Ritze l Zwei Linden in Ritze am Ortsausgang nach Niedersachsen bieten einen traurigen Anblick. Aus Sicht Jörg Heimes aus Klein Cüden sind sie unsachgemäß und offenbar ohne Genehmigung gekappt worden. Da er über eine abgeschlossene forstwirtschaftliche Ausbildung verfügt und als Gärtner gearbeitet hat, wobei er dabei viel mit Baumpflege und -schnitt zu tun hatte, weiß er, wovon er spricht. Zudem arbeitet er in der Salzwedeler Initiative „Pro Baum“ mit.

„Diese beiden Linden brauchten 60 Jahre um so schön und groß zu werden wie sie waren. Sie haben viel Kohlendioxid aufgenommen und viel Sauerstoff produziert, und sie haben vielen Bienen und Insekten ihren Nektar geschenkt. 60 Jahre Baumwachstum mit der Kettensäge innerhalb von sechs Minuten zerstört“, sagt er bedauernd und verärgert.

Leider sei das kein Einzelfall. Immer wieder würden in Orten oder auch in der freien Landschaft Bäume derart verstümmelt, dass sie über kurz oder lang absterben. Zum Teil geschehe das mutwillig, zum Teil aus Unwissenheit.

Da diese Kappungen vor allem in Orten sehr häufig vorgenommen würden, geht er davon aus, dass dies auf ein hohes Wissensdefizit der Baumeigentümer aber auch der Verantwortlichen in Stadt und Gemeinden zurückzuführen ist. Wenn eine gesamte Krone, Teile davon oder große Äste stark eingekürzt werden, sei mit negativen Folgen zu rechnen. Vor allem, wenn die Verletzungen zu groß und die Bäume nicht fähig sind, die Wunden abzuschotten und zu verschließen. Dies gelte auch, wenn Teile des Stammes oder der Wurzeln geschädigt oder entfernt werden.

Auswirkungen auf Wurzeln

Bei Reduzierung eines großen Teils einer Krone müsse mit Auswirkungen auf die Wurzeln gerechnet werden, weil das Versorgungsgleichgewicht zwischen beiden nicht mehr stimme. An der Schnittstelle könne sich zudem Fäule ausbreiten, holzzersetzende Pilze dringen bis in das Holz ein und schädigten den Baum massiv. Zahlreiche sehr lange Neuaustriebe mit relativ großen Blättern bildeten sich aus, für den Wiederaufbau einer Krone. Dafür und für die Abschottung der entstandenen Verletzungen verbrauche der Baum hohe Energiereserven. Sterben gleichzeitig zur Kappung auch Wurzelmassen ab, verhungere der Baum.

Da dies bei den beiden Linden in Ritze zu befürchten ist, habe er sich an das Bauamt der Stadt gewandt. Dort sei ihm versprochen worden, dass sich um das Problem „gekümmert“ werde. Auf Anfrage der Volksstimme, teilt Stadtsprecher Andreas Köhler dazu mit: „Der Baumsachverständige der Hansestadt Salzwedel hat sich den Beschnitt angesehen. Demnach werden die Linden wieder austreiben, es sind keine Schäden feststellbar.“ Der Ritzer Ortsbürgermeister Detlef Korneck sei darüber ebenfalls informiert worden, erklärt Köhler.