Salzwedel l Die Paradiesfrucht GmbH in Salzwedel ist aus wirtschaftlicher Sicht ein Vorzeigebeispiel für anhaltendes Wachstum im Altmarkkreis Salzwedel. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Gefriertrocknung von Früchten, beschäftigt mittlerweile 225 Mitarbeiter (Stand März 2018) und plant mit der Erweiterung durch den Standort Immekath, die Belegschaft auf mehr als 300 Beschäftigte zu erhöhen. Seit einigen Jahren verfolgt die NGG der Region Magdeburg das Ziel, für genau diesen Arbeitgeber einen Tarifvertrag abzuschließen. Nun kam es zum Streit zwischen Geschäftsführung und den Arbeitnehmervertretern.

„Der Geschäftsführer hat versucht die Betriebsratssitzung nicht stattfinden zu lassen“, behaupten Holger Willem und Thomas Gawron von der NGG am Freitagmorgen, 19. Oktober, kurz vor der Zusammenkunft im Werk an der Bergener Straße. Zuvor habe es auch Ärger über die Teilnahme der beiden Gewerkschaftsvertreter gegeben. „Herr Wiesner hat uns ausdrücklich ausgeladen und gedroht, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen“, nimmt Holger Willem den Paradiesfrucht-Geschäftsführer Bernd Wiesner unter Beschuss.

Antwort aus der Geschäftsführung

Dieser lässt die Vorwürfe auf Nachfrage der Volksstimme nicht unkommentiert. „Ich habe zu keiner Zeit (unter Zeugen) versucht, eine rechtmäßig angesetzte Betriebsratssitzung zu behindern oder verhindern. Ich verstehe nicht, wie die Gewerkschaft dies behaupten kann! Die Gewerkschaft hat selbstverständlich das Recht an ordentlichen Betriebsratssitzungen teilzunehmen. Soweit die Gewerkschaft über ihren definierten Wirkungskreis (Rechtsprechung und Gesetz) agiert, kann die Gewerkschaft den Zutritt zum Betriebsgelände nicht erzwingen“, erklärt Wiesner schriftlich.

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Der Paradiesfrucht-Chef lässt allerdings die Frage zu möglichen Verhandlungen über einen Tarifvertrag unbeantwortet. Er betont aber: „Wir führen in der Regel jährlich eine Lohn-/Gehaltserhöhung durch. Die letzte lag im hohen einstelligen Prozentbereich.“

Genau beim Lohn-Niveau sehen die Gewerkschaftsvertreter wie auch ehemalige Mitarbeiter allerdings noch viel Luft nach oben. Im Werk wird nach Volksstimme-Informationen rund um die Uhr im Drei-Schicht-System gearbeitet. Dazu gehören auch körperlich schwere Tätigkeiten. „Die Beschäftigten vergleichen ihr Gehalt natürlich mit anderen Betrieben der Branche“, erklären die beiden NGG-Vertreter zu dieser Thematik.

Bisher keine Zusammenarbeit

Nach Angaben von Holger Willem seien mittlerweile weit mehr als 50 Prozent der Paradiesfrucht-Mitarbeiter in der Gewerkschaft. Eine Tatsache die den Vertretungsanspruch der NGG begründet. „Bisher hat es aber keine Zusammenarbeit gegeben“, antwortet Gewerkschaftssekretär Thomas Gawron auf die Frage, ob es bereits Gespräche mit der Salzwedeler Geschäftsführung über einen Tarifvertrag gegeben habe.

Weitere Vorwürfe der Gewerkschaft, wonach es zu häufigen Überstunden komme oder langfristig erkrankten Mitarbeitern unrechtmäßig gekündigt werde, konnten sich nach ersten Volksstimme-Recherchen nicht bestätigen. „Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht immer alle Mitarbeiter zufrieden sind“, erklärt Bernd Wiesner. „Am Ende sollte bedacht werden, dass der Fortbestand des Unternehmens in Salzwedel auch an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geknüpft ist“, meint der Unternehmenschef abschließend.