Local Heroes

Newcomer auf der großen TV-Bühne

Ein Ausfall ist keine Option: Das Local Heroes-Bundesfinale gibt es im Corona-Jahr 2020 als spektakuläre TV-Aufzeichnung.

05.12.2020, 00:00

Salzwedel/Magdeburg l 2020 war für lokale Newcomer-Bands nicht einfach. Corona-bedingt betraten sie selten eine Bühne, konnten nur schwer an ihrer Karriere feilen. Nun bietet Local Heroes sieben Gruppen eine einmalige Chance.

Eigentlich war das Ziel für 2020 klar formuliert: „Wir wollten Bands aus allen 16 Bundesländern dabei haben“, berichtet Julia Wartmann im Proberaum vom Verein Aktion Musik/Local Heroes in Salzwedel. Doch nach und nach wurde im Corona-Jahr klar: 2020 wird es keinen krönenden Abschluss des jährlichen Wettbewerbs für Nachwuchsbands mit dem Bundesfinale im Salzwedeler Kulturhaus geben. Keine Busse voller Fans auf dem Parkplatz, keine verschwitzten Rampensäue auf der Bühne, kein Zittern vor Aufregung im Backstage-Bereich.

Doch mit einer großen Portion Optimismus, etwas Mut für die Entwicklung eines neuen Formats und viel Kreativität stellten die Local-Heroes-Macher um Geschäftsführerin Julia Wartmann etwas auf die Beine, was sie sich im Vorjahr - als in einer Marathonshow 15 Bands die Kulturhausbühne enterten - wahrscheinlich noch nicht vorstellen konnten. Ein Bundesfinale als TV-Event, das kaum Wünsche offen lässt.

Von den stressigen vergangenen Wochen und Monaten ist der Local Heroes-Chefin im Gespräch erstaunlicherweise wenig anzumerken. Mit großer Faszination für das Erreichte spricht Wartmann von dem, was Zuschauer und Zuhörer nun bald erwarten dürfen. Zwar kein Headbangen oder Mosh-Pit der Fans vor der Kulturhausbühne, aber stattdessen professionell aufgezeichnete Live-Gigs und Hintergrundinfos zu allen Bands. „Wir haben sieben Tage produziert und da stecken mehrere Monate Arbeit drin“, berichtet Julia Wartmann.

Immerhin sieben Newcomer konnten sich über unterschiedliche Wege für das Finale qualifizieren. Allein die Bands aus Brandenburg und aus dem Saarland schafften den Sprung ins Finale noch vor dem ersten Lockdown bei Liveshows in ihren Bundesländern. Die übrigen Landesausscheide liefen online ab.

Die facettenreiche Bundesfinalshow bietet nun im Fernsehformat von 90 Minuten also das Beste aller Bands auf der Bühne, dazu Interviews und natürlich auch einen Special Guest. Vorjahressieger Me on Monday waren am Set.

Gedreht wurde im November in der Insel der Jugend in Magdeburg. Die Newcomerbands reisten nacheinander an, hatten Zeit ihr Musikvideo zu drehen und sich dabei auch „Take für Take zu verbessern“. Dazu gab es professionelle Coachings für alle Teilnehmer.

Coachings? Was wollten die Nachwuchs-Bands dabei lernen? „Wie finde ich Kontakte im Musik-Business oder was genau ist die Gema?“, berichtet Julia Wartmann, dass die Bands besonders bei Grundlagen zum Start einer möglichen Karriere Fragen hatten. Hinzu kam ein Fernseh-Interviewtraining. Dabei stand den Newcomern der X-Factor-Gewinner David Pfeffer zur Seite. „Diese Förderhintergründe machen Local Heroes aus“, betont Wartmann.

Bei den Dreharbeiten in Magdeburg wurde allen Beteiligten aber auch ein Manko schmerzhaft bewusst. „Es ist etwas passiert, was völlig gegen unsere Philosphie spricht“, erklärt Wartmann. „Die Bands haben sich untereinander nicht getroffen. Der interessanteste Ort, das Backstage, war diesmal still. Dieses Bild steht sehr für die Zeit.“

Doch das Local Heroes-Team lässt die negativen Aspekte nicht in den Vordergrund treten. So betont Julia Wartmann im Volksstimme-Gespräch noch einmal die Vorteile des Showformats in diesem Jahr. „Wir konnten die Newcomer wie große Bands darstellen“, meint die Geschäftsführerin.

Wer nun deutschlands beste Nachwuchsband geworden ist, gibt Wartmann natürlich noch nicht preis. Es war wohl keine leichte Aufgabe für die prominent besetzte Jury, lässt sich erahnen. Der Zuschauer erfährt den Preisträger erst am Ende der Aufzeichung. In der Jury saßen wieder deutschlandweit bekannte Namen: Ole Specht und Sophia Poppensieker, Team Tonbandgerät, Niklas Hardt und Theo Fotiadis vom Team Bosse, Felix Mannherz und David Pfeffer (Bandcoaches), Michael „Elvis“ Schulze (Sound) sowie Christoph Eisenmenger (Video).

Eine besonders wichtige Frage muss aktuell aber noch geklärt werden: Wo ist die Local Heroes-Show 2020 zusehen? „Wir sind derzeit auf der Suche nach einem Medienpartner?“, berichtet Julia Wartmann, dass der Wunsch bestehe, das Event nicht „nur“ auf Youtube im Internet auszustrahlen. Der Wunsch wären die öffentlich-rechtlichen Medien, vielleicht im Rahmen eines Musikmagazins. Auch hier überwiegt der Optimismus, den richtigen Partner zu finden.

Und nach dieser Aufgabe blicken die Local Heroes-Macher schon nach vorn: „2020 feiern wir die 30. Auflage.“

Video

Wie es dem Verein Aktion Musik/Local Heroes 2020 ergangen ist? Welche Konzepte im Corona-Jahr nötig wurden und vieles mehr gibt es auch in einem Video von Videojournalistin Samantha Günther.