Salzwedel l Vor 65 Jahren rollte der einmillionste Volkswagen Typ Käfer vom Band. Und er rollte und rollte. Nur sieben Jahre später sind es schon fünf Millionen und wiederum fünf Jahre darauf erreichte die Produktion die stattliche Anzahl von zehn Millionen Autos dieses Typs. Am 19. Januar 1978 endete in Deutschland die Produktion mit Käfernummer 16 255 500. Nur in Mexiko wurde weiter produziert. Noch bis 2003, dann wird auch dort die Produktion eingestellt. Bis 2003 waren es insgesamt rund 21,5 Millionen Volkswagen des Typs Käfer, die in den Werken in Deutschland sowie in vielen Teilen der Welt wie in den USA, Südafrika, Brasilien und Mexiko die Fließbänder verließen. Ein Fahrzeug, das den Verkaufsschlager Ford T vom ersten Platz der weltweit meistverkauften Autos verdrängte.

Was machte den Kraftwagen so erfolgreich? Es war in erster Linie der Preis, aber auch seine Form und seine technische Entwicklungsgeschichte, denn ständig wurden an dem Käfer Veränderungen vorgenommen, die den Fahrkomfort verbesserten. Auch wenn das Fahrzeug aufgrund seiner Leistung, den Abgaswerten und dem Komfort Konkurrenten weichen musste und seine Produktion eingestellt wurde, hat sich der Käferkult bis heute behaupten können.

Knuddeliger Zweitürer

Zwei bekennende Käferliebhaber sind der Salzwedeler Marco Scholz und der Wistedter Matthias Jürges. Wir treffen sie in ihrer Werkstatt, die sie in einem ehemaligen Dorfkonsum eingerichtet haben. Schon sehr früh hatten sie ihre Leidenschaft für den knuddeligen Zweitürer mit Vierzylinder-Boxermotor und Heckantrieb für sich entdeckt. Marko Scholz kann sich noch gut an seinen ersten Kontakt mit dem kultigen Auto erinnern. „Es war mein erster Schultag. Meine Lehrerin, Frau Neumann, fuhr an diesem Tag mit ihrem VW-Käfer vor der Schule vor“, berichtet er „und ich war hin und weg. So ein Fahrzeug wollte ich auch einmal besitzen“, fügt er hinzu.

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Doch er musste sich gedulden. Erst 15 Jahre später, die DDR war mittlerweile Geschichte und es gab zu kaufen was einem gefiel, konnte er sich seinen Traum erfüllen. Aber es war ein Schrottkauf, musste er sich eingestehen. Während seiner Zivildienstzeit habe er jede freie Minute genutzt, um den Käfer zu restaurieren und wieder straßentauglich zu machen. Auch Matthias Jürges wurde von der Käferfaszination ergriffen.

Kultauto bereits vor 1989

Kumpels von ihm hatten schon vor 1989 je einen Käfer besessen und als die Wende kam, griff auch er zu und konnte sich glücklich in die Reihe der Käferbesitzer einreihen. Der Kult um das Fahrzeug bewog den Freundeskreis, eine altmärkische Interessengemeinschaft zu gründen.

Uwe Schneider aus Lichterfelde, Christian Kramer aus Bonese, Dirk Meyer aus Wallstawe, Matthias Jürges aus Wistedt und Marko Scholz aus Salzwedel gründeten die Käferfreunde Altmark IG. Eine Gemeinschaft, die einen Kult pflegen wollte. Und das nicht nur in technischer Hinsicht. Sie wollten sich auch mit Gleichgesinnten treffen und austauschen. Bereits 1992 organisierten sie das erste Käfertreffen im Salzwedeler Reitstadion am Gerstedter Weg, zu dem rund 120 Fahrzeuge anreisten. Vier weitere Jahre sollten folgen. „Doch dann wurde die Fläche für einen Hallenneubau benötigt und wir mussten weichen“, erinnert sich Marko Scholz. Nächste Station war der Sportplatz in Kuhfelde, auf dem sie mehrere Käfer- und Oldtimertreffen organisierten. Und zuletzt trafen sich die Käfer-Enthusiasten im Ferienlager in Zichtau.

So wie sie von anderen Käfer-Fans besucht wurden, so besuchten sie auch deren Veranstaltungen. Es standen gemeinsame Fahrten zu Käfertreffen in Hannover, Paderborn, Geesthacht, Waren und Dresden auf dem Terminplan. Dazu wurden Reisen nach Ungarn, den Niederlanden, an die Ostsee, nach Wien oder Österreich unternommen. Der Käfer war zwar spartanisch ausgestattet, aber zuverlässig, sind sich Marko Scholz und Matthias Jürges, der sich mit seinem Käfer 1992 bis nach Geiranger und 1995 bis nach Trondheim, beide Orte im Norwegen liegend, wagte, einig.

Tempo 120

Die Fahrzeuge sind standardmäßig mit einem 34 PS-Motor mit 1,2 Liter Hubraum ausgestattet. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei maximal 120 Kilometer pro Stunde. Als Klimaanlage in den heißen Sommermonaten können lediglich die Ausstellfenster genutzt werden und in der kalten Jahreszeit heißt es die Zähne zusammenbeißen. Denn der Heckmotor bringt nur wenig Wärme in den Fahrgastraum. Ein Grund für Matthias Jürges, sein Fahrzeug nur in der wärmeren Jahreszeit zu nutzen. Aber ansonsten nutze er seinen Käfer Baujahr 1973 zu Fahrten zur Arbeit und auch zu privaten Ausflügen.

Ein zuverlässiges Auto, das ihn noch nicht im Stich gelassen hatte. Auch Marko Scholz kann seinem Liebling nichts Negatives nachsagen. Einmal habe während eines Urlaubs in Ungarn der Motor den Geist aufgegeben. Vielleicht war ein falsches Öl die Ursache, mutmaßt er. Freunde, die hinterhergereist waren, hatten einen Ersatzmotor im Kofferraum mitgebracht und so war der Urlaub gerettet. Apropos Urlaub, da stellen sich bei den Beiden einige Fragen. Gerade mit der Eroberung des Südens, als Urlaubsgebiet in den 1960er Jahren, fragen sich die Käferfreunde, wie es manchmal vierköpfige Familien geschafft haben, sich und das Urlaubsgepäck in das südliche Italien zu transportieren und verweisen auf einen Kofferraum im Frontbereich, der vielleicht gerade einmal eine Kiste Bier fasst.

Im nächsten Jahr will die Käferfreunde Altmark IG, die zurzeit noch aus zwei von einst zwanzig Mitgliedern besteht, anlässlich des 30. Geburtstags ehemalige Mitglieder motivieren, gemeinsam dieses Ereignis zu feiern. „Wir hoffen, dass wir uns dann alle noch einmal treffen können.“

Generell werden Oldtimer im Altmarkkreis Salzwedel und andernsorts immer beliebter.