Altmarkkreis l Ja, es ist eben nicht ganz so einfach mit der Politik. Da werden zuweilen Entscheidungen getroffen, die manch Erwachsener nicht versteht. Ganz zu schweigen vom Nachwuchs. Und so setzt sich der neunjährige Matti in einem Ortsteil der Einheitsgemeinde Salzwedel kürzlich einfach mal hin und schreibt einen Brief an die Salzwedeler Bürgermeisterin: „Hallo Frau Bürgermeisterin! Wieso werden die Flüchtlinge wegen Corona eingesperrt?“, fragt er nach.

Vielleicht hat er ja bei einem Spaziergang die Gemeinschaftsunterkunft am Fuchsberg gesehen? Vielleicht hat er auch Gespräche der Großen belauscht. Kurzum: Matti will‘s wissen. Denn Matti kann sich nicht erklären, warum um die Flüchtlingsunterkunft in Salzwedel ein Bauzaun gezogen und ein Wachmann vor Ort ist. „Anderen Leuten, zum Beispiel aus Winterfeld“, würde das schließlich nicht so gehen, hat der Neunjährige festgestellt.

Neun Zeilen mit Fristsetzung

Und so landet Ende Januar ein ganz besonderer Brief im Postkasten des Salzwedeler Rathauses. Neun Zeilen lang – aber politisch brisant, dazu gleich mit Fristsetzung: Innerhalb von 48 Stunden will der Neunjährige Antworten.

Nun ja. So schnell geht‘s dann aber doch nicht. Mattis Schreiben bekommt zunächst – schließlich lebt Matti in Deutschland – einen ordentlichen Eingangsstempel der Behörde, wird dann natürlich auch an die Adressatin persönlich weitergeleitet, so wie sich das gehört.

Und auch wenn die Salzwedeler Stadtchefin nicht gerade unterbeschäftigt ist, nimmt sie sich Zeit für den wissensdurstigen jungen Bürger ihrer Stadt. Fünf Tage später hat Matti also schon mal eine erste Antwort im Postkasten: „... in deinem Brief zeigst Du, lieber Matti, Dich entsetzt darüber, dass Flüchtlinge, die in der Altmark untergebracht sind, ‚eingesperrt‘ seien. Als Bürgermeisterin und auch als Einwohner kann ich sagen, dass ich ein respektvolles Miteinander und einen menschenwürdigen Umgang mit jeder Person, egal woher sie kommt, für unverzichtbar halte“, schreibt Sabine Blümel an Matti. Sie verstehe seine Entrüstung sehr gut, versichert sie.

Den Brief weitergereicht

Allerdings ist sie auch in einer sehr komfortablen Position: Sie kann nämlich die Beantwortung der Frage selbst delegieren, die Versorgung der Asylantragssteller fällt schließlich nicht in ihren Verantwortungsbereich.

Und so teilt sie Matti mit: „Der Altmarkkreis Salzwedel ist der direkte Ansprechpartner für alle Themen, die sich um die Unterbringung und Versorgung drehen.“ Matti weiß nun: Sein Schreiben wurde weitergeschickt.

Und dann dauert es auch gar nicht mehr lange. Schon zwei Tage später hat der junge Westaltmärker Antwort vom Herrn Landrat persönlich: „Deine Frage ist durchaus berechtigt und ich möchte dir das auch erklären“, schreibt ihm Michael Ziche. So sei es zur Bekämpfung des Coronavirus‘, von dem Matti sicherlich schon gehört habe, „sehr wichtig, dass es nicht auf andere Menschen übertragen wird“. Daher werde für Personen, die daran erkrankt sind, eine Quarantäne angeordnet, die eben auch bedeute, dass die Personen ihre Wohnungen oder Unterkünfte nicht verlassen dürfen. Und das, so versichert der Landrat, sei in Salzwedel ebenso wie in Winterfeld. „Insofern ist der Begriff ‚eingesperrt‘ nicht ganz richtig. Die Asylbewerber dürfen ihr Gebäude ebensowenig verlassen wie Personen, die sich häuslicher Quarantäne befinden.“

Aufmunternde Worte

Seine Erklärung hat Matti nun also. Und es gibt auch noch aufmunternde Worte für den Neunjährigen: „Ich finde es gut, dass du dich so einsetzt“, schreibt Michael Ziche.

„Bleib auch weiterhin an gesellschaftlichen und politischen Themen interessiert. Denn Demokratie braucht engagierte Menschen“, wünscht sich Sabine Blümel.