Gerichtsverhandlung

Rentner muss ins Gefängnis

Vor dem Amtsgericht musste sich am Mittwoch ein 69-Jähriger wegen Fahrens ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss verantworten.

Von Fabian Laaß

Salzwedel l Eigentlich wirkt er wie der liebe, nette Opa von nebenan, wie er da auf der Anklagebank des Salzwedeler Amtsgerichtes sitzt. Doch Gustav R. (Name geändert) hat auch eine andere, aggressive Seite. Diese zeigte er am 5. Dezember des vergangenen Jahres. Damals war er alkoholisiert und ohne gültigen Führerschein mit seinem Opel Corsa auf der Thielbeerer Dorfstraße unterwegs. „Ich war noch bei einer Bekannten in Arendsee. Dort habe ich ein paar Gläser Wein getrunken. Ich bin ein guter Autofahrer und konnte auch an diesem Abend noch fahren“, gibt der Rentner unumwunden zu.

In Thielbeer kam ihm ein Einsatzwagen der Polizei entgegen. Da Gustav R. zu weit in der Fahrbahnmitte fuhr, stießen die Fahrzeuge mit den Außenspiegeln zusammen. „Wir haben dann gedreht und Herrn R. angehalten. Als er die Tür öffnete, kam uns nicht nur laute Marschmusik, sondern auch starker Alkoholgeruch entgegen“, schildert ein als Zeuge geladener Polizist.

Ein Atemalkoholtest vor Ort konnte nicht erfolgen, da Gustav R. nicht mehr in der Lage war, zu pusten. Also schoben die Beamten den Corsa des Angeklagten an die Seite und nahmen den 69-Jährigen mit ins Salzwedeler Polizeirevier.

„Erst war er ganz ruhig. Doch auf der Fahrt wurde er dann aggressiv, hat mich als Hurensohn und noch schlimmeres betitelt“, so der Polizist. Dessen Kollegin erzählte, sie sei von Gustav R. als niedliches Kätzchen bezeichnet worden. „Im Polizeirevier haben wir dann nochmal versucht, einen Atemalkoholtest zu machen. Er hat mir gesagt, er würde lieber bei mir pusten, als in das Gerät“, so die Beamtin.

Doch damit nicht genug: Gustav R. versuchte mehrmals, die Polizisten zu treten oder zu schlagen. Im Salzwedeler Altmark-Klinikum sollte schließlich eine Blutprobenentnahme erfolgen. Auch dort wurde der Rentner handgreiflich. Nach der Entnahme – der Test ergab einen Wert von 2,18 Promille – entledigte sich der 69-Jährige seiner Hose und wollte mit der Bemerkung, die Polizei könne ihn am Allerwertesten lecken, den nackten Hintern zeigen.

„Das war dann zu viel für uns. Wir mussten ihn in Handschellen legen“, so der Polizist. Man habe dem Rentner noch ein Taxi gerufen. Auf dem Weg nach draußen, habe Gustav R. noch gemeint, er würde den Polizisten „platt machen“, sollte er ihm in Arendsee begegnen.

„Möchten Sie sich vielleicht bei der Polizistin entschuldigen?“, wollte Amtsrichter Klaus Hüttermann wissen. „Bei der Frau entschuldige ich mich gern“, sagte Gustav R. Mehr hatte er allerdings nicht zu ihr sagen. „Das scheint Ihnen ja eine echte Herzensangelegenheit zu sein“, konstatierte der Gerichtsdirektor.

Gustav R. ist kein unbeschriebenes Blatt, hat seit 1965 19 Eintragungen im Strafregister gesammelt. Am 14. April 2015 wurde er vom Salzwedeler Amtsgericht ebenfalls wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt. Die Fahrerlaubnis musste er damals abgeben. Davor wurde der 69-Jährige wegen Verunglimpfung des Staates, Beleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe mit vierjähriger Bewährungszeit verurteilt.

„Mit mehr als zwei Promille im Blut kann man nicht mehr richtig fahren. Schlangenlinien gehören dazu. Ich kann nur sagen: ‚Alter schützt vor Torheit nicht‘“, sagte der zuständige Staatsanwalt. Gustav R. habe alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. „Außerorts waren sie vielleicht noch schneller unterwegs. Da hätte es leicht auch Tote geben können. Wie alt müssen Sie eigentlich werden, bis Sie erkennen, wie man sich zu verhalten hat? Wie soll das mit Ihnen denn weitergehen? Kratzbürstiger Rentner dreht durch?“ fragte der Staatsanwalt.

Das Ganze habe sich auch noch im Rahmen einer Bewährungsstrafe abgespielt. „Das schlägt dem Fass den Boden aus. Ich möchte, dass Sie für sechs Monate ins Gefängnis gehen. Und zwar ohne Bewährung. Bei einem älteren Mann tut mir das zwar leid, aber so geht es nunmal nicht.“ Außerdem forderte der Staatsanwalt, den Führerschein für weitere 36 Monate zu entziehen.

Klaus Hüttermann folgte dem Antrag. „Es reicht. Der Bogen ist überspannt. Ich meine, dass nichts anderes mehr hilft. Ihr Verhalten ist absolut inakzeptabel“, so der Amtsrichter.