Salzwedel l „Unser ‚Brot und Butter-Geschäft‘ dreht sich meist um die Überwachung von Zielpersonen“, sagt Rico Z., der eigentlich anders heißt. Der richtige Name des Ermittlers ist der Redaktion bekannt. Seit über 30 Jahren beauftragen Privatleute und Unternehmen aus der Region die Detektei Atlas, das Unternehmen des Mannes, dessen Identität aus ermittlungstaktischen Gründen ungenannt bleiben muss.

Rico Z. ist ein unauffälliger Mann in mittlerem Alter. Ein Gesicht unter vielen – auch das sei eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg in einem Beruf, in dem es keine geregelte Ausbildung gibt. „Bei uns muss niemand studiert haben“, sagt Z., dennoch gehören ein Allgemeinwissen über dem Durchschnitt und gute Manieren zum Geschäft. „Man kann nie wissen, ob der nächste Auftraggeber eine Hausfrau ist, oder der Geschäftsführer eines Unternehmens mit internationalen Verbindungen“, sagt Z. In beiden Fällen gelte es, sich in wenigen Augenblicken auf das Anliegen des Kunden einzustellen. Nach Auskunft des Ermittlers stehe die Entscheidung des Kunden, einen Detektiv zu beauftragen, am Ende einer langen und oft schmerzhaften Ungewissheit.

Ehebrechern auf der Spur

Sowohl Frauen als auch Männer, die einen Argwohn gegen ihren jeweiligen Partner hegen, stehen auf der Kundenliste der Detektei. Oft sei den Auftraggebern bewusst, dass das Einschalten eines privaten Ermittlers den letzten Schritt in einer Beziehung bedeutet, deren Scheitern seit langer Zeit feststeht. Aufgabe des Detektivs ist es, die „Abwege“ des mutmaßlich untreuen Partners, zu protokollieren.

Wichtig für die Arbeit des Detektivs sei allerdings der Nachweis eines „berechtigten Interesses“ seiner Auftraggeber. Denn natürlich sei es den privaten Ermittlern nicht erlaubt, sich außerhalb der Gesetze zu bewegen und unauffällig Film- und Fotoaufnahmen von fremden Menschen zu erstellen. Rico Z. erklärt am Beispiel: „Eheleute haben ein berechtigtes Interesse herauszufinden, wie und wo der jeweilige Partner seine Freizeit verbringt.“ In solchen Fällen werde das berechtigte Interesse des misstrauischen Partners auf den Detektiv übertragen.

Kein berechtigtes Interesse bestehe indes, wenn ein Auftraggeber gegenüber der Detektei vorgebe, dass die Überwachung dem angeblich untreuen Partner gelte, den Ermittler aber tatsächlich mit der Überwachung des Nachbarn beauftrage. „Wir prüfen jeden Auftrag sehr genau, bevor wir dem Auftraggeber zusagen“ und: „Erfahrung macht klug“, betont der Ermittler, der in solchen Fällen selber von einer Anzeige seiner Zielperson bedroht ist.

Beweise entscheiden vor Gericht

Rico Z.: „Um einen Auftrag schnell und zuverlässig abwickeln zu können, ist es wichtig, dass Detektiv und Auftraggeber mit offenen Karten spielen. Es ist nicht meine Aufgabe, ein mutmaßliches Fehlverhalten zu beurteilen.“ Die Aufgabe sei, Fakten zu sammeln und Beweise zusammenzutragen, die für oder gegen das Anliegen des Auftraggebers sprechen. Die Fotos und Berichte würden bei einem späteren Prozess dann möglicherweise zugunsten des Auftraggebers gewertet.

Letztere seien sich in vielen Fällen nicht bewusst, dass sich Ermittlungen über Tage und Wochen erstrecken können: Wer die Detektive des Salzwedeler Unternehmens beauftrage, müsse sich im Klaren sein, dass die Arbeit jedes eingesetzten Ermittlers im Stundenlohn bezahlt wird. Es sei nicht möglich, genaue Angaben über das Honorar zu machen, da die Stundensätze nach Art des Auftrags variieren. Rico Z.: „Wenn es gilt, die Adresse eines Verwandten herauszufinden, den die Familie seit Jahren aus den Augen verloren hat, ist das mit ein oder zwei Stunden Recherche getan.“ Nach der 14-tägigen Überwachung einer mutmaßlich untreuen Ehefrau auf Malta, habe ein deutlich höherer Betrag auf der Rechnung gestanden; zumal sich in diesem Fall herausgestellt hatte, dass die Zielperson tatsächlich von morgens bis abends einen Sprachkurs besucht, und den Rest der Zeit allein im Hotelzimmer verbracht hatte.

Dass nicht nur unglückliche Eheleute zu den Auftraggebern der Detektei gehören, bestätigt Rico Z. auf Nachfrage. Oft seien es große Unternehmen, die einzelne Mitarbeiter im Verdacht haben, Betriebsgeheimisse zu stehlen oder sich heimlich im Warenlager der Firma zu bedienen. Zu solchen Gelegenheiten gelte es, ganze Nächte mit hochwertigem Überwachungsgerät, versteckten Kameras und Mikrofonen im Auto zu campieren. Ohne Licht und laufenden Motor, versteht sich. Das sei zwar unbequem und in vielen Fällen kalt, schmunzelt Z., habe aber bislang in jedem Fall zu dem gewünschten Ergebnis geführt.

"Campen" im Auto gehört dazu

Der Ermittler erinnert sich an den Auftrag eines großen Möbel-Händlers, aus dessen Lager über Monate hochwertige Kleiderschränke verschwanden. „Es gab“, sagt Rico Z., „nur einen Mitarbeiter, der einen Schlüssel zu Lager hatte. Dieser Verkäufer hatte ein Spitzen-Gehalt, war in der Firma beliebt und stand vollkommen außer Verdacht.“ Während drei Wochen hatten Z. und seine Kollegen das Unternehmen bewacht. Dabei war ein Möbelwagen aufgefallen, der in unregelmäßigen Abständen mitten in der Nacht auftauchte, einen Schrank auflud und wieder verschwand. Am Steuer saß der genannte Verkäufer.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass der Mann seit Jahren unter einer Spielsucht litt und hohe Schulden hatte. Diese hatte er versucht, durch den Verkauf der Schränke zu begleichen. „Die Geschichte ist gut ausgegangen“, freut sich Z. Der Geschäftsführer des Unternehmens hatte seinen Verkäufer unter der Voraussetzung behalten, dass dieser sich einer Therapie unterziehe. Den Schaden habe er über Jahre von seinem Gehalt abzahlen können. Normalerweise endeten solche Fälle mit einer Anzeige samt fristloser Kündigung. Zusätzlich seien die überführten Mitarbeiter dazu verpflichtet, die Rechnung der Detektei zu begleichen. Am Ende solcher Ermittlungen stehe meist die Erkenntnis, dass sich Diebstahl nicht lohnt: „Zuerst leugnen sie alle“, sagt Z., „aber wenn wir unsere Beweise auf den Tisch legen, brechen die meisten unter Tränen zusammen.“