Windkraft

Repowering bei Salzwedel: Einnahmen für Kommunen möglich

Seit Anfang des Jahres können Kommunen an den Einnahmen, die Windräder erbringen, teilhaben. Das wirft ein neues Licht auf die geplante Erneuerung der Anlagen auf dem Krangener Berg, die bisher wegen der Höhenbegrenzung nicht erfolgt ist. Die Ortsbürgermeister von Pretzier und Chüden wollen nun dahingehend aktiv werden.

Die Windräder auf dem Krangener Berg sind veraltet und sollen nach dem Willen der Betreiberfirma durch größere ersetzt werden.
Die Windräder auf dem Krangener Berg sind veraltet und sollen nach dem Willen der Betreiberfirma durch größere ersetzt werden. Foto: Antje Mewes

Antje Mewes - Salzwedel/Pretzier/Chüden

Das sogenannte Repowering, also das Ersetzen alter Windräder durch höhere und leistungsstärkere Anlagen zwischen den Orten Chüden, Riebau, Pretzier und Buchwitz östlich von Salzwedel, wird seit gut zwei Jahren kontrovers diskutiert. Die Firma Umweltgerechte Kraftanlagen (UKA) will neun kleine Windräder auf dem Krangener Berg mit Größen von 100 Metern und einer Gesamtleistung von 9,5 Megawatt zurückbauen. Sie sollen durch sechs Anlagen der neuesten technischen Generation mit einer Höhe von 200 Metern und einer Gesamtleistung von 33 Megawatt ersetzt werden, hatte UKA-Sprecherin Lisa Fritsche auf Anfrage mitgeteilt. Dafür müsse die im Flächennutzungsplan festgelegte Höhenbegrenzung von 150 Metern für Windräder in diesem Gebiet fallen. Das Papier war im Oktober 2019 mit der entsprechenden Festlegung vom Stadtrat beschlossen worden. Ein Schritt, der bei Landeigentümern in Pretzier auf harsche Kritik stieß. Andere Einwohner waren froh, weil sie Beeinträchtigungen von den „riesen Anlagen“ befürchteten.

Finanzieller Anreiz

Passiert ist seitdem nichts. Seit dem 1. Januar kann die Firma allerdings mit einem finanziellen Anreiz argumentieren. „In der Zwischenzeit hat sich die Marktsituation zum Positiven für die Gemeinden vor Ort entwickelt“, erklärt Lisa Fritsche. Der neue Paragraph 36 k des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2021 regele, dass Kommunen künftig an den Einnahmen aus der Windverstromung beteiligt werden können. Fritsche: „Das heißt, wir dürfen als Vorhabenträger den betroffenen Gemeinden in einem definierten Umkreis eine Beteiligung von insgesamt 0,2 Cent für jede Kilowattstunde, die vor Ort erzeugt wurde, anbieten.“ Als von der Errichtung berührt gelten Gemeinden, deren Gebiet innerhalb eines Radius’ von 2,5 Kilometern um die geplanten Anlagen liegt, erklärt sie weiter. Seien mehrere Gemeindegebiete tangiert, werde der Betrag nach der jeweilig betroffenen Fläche verteilt. Die Einnahmen unterliegen keiner Zweckbindung. Über die Verwendung kann frei entschieden werden, heißt es im Gesetz. „Beispielsweise könnte mit den Geldern in Kitas und Schulen investiert oder Infrastrukturprojekte finanziert werden“, betont sie.

Über diese neuen Chancen wollen die Mitarbeiter der UKA in den kommenden Monaten vor Ort mit den Beteiligten sprechen. In einer Beispielrechnung wird pro Anlage je nach Güte des Standortes von 20 000 bis 40 000 Euro pro Jahr für die Kommune ausgegangen, über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Ortsrat aufgeschlossen

Der Chüdener Ortschaftsrat hat sich bereits im März mit dem Thema befasst. „Wir stehen der Sache aufgeschlossen gegenüber“, sagte Ortsbürgermeister Detlef Korneck auf Anfrage. Auf das zusätzliche Geld könne die Stadt angesichts der klammen Kassen nicht verzichten. Der Rat habe sich darauf verständigt, dafür die 200 Meter hohen Windräder in Kauf zu nehmen. Allerdings auch darauf, „dass das Geld für die jeweiligen Ortschaften aufgewendet wird und nicht im Stadtsäckel verschwindet“.

So sehe es auch der Ortsrat in Pretzier, erklärt Ortsbürgermeister Herbert Schulze. „Die Anlagen sind zwar höher, aber dafür sind es weniger“, schätzt er ein. Noch sei der F-Plan bei der Umsetzung im Weg. Eine separate Änderung sei bereits beantragt. Zudem wollen sich Vertreter beider Ortschaften mit ihrem Anliegen direkt an den Stadtrat wenden.