Klötze/Salzwedel l Arbeitslos zu sein kann krank machen. Zumindest ist es nicht gesund. Diese Erfahrung hat auch der Chef der Arbeitsagentur in Stendal Markus Nitsch gemacht, wie er am Mittwoch im Volksstimme-Gespräch erklärte. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Arbeitslose oder Empfänger von Hartz-IV-Leistungen ruhiger leben könnten, weil sie nicht zur Arbeit müssen, schadet gerade diese Zeit oft der Gesundheit, berichtete er. Sicherlich spiele der psychische Druck auf die Betroffenen eine große Rolle.

Das Jobcenter beteiligt sich deshalb an einem bundesweiten Modellprojekt „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in Lebenswelten“. Fester Bestandteil der Beratungs- und Vermittlungstätigkeit werde künftig sein, Arbeitslose zu gesundheitlichen Themen anzusprechen, erklärte Behördensprecherin Iris Fuchs. „Unsere Kunden sollen über bestehende Kurse der Krankenkassen in der Region informiert und zur Teilnahme motiviert werden“, sagt sie. Das betreffe auch speziell auf Langzeitarbeitslose ausgerichtete Kursangebote, etwa zur Bewegung, zur gesunden Ernährung oder Stressbewältigung.

Auf welche Aspekte es dabei ankommt erfuhren Beschäftigte des Jobcenters in einem dreitägigen Seminar im August. So erfolge die Beratung unter anderem in persönlichen Gesprächen ihre Kunden zu gesundheitlichen Ressourcen und Risikofaktoren.

Netzwerk soll entstehen

Wie in anderen sechs Kreisen und Städten im Land soll auch im Altmarkkreis zusammen mit den Krankenkassen aus der Region und weiteren Partnern vor Ort ein Netzwerk zur Gesundheitsförderung arbeitsloser Menschen aufgebaut werden, erklärt Iris Fuchs. Ziel sei es, deren Gesundheit zu stärken und damit auch die Chancen auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erhöhen, betont die Sprecherin des Jobcenters. Denn: Anhaltende Arbeitslosigkeit kann nicht nur krank machen. Bei vielen Betroffenen fallen die Tagesstrukturen weg, sie verlieren soziale Kontakte und damit oft auch das eigene Selbstwertgefühl. Iris Fuchs: „Das wollen wir gemeinsam verhindern.“

Krankenkassen als Präventionspartner

Ein Präventionsgesetz, das vor zwei Jahren in Kraft getreten ist, legt einen besonderen Schwerpunkt auf Vorbeuge und Gesundheitsförderung in sogenannten Lebenswelten. Gesetzliche Krankenkassen und ihre Kooperationspartner sollen zusammen noch stärker als bisher mit verschiedenen Maßnahmen aktiv auf Menschen in bestimmten Lebenslagen zugehen, informiert die Sprecherin des Jobcenters.