Salzwedel l Die Zukunft sah schlecht aus. Zumindest für eine Stubenfliege, die sich am 3. Dezember beim Besuch von Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) im Laufe der Veranstaltung im Kampf um die eigene Zukunft über das Parkett der Comeniusschule in Salzwedel schleppte. Dass es der Altmark aber nicht so ergeht, versuchte der Minister bei seinem Besuch zu verdeutlichen. Mit reichlich Zahlenwerk und netten Worten.

Im Norden unbeachtet

„Ich habe gedacht, die begraben uns hier“, sagte Ute Lippstreu vom Veranstalter Urania zur Eröffnung und bezog sich damit auf den Slogan des Abends: „Altmark – Grüne Wie oder Grüne Wiese.“ Vom Wort Zukunft keine Spur. Denn genau darauf zielte die Veranstaltung ab: Wie sieht es dahingehend im Norden des Landes aus? Denn nicht wenige Altmärker fühlen sich von der Landesregierung unbeachtet, vernachlässigt oder abgehängt.

Dem versuchte der Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung mit Zahlen zu begegnen. Mit wenigen Arbeitslosen; mit Wirtschaftsförderung und Übernachtungsgästen. „Das hilft uns wenig“, grummelte ein Gast in den Zuschauerreihen. Dies lag wohl auch daran, dass die Beispiele von Willingmann beim Thema Ansiedlung weit weg von der Altmark sind, wie beispielsweise der Flughafen Cochstedt, der dem Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Drohnen-Testzentrum dient.

Infrastruktur

Doch gute Arbeitslosenzahlen hin oder her, „es ist schwierig Fachkräfte zu bekommen“, stellte DEBA-Chef Dietrich von Gruben klar. Auch einen Lösungsvorschlag hatte von Gruben im Gepäck: Eine bessere Infrastruktur. „Wenn man in einer Stunde nach Berlin kommt, gibt es keinen Grund mehr sich abgehängt zu fühlen“, so von Gruben, damit ließe sich der Landflucht etwas entgegensetzen. Ein Salzwedeler ergänzte, dass es mit dem Interregio-Express (IRE) der Bahn von Hamburg über Salzwedel nach Berlin zudem Probleme gebe. Der komme mal und dann wieder nicht.

„In Stendal ist das schon Realität“, sagte Armin Willingmann, dort komme man zügig in die Bundeshauptstadt. Das Problem mit dem IRE werde er Verkehrsminister Thomas Webel berichten.

Beim Thema Förderung der Musikschule sehen die Westaltmärker ebenfalls Nachholbedarf. Die Salzwedelerin Sabine Spangenberg bemängelte, dass der Kreis seit Jahren immer mehr zahle, während die Zuschüsse des Landes auf einem Level blieben. Diese führe zu prekären Arbeitsverhältnissen für die Dozenten. „Mir fällt aus dem Stand keine Lösung ein“, so der Minister.

Lehrermangel

Auch der Mangel an Lehrern brannte unter den Nägeln. „Wir erhöhen suggestiv die Zahl der Studenten“, erklärte Willingmann. Die erhofften Antworten, kluge Ideen und schnelle Hilfe, was sich manch Zuhörer erhoffte, blieben aus. So sehr sich der Minister auch mühte.

Am Ende der Veranstaltung, als sich die Stubenfliege auf dem Rücken liegend in ihren letzten Zügen befand, sprach Landrat Michael Ziche die wichtigste Nachricht des abends aus: „Wir hoffen auf die erste Großansiedlung“. Doch Nachfragen aus dem Publikum würgte er ab, schließlich sei es noch nicht in Sack und Tüten.

Armin Willingmann aber ließ sich noch entlocken, dass es sich dabei um ein bekanntes Unternehmen handle, welches Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich in die Region bringen könnte. Eine wichtiges und großes Signal für den Standort Altmark. „Vielleicht schon im Dezember oder Anfang Januar“, ließ der Wirtschaftsminister wissen. Noch aber heiße es, zu warten.

Der Fliege half das wenig, deren Zeit war abgelaufen. Und die Altmark? Die ist nicht abgehängt und habe Zukunft, stellte der Landrat mit Bezug auf das Anfangszitat von Ute Lippstreu klar. Und mit der möglichen Ansiedlung lieferte er schließlich den Beweis.