Altmarkkreis l Sowohl in der freien Natur als auch im Garten finden sich nicht selten giftige Schönheiten. Gerade für Kinder können solche Pflanzen schnell lebensbedrohlich werden. Der Salzwedeler Botaniker Günter Brennenstuhl erklärt, auf welche Pflanzen in der Region geachtet werden sollte und warum.

Finger weg vom Fingerhut

Fingerhut

„Der Fingerhut ist in der Altmark nicht heimisch, kommt aber in unseren Wäldern vorübergehend vor“, so der Botaniker. Oftmals gelangt die Pflanze durch Gartenabfälle in den Wald, weshalb Brennenstuhl vom Verzehr dringend abrät. „Der Fingerhut ist sehr gefährlich.“ Der Wirkstoff befinde sich in den Blättern und Kinder könnten in Versuchung geraten, sich Teile der Pflanze in den Mund zu stecken. Noch heute werde der Fingerhut bei Herzschwäche als Arznei verwendet. Der Fingerhut enthält das hoch konzentrierte Gift Aconitin. Besonders gefährlich: Das Gift gelangt schon allein durch das bloße Anfassen durch die Haut in den Körper. „Daher Finger weg“, rät Günter Brennenstuhl.

Herbstzeitlose

Dabei handle es sich um ein heimisches Gewächs, welches gerade im Harz sehr verbreitet sei und in der Altmark zumeist als Zierpflanze vorkomme. „Die Herbstzeitlose ist in den Gärten sehr verbreitet und vom Stängel bis zur Blüte giftig.“ Bei einem Gichtanfall komme die Pflanze medizinisch zum Einsatz.

Bilder

Von Blauhelmen und schädlicher Milch

Wolfsmilch

Hautreizungen und allergische Reaktionen kann der Verzehr von Wolfsmilch mit sich bringen. Das Gewächs ist mäßig giftig, für Kinder aber gefährlich. Die Pflanze ist zumeist in Gärten zu finden.

Eisenhut

„Der Eisenhut ist nicht in der Natur anzutreffen, aber als Zierpflanze in unseren Gärten.“ Das aber relativ selten. „Der lässt sich schlecht kultivieren.“ Trotzdem kommt er vor und es ist Vorsicht geboten: „Die Pflanze ist hochgiftig und kann zu Herzstillstand führen.“ Der Eisenhut sei meist blaublütig anzutreffen und habe eine helmartige Blüte: Daher der Name Hut.

Gefährliche Bäume und tödliche Trompeten

Eibe

„Die Eibe ist nicht heimisch, aber vielfach in der Altmark gepflanzt.“ Verwildert sei sie auch in den ortsnahen Wäldern zu finden. „Die Amseln verteilen die Samen.“ Das Gewächs ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Tiere wir Pferde gefährlich. Kinder könnten aufgrund der Frucht in Versuchung geraten, die Pflanze zu essen. Beim Schneiden der Pflanze als Hecke sollten daher Handschuhe getragen werden.

Engelstrompete

„Sie ist bei uns eine Zierpflanze und hat Verwandte mit gleichem oder ähnlichem Inhaltsstoff.“ Zu den engen Verwandten und als heimischer Vertreter zähle der Stechapfel. „Diesen habe ich vor Kurzem in Salzwedels Südbockhorn an der Straße gesehen.“ Die Pflanze sei aber Einjährig und daher schnell verschwunden. Die Blüte wird auch als Droge missbraucht und wurde früher als Räucherzeug bei Asthma angewandt, erklärt Günter Brennenstuhl. Vor dem Missbrauch rät der Botaniker eindringlich ab, die Pflanze ist sehr gefährlich. Schon der Verzehr eines daumengroßen Stücks der Pflanze kann tödlich enden.

Missverständnis mit bösem Ende

Rizinus

Mit der Pflanze hätten Attentäter schon versucht, Menschen zu töten, weiß der Botaniker. „Die Pflanze ist hochgefährlich, kleinste Mengen reichen schon aus.“ Günter Brennenstuhl räumt in dem Zusammenhang gleich mit dem bekannten Rizinusöl auf: „Darin ist kein Rizinus enthalten.“ Vielmehr enthalten die Samen der Pflanze das Nervengift Rizin. Atemlähmung und irreparable Nervenschäden seien die Folge des Verzehrs. Daher Kinder zwingend von der Pflanze fernhalten.

Schwarzer Nachtschatten

Dabei handele es sich um eine heimische Pflanze, welche auch als Ackerunkraut in Hackfrüchten auftrete. Die schwarzen Früchte seien mäßig gefährlich aber bei Kindern sei Obacht geboten.

Wenn Maiglöckchen nach Knoblauch riechen

Maiglöckchen

Vorsicht: Maiglöckchen können schnell mit Bärlauch verwechselt werden, beide wachsen im Frühjahr im Wald. In erster Linie ist der Unterschied am Knoblauchgeruch des Bärlauchs auszumachen. „Und natürlich an der Blüte, denn die des Maiglöckchens kennt so ziemlich jedes Kind“, sagt Günter Brennenstuhl. Maiglöckchen können beim Verzehr auch für Erwachsene gefährlich werden, der Verzehr führt zu Herzrhythmusstörungen.

Giftnotruf

Sollte ein Verdacht bei Ihnen oder Ihres Kindes auf Vergiftung bestehen, kann der Giftnotruf in Erfurt telefonisch 24 Stunden am Tag unter folgender Nummer erreicht werden: 0361/73 07 30