Banken

Negativzinsen im Altmarkkreis Salzwedel noch kein Thema

Trotz höherer Kontostände müssen Privatkunden im Altmarkkreis Salzwedel derzeit noch nicht mit Strafzinsen rechnen. Dies ergab eine Nachfrage der Volksstimme bei drei regionalen Kreditinstituten. Zugenommen hat offensichtlich die Nachfrage nach sicheren Geldanlagen.

Von Gesine Biermann und Antje Mewes
Die Westaltmärker in der Pandemiezeit haben mehr Geld auf der „hohen Kante".
Die Westaltmärker in der Pandemiezeit haben mehr Geld auf der „hohen Kante". Foto: dpa

Salzwedel - Die Läden zu, Reisen nicht möglich, und für Mitarbeiter im Homeoffice halten sich auch die Ausgaben für Benzin und Diesel in Grenzen: Viele Arbeitnehmer sparen derzeit ungewollt und unerwartet einen großen Teil ihres Monatsbudgets. Und so wächst der Kontostand – sicher zur Freude von so manchem Bürger, weniger indes für die Banken.

Denn die müssen für hohe Geldeinlagen bei der Europäischen Zentralbank Negativzinsen zahlen, und einige Kreditinstitute geben diese als Verwahrgeld, sogenannte Strafzinsen, an ihre Kunden weiter.

Und die berechnet auch die Volksbank Uelzen-Salzwedel- allerdings nur den Geschäftskunden, betont Nico Neumann, Leiter des Vertriebsmanagements. Zudem würden diese auch erst erhoben, wenn die Einlagen über 100.000 Euro betragen. Im Privatkundenbereich sei das zur Zeit nicht angebracht. Und auch eine Anhebung der Kontoführungsgebühren sei trotz der gestiegenen Kosten nicht erfolgt, betont er auf Volksstimme-Nachfrage. Bestätigen kann er allerdings, dass auch die Kunden der Volksbank Uelzen-Salzwedel derzeit mehr Geld auf dem Konto haben.

Sensibles Thema

Und so gebe es aktuell auch mehr Nachfragen nach Anlagemodellen. Neben der Investition in Edelmetall – „Für 95 Prozent der Kunden bedeutet das Gold“ – interessieren sich die Westaltmärker derzeit besonders für nachhaltige Anlageprodukte. Heißt: Die Umwelt liegt vielen am Herzen, wenn sie ihr Geld schon in Aktien investieren würden, sollten es auch umweltfreundliche Unternehmen sein.

Neumann rät Bankkunden, die Aktien kaufen möchten, in jedem Fall zu einer umfangreichen Beratung: „Das ist ein extrem sensibles Thema.“

Übrigens würden die meisten Kunden ihrer Heimatbank vertrauen, weiß Neumann. Denn nur sehr wenige hätten Geld abgehoben, um es zum Beispiel im Ausland anzulegen, wo es unter Umständen noch Guthabenzinsen gibt.

Dass die Westaltmärker mehr Geld auf der sprichwörtlichen „hohen Kante“ haben, bestätigt Gabriela Arnold von der Sparkasse Altmark West. Das Einlagenvolumen der Bank stieg um 8,4 Prozent – das sind 73,8 Millionen Euro mehr auf 953,4 Millionen Euro. Die Kunden bevorzugten wie in den Vorjahren die kurzfristig verfügbaren Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Ihr Umfang stieg 2020 um 16,8 Prozent auf 560,5 Millionen Euro. Die Spareinlagen mit normaler Verzinsung wuchsen lediglich um 0,3 Millionen Euro, erklärt sie. „Die Altmärker haben ihre Chancen beim Handel mit Wertpapieren inzwischen erkannt“, erklärt sie weiter. Die Anlagewerte der Kunden im abgelaufenen Geschäftsjahr seien um gut zehn Prozent gestiegen. Der Nettoabsatz von Wertpapieranlagen habe sich um gut zwei Millionen Euro erhöht.

Gebühren unverändert

Trotz eines um 0,7 Prozent gesunkenen Betriebsergebnisses und der aktuellen Geldpolitik mit Markt- und Negativzinsen seien Verwahrentgelte bei der Sparkasse Altmark West die Ausnahme. Die Bank berechne sie nur gewerblichen Unternehmen unter Berücksichtigung eines Freibetrages von 250.000 Euro. Betroffen seien Geschäftsgirokonten und gewerbliche Tagesgelder.

Die Sparkasse hat ihre Kontoführungsgebühren in der Pandemiezeit nicht verändert, erklärt Arnold. In Sachen Geldanlage und in Sachen Sparen empfiehlt sie einen individuellen Finanzcheck bei ihrem Berater, der auf die jeweilige persönliche Situation des Kunden eingehe.

Die Spar- und Girokonten der Bank VR PLUS Altmark-Wendland weisen ebenfalls höhere Beträge aus als vor der Pandemie. Daraus ergeben sich seitens der Kunden derzeit mehr Nachfragen zu Geldanlagen. Die Berater gingen aktiv auf die Kunden zu, denn Geld auf Sparkonten und ähnlichem seien am Ende des Tages aufgrund der Inflation weniger wert als vorher. Geldanlagen und Sparen seien sehr individuell, deshalb sei eine persönliche Beratung eine bessere Investition in die eigene Zukunft, als Geld ins Ausland zu transferieren oder zu Hause im „Sparstrumpf“ zu lagern. „Vom Thema Sicherheit eines Sparstrumpfes einmal abgesehen, ist dies natürlich auch mit Blick auf Zinsen und Rendite keine echte Alternative“, betont Janaye Reinecke von der VR Plus.

Individuelle Lösungen

Was die Verwahrentgelte anbelange, setzte die Bank im gewerblichen Bereich auf individuelle Lösungen, etwa Geld in verschiedenen Anlagealternativen sinnvoller anzulegen, um Strafzinsen zu umgehen. Im privaten Sektor würden sie nicht erhoben und die Kontoführungsgebühren seien nicht erhöht worden. „Wir tun alles, um dies möglichst so aufrecht erhalten zu können“, so Janaye Reinecke.