Salzwedel l Der Online-Musikunterricht funktioniere nicht, bemängelte der Instrumentallehrer der Kreismusikschule, Friedrich Großnick, am 8. April in der Volksstimme. Zum einen würden Schüler dieses Angebot nicht wirklich annehmen, zum anderen hapere es an der Umsetzung.

Genau das bestreitet sein Kollege Gunar Lauenroth vehement. Er unterrichte seine Schützlinge täglich am Bildschirm. „Das funktioniert gut. Ich kann dadurch beispielsweise sehen, ob ein Gitarrenschüler falsch sitzt oder ein Keyboard auf falsche Höhe eingestellt war.“ Der Onlineunterricht habe sogar positive Effekte, wie Lauenroth feststellt. Nicht nur das. Mittlerweile würden einige seiner Schüler – gerade wenn sie nicht unmittelbar in oder um Salzwedel wohnen – fragen, ob der Unterricht am Bildschirm fortgesetzt werden könne, wenn die Musikschule wieder regulär ihre Pforten öffnet. „Es etabliert sich“, schätzt der erfahrende Musiklehrer ein, der seit 1986 Unterricht in der Hansestadt gibt.

Tipps per Smartphone

Das Gunar Lauenroth damit nicht unrecht hat, bestätigen auch seine Schüler und deren Eltern. „Das macht Spaß und es funktioniert gut“, sagt zum Beispiel der 10-jährige Felix Neitzel, auch wenn er den Unterricht in der Musikschule vorziehen würde. Trotzdem: Der Unterricht über eine Videoplattform auf seinem Smartphone sei eine tolle Alternative. Ähnliche Töne kommen von weiteren Eltern. „Wir sind froh, dass die Musikschule, beziehungsweise Herr Lauenroth, uns die Möglichkeit bieten, Onlineunterricht wahrnehmen zu können“, meint Maren Könnig, Mutter von Thees Könnig (7). Einerseits gehe somit der Unterricht weiter und andererseits sei es eine schöne Abwechslung in dem zur Zeit sehr reduzierten und eingeschränkten Alltag. „Thees hat viel Freude“, bestätigt die Mutter.

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Auch andere Eltern sprechen davon, dass so der Alltag ihrer Kinder während der Corona-Pandemie Struktur bekomme. Und das würden mehr als 50 Prozent der 938 Musikschüler so sehen, wie Lauenroth erklärt, denn so viele hätten die Einverständnis auf Onlineunterricht erteilt. Dies stehe dem entgegen, was sein Kollege Friedrich Großnick sagte.

Für Musikgruppen nicht geeignet

Völlig problemlos gestalte sich der Unterricht aber trotzdem nicht, so Gunar Lauenroth. Denn für Anfänger sei diese Form des Unterrichts nicht geeignet, ebenso wenig für Musikgruppen. „Außerdem ist es online viel anstrengender“, gibt er zu, gerade was die Vor- und Nachbereitung mit der Technik angehe. Schlussendlich könnte der Unterricht am 4. Mai wieder in die Räume der Musikschule verlagert werden. Denn wie Bildungsminister Tullner gestern einem Radiosender sagte, werde dazu am 2. Mai in einer Kabinettssitzung beraten.

Noch aber würden alle hauptamtlichen Dozenten Onlineunterricht geben, so Lauenroth, dazu noch 20 von 28 Honorarlehrern. Nur jene Instrumentallehrer, die nur einmal in der Woche unterrichten und auf das Geld nicht angewiesen seien, da sie bereits im gesetzteren Alter seien und ihre Rente bekämen, würden diese Möglichkeit nicht nutzen. Und zu eben jener Gruppe zählt Gunar Lauenroth auch seinen Kollegen Friedrich Großnick.

Schwierige Zeiten

Dass es für die Honorarlehrer derzeit besonders schwierige Zeiten sind, sieht auch der fest angestellte Lauenroth so. „Das betrifft ja alle Kulturschaffenden.“ Und für jene der Honorarkräfte, die noch Kinder im Haus haben und derzeit schwer über die Runden kommen, würde Gunar Lauenroth auch „sammeln“. „Ich persönlich und alle Hauptamtlichen sind solidarisch zu den Honorkräften.“ Diese würden ihnen sehr leid tun. Kritik übt Friedrich Großnick an den vom Altmarkkreis herausgegebenen Verträgen für die Honorarlehrer. Dass diese wohl nicht adäquat bezahlt würden, ließ unlängst Musikschulchef Falk Kindermann in einer Sitzung des Ausschusses für Kultur durchblicken. Er müsse sein Personal verjüngen und dazu gehöre auch das Honorar an übliche Sätze anzupassen.

Mit einer aufmunternden Mail hatte sich Kindermann vor kurzem auch an seine Honorarkräfte gewandt: Er sei „stolz auf Sie alle, wie Sie sich in kurzer Zeit mit den digitalen Voraussetzungen für diesen Unterricht befasst und eingearbeitet haben“, betonte der Musikschulchef. Es gäbe Kollegen, die lägen sogar bei 100 Prozent.