Salzwedel l Ein Patenkind – die Klasse 9a der Lessingschule hat sich dazu entschlossen, eine große Verantwortung zu übernehmen. Sie haben eine einjährige Patenschaft für den vierjährigen Mouhammed Fayé aus Malicounda im Senegal unterschrieben. Damit erhält der Junge ein Jahr Bildung, ärztliche Versorgung und Verpflegung. Kosten? – 50 Euro, die von der 9a mithilfe eines Kuchenbasars gesammelt wurden. Wenig Geld für uns, viel für ein Kind aus Afrika.

„Er soll die Möglichkeiten nutzen, um später ein besseres Leben zu haben“, wünscht sich Amir Moradi. Der 15-Jährige ist nur einer der 30 Schüler starken Klasse, die mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Die Jugendlichen erhalten dafür keine Note, keine besondere Urkunde, nur das gute Gewissen, einem Kind den Grundstein für seine Zukunft gelegt zu haben.

Patenkind sagt Danke

Den Grundstein für das Projekt legte Ute Moritz. Sie ist eine ehemalige Lehrerin der Lessingschule. Vor einigen Jahren zog es sie nach Frankreich. Seit zwei Jahren lebt sie im Senegal. In dieser Zeit kämpfte Ute Moritz um Fördermittel, um eine Grundschule zu errichten. Diese wurde Ende dieses Jahres eingeweiht und zählt 80 Schüler. Die Schule heißt „Case de Keur Thomas“, benannt nach ihrem Sohn, der bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Sie vermittelte den Kontakt zu Mouhammed.

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Der Vierjährige hat seinen Paten auch schon einen Brief „geschrieben“, mit Hilfe von Ute Moritz. Er verrät darin, dass seine Familie seit 60 Jahren in dem Dorf wohnt. Am liebsten spielt er Fußball mit seinen großen Geschwistern. Er mag den deutschen Fußball und ist Bayern-München-Fan. Tanzen und Singen gehören auch zu seinen Hobbys. Über eine Sache freut er sich riesig – er darf ein Jahr kostenlos zur Schule gehen. Dafür bedankt er sich bei seinen Paten und wartet gespannt auf eine Antwort.

Weihnachten auch im Senegal gefeiert

Und die Antwort kommt – in Form eines Päckchens. Gefüllt mit Buntstiften, Anspitzer, Luftballons, etwas, um Seifenblasen zu machen, Lollis und einem Klassenfoto der 9a. Alle Schüler haben auf dem Paket unterschrieben und hoffen, dass es noch pünktlich zu Weihnachten im Senegal ankommt. Die Kinder vor Ort sind durchaus mit dem Weihnachtsmann vertraut. Dieser hat sie nämlich schon besucht, verrät Ellen Strömer. Der 25. Dezember ist dort, wie bei uns, ein Feiertag und der christliche Teil der Bevölkerung (fünf Prozent) feiert Weihnachten nach französischem Vorbild, mit einem Mitternachtsessen, dem „Reveillon“, vom 24. auf den 25. Dezember. Aber auch der Rest der Bevölkerung nutzt den Tag, um gemeinsam mit der Familie zu essen und zu feiern. „Es ist atemberaubend“, freut sich Jonas Reinhardt über das Projekt mit seinen Klassenkameraden. Das Interesse scheint in der Schule überzuschwappen, denn der 15-Jährige wird die Herzenssache noch einer sechsten Klasse vorstellen.

Ellen Strömer hofft, dass sich solche Patenschaften von Klassen etablieren. Damit die Grundschule im Senegal möglichst lange bestehen bleibt, hat Ute Moritz vor Ort außerdem einen Förderverein gegründet. Zwar ist sie heute noch Schulleiterin, aber sie möchte den Erhalt der Bildungsstätte auch in Zukunft absichern. Eines ist aber gewiss – ein Jahr Schule, Ärzte und Verpflegung für Mouhammed Fayé.