Salzwedel l „Wir haben uns dazu entschieden, unser 40-Jähriges nicht mit einer großen Feier zu begehen“, erklärte Michael Wolter, langjähriger Mitarbeiter und Mitbegründer des Clubs. Das ist aber kein Grund, nicht mit dem aktuellen Team des Clubs in die bewegte Vergangenheit zurückzuschauen.

Die Volksstimme traf Geschäftsführer Marian Stütz, Frank Benecke, Vorsitzender des Vereins, Michael Wolter und Veranstaltungskauffrau Claudia Gentz zum Gespräch.

Bei einem Musikclub stellt sich natürlich die Frage: Wie viele Bands sind in den 40 Jahren schon aufgetreten? „Schätzungsweise 2000 Bands“, antwortete Stütz. „Besonders in Erinnerung blieben mir die Bands First Arsch, in der Till Lindemann Schlagzeuger war. Oder Die Firma mit dem Rammstein-Gitarristen Paul Landers. Letztendlich haben alle aktuellen Mitglieder der Band Rammstein schon im Hanseat gespielt. Dann reihen sich Keimzeit, Wenzel und Band, Canned Heat, Freigang oder The grandmothers noch ein.“ Wolter fügte noch hinzu: „ Wir dürfen In Ex- tremo und Silbermond nicht vergessen.“ Letztere spielte am 30. Oktober 2004 zum ersten Mal in Salzwedel. „Unser Club war zu klein. Also zogen wir für das Konzert ins Freizeitcenter. Dort kamen 2300 Leute“, blickte Wolter zurück. „Dann waren sie 2012 nochmal bei uns und wollten unbedingt ein Clubkonzert in unseren Räumen spielen. Das war dann nach zwei Stunden ausverkauft“, erinnerte sich Stütz.

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Stasi kommt in den Club

Das Team erzählte auch von bewegenden Momenten der vergangenen 40 Jahre. „Ein Mal kam sogar die Stasi in unseren Club, als der Autor Ulrich Plenzdorf gelesen hatte. Generell war unser Programm für die DDR-Zeit ziemlich aufmüpfig“, sagte Wolter. In den 80er Jahren veranstaltete der Club die „Kramladenreihe“. „Das war eine Kleinkunstreihe mit Kabarett, Puppenspiel oder Theater. Häufig verkauften Privatpersonen dann noch Kunsthandwerk wie Schmuck oder Grafiken. Diese Reihe wurde natürlich auch beobachtet“, meinte der Mitbegründer lächelnd.

Auch eine heiße Phase sei der Herbst 89 gewesen. „Diese Zeit hat sich auch in unserem Programm widergespiegelt“, erzählte Benecke. „Vor jedem Konzert las der Künstler eine Resolution vor, was von oben nicht gern gesehen war.“

„Ein Problem der 40 Jahre war, dass das Hanseat verschiedene Gesellschafts- und Betriebsordnungen durchmachen musste. Vor der Wende war der Club ein Jugendclub, der zur Stadt gehörte. Nach der Wende stand der Club vor der Pleite, sodass es 1990 eine große Demo zum Erhalt des Clubs gab“, führte Stütz aus. „Im Jahr 1993 wurde dann unser Verein gegründet. In den Jahren 97/98 gründeten wir ein sozial-kulturelles Zentrum, das wieder an die Stadt gekoppelt wurde. So erhielten wir Fördermittel. Im nächsten Schritt kaufte die Stadt das Haus und Aktion Musik und der Offene Kanal“zogen ein.“

Zudem hat sich auch die Technik des Clubs in der Zeit gewandelt. „Besonders die vergangenen fünf bis zehn Jahre waren durch die Digitalisierung ein Quantensprung. In der DDR brachten die Bands noch alles selbst mit. Heute stellen wir als Club die Technik zur Verfügung. Wir versuchen, mit der Technik mitzugehen“, meinte Benecke.

„Unser Club hat ein großes Alleinstellungsmerkmal: Wir sind der einzige Jugendclub der DDR, der heute noch existiert. Viele Besucher der damaligen Zeit kommen heute noch zu uns“, freute sich Wolter. „Wir waren damals der nördlichste Jugendclub des Bundeslandes und brachten von Anfang an Livemusik auf die Bühne. Dazu boten wir unseren Gästen Kleinkunst an. Diese Ausrichtung gab es so hier im Umkreis nicht.“ „In den ganzen 40 Jahren lebten wir immer am Zeitgeist und versuchten, Trends aufzugreifen. Außerdem wollen wir immer das Publikum generationsübergreifend ansprechen“, sagte Wolter weiter. „Zudem bilden wir seit 2004 junge Leute zum Veranstaltungskaufmann aus. Unsere Azubis gehören meistens mit zu den besten in Sachsen-Anhalt. Die jungen Leute bringen frische Idee in unser Team“, meinte Stütz stolz.

Ein Laden, der sich immer wieder neu erfindet

Natürlich will das Team des Clubs Hanseat so schnell nicht dicht machen. „Wir hoffen, dass die Stadt, der Kreis und das Land weiterhin hinter uns stehen und wir so dem Publikum erhalten bleiben“, blickte Stütz zuversichtlich in die Zukunft. „Außerdem soll der Club in 10 bis 20 Jahren noch existieren und ein Laden sein, der sich immer wieder neu erfindet“, meinte Wolter.

Wer Künstler aus vergangenen Tagen des Hanseat auch mal live erleben möchte, erhält im nächsten Jahr die Chance. Am 28. Februar kommt Keimzeit für ein Konzert ins Hanseat. Wenzel und Band besucht den Club am 7. März.