Salzwedel l Wolfgang Dahse ist sauer. Und das gleich in zweierlei Hinsicht. Sowohl die Müllentsorgung, als auch der Lärm durch den Straßenverkehr von der B71 sorgen für reichlich Unmut bei den Amselweg-Bewohnern. Aber der Reihe nach.

Wolfgang Dahse hält eine Anordnung des Altmarkkreises vom 24. Oktober dieses Jahres in seinen Händen. Darin steht, dass die Amselweg-Bewohner ihren Müll, egal welchen, künftig zu einer Sammelstelle zu bringen haben. Entweder in die Marien- oder Max-Adler-Straße. Dies wird vom Verwaltungsgericht angeordnet, ist in dem Schreiben zu lesen. „Seit 27 Jahren wird der Müll vor die Haustür gestellt und dort abgeholt“, sagt Wolfgang Dahse. Es hätte nie Probleme gegeben. Außerdem: „Wir werden doch alle nicht jünger. Der Altersdurchschnitt liegt bei über 60“, sagt Dahse. Und nun müssen auch die Bewohner über 70 Jahre die schweren Tonnen durch die Gegend ruckeln, ärgert er sich. Bei Sperrmüll wird es dann besonders anstrengend. Für ihn ergibt das alles keinen Sinn. Obendrein hätten selbst die Müllfahrer ihr Unverständnis darüber bei ihm geäußert.

Ortstermin zwei Jahre her

Für Karl-Heinz Reck, ebenfalls Amselweg-Bewohner, ergibt das genauso wenig Sinn. Reck moniert zudem, dass es am 13. Oktober 2016 bezüglich der Abfallentsorgung einen Ortstermin gegeben hätte. Und nun, mehr als zwei Jahre später, würden auf einmal Nägel mit Köpfen gemacht. Ohne die Anwohner ins Boot zu holen, dass Gespräch mit ihnen zu suchen und eventuelle Rechtsmittel abzuwarten. „Aus unserer Sicht wäre genug Zeit gewesen, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen“, erklärt Karl-Heinz Reck: „Eine bürgernahe Kommunalpolitik sieht nach unserer Meinung anders aus.“

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Doch warum hat der Altmarkkreis die Sammelstellen eingerichtet? Das liegt zum einen daran, dass gemäß der Unfallverhütungsvorschriften die Müllfahrer nicht rückwärts in die Straße fahren sollen, heißt es von Katrin Pfannenschmidt, Leiterin des Umweltamtes des Kreises. Und da im Amselweg der Wendehammer für Lkws nicht ausreiche, könne man dort nur rückwärts fahren. Zudem gebe es eine Tonnenbegrenzung, die das Müllfahrzeug überschreite. Daher sei die Berufsgenossenschaft unterm Strich zum Ergebnis gekommen, dass Müllfahrzeuge nicht mehr in den Amselweg fahren dürfen. „Wenn wir das nicht umsetzen, droht ein Bußgeld in Höhe von 10 000 Euro“, erläutert Katrin Pfannenschmidt.

Furchen im Lerchenweg

Für Wolfgang Dahse zählt das nicht. Denn 27 Jahre habe das niemanden gekümmert. Auch sei die Straße in einem sehr guten Zustand. „Mängel am Amselweg durch das Gewicht der Fahrzeuge gibt es keine“, sagt er. Anders sehe das nun aber in der Marienstraße und im Lerchenweg aus. Der unbefestigte Weg um den Amselweg herum ist durch dicke Furchen gezeichnet. Dahse geht im Slalom um Schlaglöcher und Matsch herum. „Das kommt vom Gewicht der Müllfahrzeuge“, ärgert er sich. „Die müssen zum Teil Dicht am Graben lang. Wenn der Boden bei Nässe nachgibt, rutschen die da rein“, mutmaßt er. Das sei in der Vergangenheit bei einem Wirtschaftsfahrzeug schon der Fall gewesen, erinnert er sich. Das Ende vom Lied war ein Kran, der das Fahrzeug bergen musste. „Das Risiko kann nicht 100-prozentig ausgeschlossen werden“, heißt es aus dem Kreis.

„Die Anfahrt über den Lerchenweg ist nur eine Übergangslösung um den Sammelplatz an der Max-Adler-Straße anzufahren“, sagt Katrin Pfannenschmidt. Es gebe hierzu bereits Gespräche mit der Stadt Salzwedel, dies künftig anders zu lösen. Dazu könne man aber noch nichts genaues sagen. Ebenso wenig, ob es schlussendlich überhaupt zu einer anderen Lösung kommt.

Widerspruch beim Landrat

Die Amselweg-Bewohner um Wolfgang Dahse und Karl-Heinz Reck geben sich mit der Anordnung zumindest nicht zufrieden. Sie haben am 7. November einen Widerspruch formuliert und dem Landrat zukommen lassen. Unterzeichnet von den Bewohnern des Amselwegs. Eine Antwort dazu steht bis heute aus.

Katrin Pfannenschmidt fragt sich diesbezüglich aber, weshalb die Amselweg-Bewohner nicht kürzlich in der Einwohnerfragtestunde des Umweltausschusses Stellung bezogen haben. Dort hätte sie den Standpunkt des Kreises gern den Anwohnern erläutert.

Lärm von der Bundesstraße

Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich die Bewohner des Amselwegs herumärgern. Denn neben den Sammelplätzen an der Marien- und Max-Adler-Straße, rumort es wegen des Lärms, der von der Bundesstraße 71 in Salzwedel ausgeht. „Wenn der Wind von der Ernst-Thälmann-Straße kommt, ist es sehr laut bei uns“, klagt Wolfgang Dahse. Und wirklich, je nach Windrichtung sind die Abrollgeräusche der vielen Lkws deutlich zu höre.

Bei der Messung für die EU-Lärmkartierung 2012 durch ein Akustikbüro im Auftrag der Stadt, hätte man bei Gegenwind gemessen, kritisiert Dahse. Er habe das selbst beobachtet. Dadurch sei kein Lärm festgestellt worden. Doch bei Dahses Rundgang zeigt sich: der Lärm ist präsent.

Frage nach Schallschutz

Das bestätigt auch Karl-Heinz Reck: „Der Straßenlärm ist hörbar und störend!“ Daher wundert sich Wolfgang Dahse, warum auf der freien Fläche an der Max-Adler-Straße nicht eine Schallschutzwand oder zumindest eine Begrünung durch Sträucher den Lärm schlucken.

„Die Werte im erwähnten Wohngebiet überschreiten die zulässigen Pegel nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht“, heißt es von Stadtsprecher Andreas Köhler. Daher sei seiner Kenntnis nach auch kein Schallschutz vorgesehen. Zudem heißt es aus dem Rathaus: „Die Methoden und Vorschriften der Verkehrslärmbelästigung können von der EU-Umgebungslärmrichtlinie abweichen“. Die aktuelle Lärmkartierung aber zeigt, dass nachts an der B 71 mehr als 55 db(A) vorliegen.

Für die Amselweg-Bewohner ist das letzte Wort in Sachen Müll und Lärm noch nicht gesprochen. Bis dahin wird es wohl weiter rumoren.