Barnebeck l Seit knapp 15 Jahren engagiert sich Holger Schmidt in Henningen lokalpolitisch. Erst im Gemeinderat, nach der Gemeindegebietsreform im Jahre 2010 im Ortschaftsrat. Doch so einen Andrang zu einer Sitzung habe er noch nie erlebt, stellte der interimsmäßige Ortsbürgermeister am Dienstagabend fest. Es hatten sich so viele Einwohner der sieben Dörfer auf den Weg gemacht, dass die Zusammenkunft kurzerhand vom Feuerwehrgerätehaus ins größere Dorfgemeinschaftshaus verlegt werden musste.

Nach einer intensiven, aber sachlich geführten Diskussion stand am Ende die Entscheidung, den aus sieben Dörfern bestehenden Ortsteil zu dritteln. Der Ortschaftsrat stimmte einstimmig dafür. Die wichtigsten Fragen und Ergebnisse werden hier noch mal im Detail erklärt.

1. Warum wurde abgestimmt?

Nachdem die langjährige Ortsbügermeisterin Christel Schneppel – sie hatte das Amt 37 Jahre inne – im August zurückgetreten war, stellte sich die Frage der Nachfolge. Ihr Stellvertreter Holger Schmidt steht nur bis zur Kommunalwahl im Mai 2019 kommissarisch zur Verfügung. Weil auch die übrigen Räte kein Interesse am Amt zeigten und sich darüber hinaus kein Bürger vorstellen konnte, nach dem Mai 2019 in Christel Schneppels Fußstapfen zu treten, drohte die Auflösung des Ortschaftsrates und damit der Wegfall der einzigen verbliebenen Interessenvertretung. Im Zuge dieser Diskussion wurde die Größe der Ortschaft als Problem ausgemacht. Eine Trennung mit der Schaffung mehrerer Ortschaftsräte , so die Idee, würde das Interesse am Amt und Gremium wieder steigen lassen.

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2. Wie sieht die neue Struktur aus?

Während Henningen und Barnebeck in Zukunft unter sich bleiben, schließen sich Andorf, Rockenthin, Hestedt und Klein und Groß Grabenstedt zusammen. Die Grenzen verlaufen entlang der Gemarkungen. Die 600 Einwohner werden einigermaßen gleichmäßig auf die drei Ortschaften verteilt.

3. Was verspricht man sich davon?

In erster Linie mehr bürgerschaftliches Engagement und den Erhalt der Interessenvertretungen vor Ort. In kleineren Einheiten werden sich wieder mehr Menschen beteiligen. Die Probleme der Dörfer können besser adressiert werden, so das Kalkül. „Statt derzeit fünf Mitgliedern in einem Ortschaftsrat hätten wir dann 15 in drei“, brachte es Holger Schmidt auf eine griffige Formel. Finanziell wird die neue Struktur zumindest in geringem Maße Vorteile bringen. Jede Ortschaft erhält pro Einwohner nun separat drei Euro aus der Stadtkasse.

4. Wie reagierten die Einwohner?

Im Vorfeld der Ortschaftsratssitzung hatten Versammlungen in den Dörfern stattgefunden, in denen über den möglicherweise bevorstehenden Einschnitt informiert wurde. Dennoch deuteten einige Teilnehmer an, von der Entwicklung überrascht worden zu sein. Tenor der Kritik: Der amtierende Ortschaftsrat würde ohne Mandat der Einwohner Fakten schaffen. Die Ortschaftsratsmitglieder wiesen diesen Vorwurf vehement zurück und verwiesen auf den Rücktritt von Christel Schneppel, der die Situation ohne Vorwarnung herbeigeführt hatte. Sie seien von der Entwicklung nicht weniger überrascht worden, hätten dann aber nach einer möglichst konstruktiven Lösung gesucht. Nach einem transparenten Meinungsaustausch konnten sie auch die kritischen Einwohner von ihrer Idee der Aufteilung überzeugen.

5. Wie geht es jetzt weiter?

Formal darf der Ortschaftsrat nicht alleine über die neue Struktur entscheiden, sondern einzig eine Empfehlung an den Salzwedeler Stadtrat abgeben. Ihm obliegt es, über das Ansinnen zu befinden, weil es mit einer Änderung der Hauptsatzung der Hansestadt einhergeht.

Es ist aber davon auszugehen, dass die Stadträte dem Vorschlag folgen werden. Anschließend muss die Kommunalaufsicht ihr Okay geben. Der letzte Schritt ist die Veröffentlichung des Beschlusses im Amtsblatt. Erst dann ist alles in trockenen Tüchern und juristisch wasserdicht. Allerdings drängt die Zeit. Auf Grund der Kommunalwahl im nächsten Jahr muss bis Ende des Jahres feststehen, wo überall Ortschaftsräte gewählt werden. Daher wird der Stadtrat wohl bereits im Oktober über das Ansinnen entscheiden.