Salzwedel l Die altmärkischen Freien Wähler sehen sich nach dem Listenparteitag in Stendal zu Unrecht angegriffen. Sechs Kreisvorsitzende wollen gegen die Ergebnisse und die Veranstaltung an sich Rechtsmittel einlegen. Der Kreisvorsitzende der Freien Wähler Altmark Nils Krümmel (Listenplatz 4) räumt einer möglichen Klage keine Aussicht auf Erfolg ein. „Das ist ein letztes Aufbäumen“, sagt er.

Schon im Vorfeld hatte es vornehmlich aus dem Süden Widerstand gegen den Präsenzparteitag gegeben. „Wir sind dazu gesetzlich verpflichtet“, betont Krümmel. Die geforderten Bedingungen und Hygienemaßnahmen seien hundertprozentig eingehalten worden, die Listen korrekt und alle Fristen gewahrt, erklärt er.

Krümmel: "Reinigendes Gewitter"

Von den Widerständlern sei lediglich Jost Riecke aus Magdeburg anwesend gewesen. Alle anderen blieben fern und beschwerten sich nun über die Wahl der Liste für die Landtagswahl, das könne er nicht nachvollziehen. Genausowenig wie den Vorwurf, dass ehemaligen CDU-Mitgliedern der Vorzug gegeben worden seien. Das sei absurd. „40 Prozent unserer Mitglieder waren vorher in einer anderen Partei“, betont Krümmel. Das spiele für die Arbeit bei den Freien Wählern keine Rolle mehr. Nur bei der AfD gebe es dahingehend Bedenken.

Dass sich die Kontroverse mit dem Süden, negativ auf die Außenwirkung der Partei niederschlägt, befürchtet er nicht. „Das ist zwar nicht schön, was da abgeht, aber lieber jetzt als kurz vor den Wahlen. So ein reinigendes Gewitter können wir aushalten“, ist sich Krümmel sicher.

Auch Dirk Kuke aus Gardelegen (Listenplatz 12) glaubt nicht, dass derzeit „Chaostage“ bei den Freien Wählern herrschen. Der Parteitag selbst sei ebenfalls alles andere als chaotisch verlaufen. Er sei am Wochenende selbst dabeigewesen: „Alles war super organisiert“, niemand habe befürchten müssen, sich anzustecken.

Parteitag "unumgänglich"

Der Präsenzparteitag sei nun mal unumgänglich gewesen, um noch genügend Zeit zu haben, die notwendigen Unterschriften zu sammeln. Und wer nicht persönlich teilgenommen habe, könne jetzt auch nicht kritisieren: „Wenn ich nicht anreise, muss ich damit rechnen, dass ich nicht gewählt werde“, so Kuke.

Die Enttäuschung der Parteikollegen, die es nicht auf die vorderen Plätze schafften, sieht der Gardelegener Stadtrat skeptisch: „Es gibt Leute, für die ist es Herzenzsache, Politik zu machen.“ Gerade vor Landtags- oder Bundestagswahlen gebe es aber immer auch Kandidaten, die sagen: „Dann hab ich für vier, fünf Jahre ausgesorgt.“ Einige würden das Wahlergebnis deshalb danach auch anfechten. „Und dafür müssen die in die Öffentlichkeit gehen.“

Auch damit, dass einige Listenkandidaten vorher anderen Parteien angehörten, hat Kuke kein Problem: Er sehe die Landesliste auf keinen Fall „von der CDU gekapert“, wie andere seiner Parteikollegen. Es sei normal, dass man sich auch mal umorientiere. Nur wer ständig zwischen den Parteien hin- und herspringe, müsse damit rechnen, dass er sein Vertrauen beim Wähler verspiele.