WoBau handhaben das Thema auch andere Unternehmen und Organisationen in und um Salzwedel. So teilt PVGS-Geschäftsführer Ronald Lehnecke mit, dass im Unternehmen gerade darüber gesprochen worden sei, wie mit dem mobilen Arbeiten weiter verfahren werden soll. „Im Verwaltungsbereich konnten das einige Mitarbeiter machen, zum Beispiel in der Buchhaltung und im Regiemanagement (Anm. d. Red.: Dieser Bereich ist für Tarife, Fahrpläne, Schülertickets, Kilometerabrechnungen und Ähnliches zuständig). Das behalten wir auch bei“, so Lehnecke, „denn wir haben keine schlechten Erfahrungen damit gemacht.“ Manche Mitarbeiter seien jedoch technisch zu Hause nicht ausreichend für mobiles Arbeiten ausgestattet, da ginge das nicht.

Aus der Kreisverwaltung verlautet, das Ende der Homeoffice-Pflicht bedeute auch dort nicht automatisch das Ende dieser Arbeitsform. Gegenwärtig werde an einer allgemeinen Regelung gearbeitet, die Homeoffice beziehungsweise mobile Arbeit nach der Pandemie zulassen soll. In welchem Umfang sie zukünftig Homeoffice-Arbeitsplätze vorhalten werde, darüber gibt die Behörde derzeit noch keine Prognose ab.

Neue Perspektive ür die Mitarbeitersuche

Neue Perspektiven für die Fachkräftegewinnung durch das Homeoffice hat Ulrike Wiechmann, Personalleiterin bei MB Well Services erkannt. „Die Möglichkeit, von zu Hause aus arbeiten zu können, kann einen Arbeitsplatz für Mitarbeiter attraktiver machen“, weiß die Personalfachfrau des Salzwedeler Öl- und Gasförderers. Zudem spiele dann der Wohnort des Mitarbeiters keine ganz so große Rolle mehr. „Eines der Ziele, das wir mit dem Homeoffice verbinden, ist, Mitarbeiter in einem größeren Radius rekrutieren zu können“, sagt Wiechmann. Dies sei durchaus eine Strategie des Unternehmens, um dem Fachkräftemangel in der Region zu begegnen. In der Verwaltung und auch dort, wo es im operativen Bereich möglich sei, biete sie deshalb die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten an. Die Mitarbeiter wechselten dann zwischen dem Arbeitsplatz zu Hause und dem in der Firma. Häufig seien Montag bis Donnerstag Präsenztage und Freitag bleibe der Mitarbeiter im Homeoffice. Das sei nicht erst mit Corona eingeführt worden, sei aber im Zuge der Homeoffice-Pflicht für den Standort ausgebaut und erweitert worden.

Trotz der Vorzüge des mobilen Arbeitens oder weil es für sie nicht passt, wollen jedoch auch manche Arbeitgeber an ihrer früheren Praxis festhalten. Einer von ihnen ist die Stadtverwaltung Salzwedel. Sprecher Andreas Köhler antwortet auf die Anfrage der Volksstimme: „Die Stadtverwaltung der Hansestadt Salzwedel kehrt mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht wieder zum gewohnten Arbeitsablauf zurück.“