Salzwedel l Für Thomas Koberstein ist das Vorkommen von Störchen ein wichtiger Indikator für eine intakte Umwelt im nahen Umfeld des jeweiligen Brutplatzes. „Der Storch bestimmt, wo er hin will. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt der Storchenbeauftragte für den nördlichen Altmarkkreis mit Blick auf das zurückliegende Jahr. Es war ein Jahr, das in Sachen Population und Bruterfolge als normal bezeichnet werden kann. Nach zwei schwierigen Storchensommern mit anhaltender Nässe (2017) und darauffolgender Hitze und Trockenheit (2018) eine gute Nachricht.

Koberstein ist für sein Ehrenamt von März bis September im Dauereinsatz. Täglich fährt er dann seine Runden zwischen Höwisch und Hohenböddenstedt sowie Hoyersburg und Saalfeld. Alle Nistplätze werden mindestens einmal pro Woche in Augenschein genommen. So kann Thomas Koberstein genau erfassen, wie viele Paare Bruterfolge verzeichnen, oder wo ein Horst nicht angenommen wird, weil das Nahrungsangebot nicht ausreicht.

Für 2019 waren die günstigen Faktoren in der Überzahl. „Die Jungen sind geschlüpft, als Erstnahrung da war“, berichtet Koberstein. Erstnahrung waren in diesem Jahr nicht die Regenwürmer – da machte sich die Trockenheit wieder bemerkbar – sondern zumeist Heuschrecken. „Die Jungvögel waren also über die ersten Lebenstage gut versorgt“, weiß der Experte. Später gab es genügend Mäuse, eher weniger Amphibien, um die Jungtiere zu versorgen. Das Nahrungsangebot war ausreichend.

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Rückkehr zur Normalität

Bis spätestens im September konnten sich 39 Jungstörche auf den Weg in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika machen. 20 Brutpaare gab es insgesamt im nördlichen Altmarkkreis, fünf davon hatten allerdings keinen abschließenden Bruterfolg. Das die Zahlen eine Rückkehr zur Normalität bedeuten, kann Koberstein mit Blick auf die Vorjahre deutlich machen. 2017 gab es bei 21 Brutpaaren 24 flügge Jungtiere, 2018 waren es 20 Brutpaare mit 25 Jungtieren, die erfolgreich aufgezogen werden konnten.

Allerdings gab es in diesem Jahr auch traurige Momente. In Vissum verendeten zwei Jungtiere aufgrund von Kälte und Nässe im April. In Tylsen kam dem Storch seine langjährige Partnerin abhanden. „Dann hat er lange getrauert und wollte so schnell keine neue Gefährtin annehmen“, erzählt Thomas Koberstein. Als das Männchen dann doch für eine Partnerin bereit war, war es zu spät für eine Brut.

Auf der anderen Seite kann der Beauftragte allerdings jede Menge schöne Geschichten erzählen. So hatte eine 23 (!) Jahre alte Störchin in Henningen wieder drei Jungtiere durchgebracht. „Sie hat eine gute Brutroutine und behält auch in Krisenzeiten die Übersicht“, weiß Koberstein.

Polnischer Besuch

In Bonese interessiert sich seit zwei Jahren ein polnischer Ringstorch mit seiner Partnerin für ein Nest. Einen Brut- erfolg gab es noch nicht. „Wir hoffen, dass es mit Unterstützung der Gemeinde vielleicht im kommenden Jahr gelingt“, sagt der Storchenbeauftragte, der weiß, dass die Tiere in den jeweiligen Dörfern auch angenommen werden müssen.

Was gehört dazu, dass sich ein Storch in einem Ort niederlässt? „Ein Nest reicht einfach nicht“, nimmt Thomas Koberstein vielen Menschen den Wind aus den Segeln, die bei ihm nach einem Nestbau für ihren Ort anfragen. Vier wichtige Faktoren nennt der Experte. So müssen in der Nähe des Nestes Feuchtwiesen mit einem entsprechenden Nahrungsangebot zu finden sein. Dann dürfen die Horste der Störche nicht zu nah beieinander liegen. „Sonst gibt es Stress bei der Konkurrenz um das Nahrungsangebot“, betont der Tierfreund.

Zudem dürfen die landwirtschaftlichen Flächen im Umfeld nicht nur aus Monokulturen bestehen. „Die mag der Storch nicht.“ Und: Es müssen Oberflächengewässer, kleine Seen und Gräben, vorhanden sein. „Wir müssen das Wasser in der Fläche halten“, blickt Koberstein mit Sorge auf einige Entwicklungen der vergangenen Jahre. So berichtet der Experte von einer guten Population in der Jeetzeniederung, eher zurückgehenden Zahlen im Bereich der Dumme.

„Es ist ein Schnitt, mit dem man gut leben kann“, bilanziert Koberstein abschließend und er hofft, dass sich schwierige Jahre wie 2017 und 2018 nicht zu schnell wieder holen.