Salzwedel l Hätten sich die beiden am Abend des 30. Januars des vergangenen Jahres nur eine halbe Stunde früher aus der Kneipe Crazy World auf den Nachhauseweg gemacht, wäre das Paar dem Angriff wohl entgangen. Denn nur zufällig wurden die vier Insassen eines Pkw in der Altperverstraße auf die beiden aufmerksam und nahmen daraufhin die Verfolgung auf. Am Chüdenwall stiegen sie schließlich aus dem Wagen, jagten die junge Frau und ihren Freund über den Parkplatz und fielen dann über den Mann her, nachdem er in der Dunkelheit gestolpert war. Fast eine Minute schlugen sie mit Metallstangen auf den Studenten ein, brachen ihm drei Finger und fügten ihm schwere Kopfverletzungen zu.

Als die Freundin des Geschädigten einschritt, ließen die Männer ab. „So schnell, wie sie ihn angegriffen hatten, so plötzlich war es auch wieder vorbei“, erinnerte sich die 19-Jährige bei ihrer Zeugenaussage. Der jungen Frau hatte sich ein wahrlich grausamer Anblick geboten: „Die Täter haben die Metallstangen geschwungen wie beim Holzhacken“, beschrieb sie die Szene. Offenbar waren die beiden Opfer einer Verwechslung geworden. Vermutlich hatten die Täter, die der rechten Szene in Salzwedel zugeordnet werden können, den jungen Mann fälschlich als Mitglied der linken Szene identifiziert.

Opfer wurden eingeschüchtert

Doch wer genau und mit welchem Gegenstand auf den Geschädigten eingeschlagen hatte, konnte beim Prozessauftakt vor der Jugendkammer des Stendaler Landgerichts nicht geklärt werden. Von den insgesamt vier Angeklagten identifizierten die zwei Zeugen nur Fabian M. klar. Der hatte schon vor den Einlassungen der beiden in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung zugegeben, beim Vorfall mit dabei gewesen zu sein. Er betonte dabei jedoch, nur schlichtend eingegriffen zu haben und das Opfer so vor größerem Schaden bewahrt zu haben. Die Angreifer habe er zur Räson gerufen und zurück ins Auto geschickt. Er habe dem Mann sogar geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Dass die vier Männer bei ihrer Autofahrt durch Salzwedel auf der Suche nach einem Mitglied der linken Szene waren, stritt er ebenfalls ab. Genauso wenig sei mit Gegenständen auf den Mann eingeschlagen worden.

Die beiden Betroffenen bestätigten diese Version nicht. Stattdessen berichteten sie von Einschüchterungsversuchen. Fabian M. habe ihnen mit dem Hinweis, er wisse, wo sie wohnen, verboten, die Polizei zu rufen. Auch die Behauptung, dass bei der Attacke keine Gegenstände eingesetzt worden seien, ist zumindest fragwürdig. Bei einer noch in der Tatnacht nach einem Hinweis vorgenommenen Polizeikontrolle fand die Polizei zwei Metallstangen im Auto des Angeklagten. Untersuchungen stellten DNA-Spuren des Geschädigten an einer der Stangen fest.

Angriff hat langfristige Folgen

Für das Opfer hat der Angriff langfristige Folgen. Die gebrochenen Finger kann der Student nur noch eingeschränkt bewegen. „Handwerkliche Tätigkeiten bereiten schnell Schmerzen“, gab er zu Protokoll. Auch seelisch seien Einschränkungen zurückgeblieben. In der Dunkelheit gehe er nur noch ungern raus. Salzwedel meide er seit dem Vorfall fast komplett.

Weil im Prozess noch weitere Fälle verhandelt werden, ist erst in einigen Wochen mit dem Urteil zu rechnen.